TVon Sandabbau bis Baugebiete: Die Kritik der Dörfer an der Raumordnung
Kritik an der Raumordnung: Die Gemeinde Hammah fordert eine Rücknahme der Gebietskulissen „Natur und Landschaft, Biotopverbund und Torferhalt“ für Flächen wie hier in Groß Sterneberg. Foto: Klempow
Von Engelschoff bis Kranenburg haben die Gemeinderäte sich das neue Raumordnungsprogramm des Landkreises und damit ein Stück Zukunftsplanung angeschaut. Ihnen ist einiges aufgefallen.
Oldendorf-Himmelpforten. Der Entwurf des neuen Raumordnungsprogramms (RROP) für den Landkreis Stade liegt vor. Es fußt auf dem Landesraumordnungsprogramm und schreibt bestimmte Flächen einem bestimmten, möglichen Zweck zu, um diese von anderen Umnutzungen freizuhalten.
Die zehn Mitgliedsgemeinden in Oldendorf-Himmelpforten haben den RROP-Entwurf durchleuchtet, um dem Landkreis bis zum 7. Januar eine Rückmeldung zu geben.
Auch die Samtgemeinde nimmt Stellung. Das Ziel: „Die Positionen der Mitgliedsgemeinden zu stützen“, so Samtgemeindebürgermeister Holger Falcke. Das sind die kritischen Punkte:
Siedlungsstruktur
Entwicklung der zentralen Orte: Himmelpforten und Oldendorf sind bereits Grundzentren. Oldendorf will den dafür festgelegten „Versorgungskern“ ausgeweitet wissen. Innerhalb dieses Versorgungskerns sind großflächige Einzelhandelsvorhaben möglich.
Die Oldendorfer finden den aktuellen Kern „sehr klein“ und wollen ihn in Absprache mit dem Landkreis deutlich vergrößern.

Kirche und Supermarkt sind in Oldendorf in der Dorfmitte eng beieinander. Den bisher eng gefassten „Versorgungskern“ will die Gemeinde Oldendorf erweitert wissen. Foto: Klempow
Himmelpforten will als größte Gemeinde in der Planungs-Liga zum „Grundzentrum mit mittelzentraler Funktion“ aufsteigen und verweist auf die Grundversorgung mit Schulen, Ärzten und Nahversorgung, aber auch auf das gymnasiale Angebot, die Freie Schule, die Kfz-Zulassungsstelle, den Bahnhof, spezialisierten Einzelhandel und auf die kulturell überregionale Bedeutung des Christkinddorfes mit dem Christkindmarkt.
Raumordnungsprogramm
T Flächen für Windenergie: Drochtersen wehrt sich gegen Landkreis-Pläne
Hammah will Grundzentrum werden
Auch Hammah will aufsteigen. Zum ersten Mal ist die Gemeinde als Standort mit „herausgehobener Bedeutung für die Nahversorgung“ im RROP gekennzeichnet.
Prinzipiell begrüßenswert, sagen die Hammaher. Allerdings sei Hammah inzwischen der zweitgrößte Ort im Samtgemeindeverbund, gemessen an der Einwohnerzahl.
Hammah will also Grundzentrum werden und verweist auf den Bahnhaltepunkt, den neu aufgestellten Grundschulstandort mit dem Einzugsgebiet Düdenbüttel, die neue Dorfgemeinschaftsanlage und das gewachsene Dienstleistungsangebot im Dorfkern. Als Grundzentrum könnte die bisherige „städtebauliche Entwicklung“ fortgesetzt werden - Hammah könnte weiter wachsen.
Vorbehaltsflächen, Biotopverbünde
Das RROP sieht Vorbehaltsflächen für Biotop-Verbünde unterschiedlicher Ökosysteme vor. Sowohl Burweg als auch Hammah und Engelschoff wollen die entsprechenden Verbundsflächen deutlich reduziert wissen.
Laut Landkreis hat die Kennzeichnung der Gebiete keine Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Nutzung. Eine etwaige Nutzung im Sinne des Biotopverbunds (zum Beispiel Moor mit Blick auf den Insektenschutz) sei nur mit dem Eigentümer möglich.
Dennoch überwiegt die Skepsis, welche Folgen das langfristig haben könnte. In Hammah waren die Landwirte im Bereich Groß Sterneberg in Sorge. Der Rat Hammah fordert nach kontroverser Diskussion mehrheitlich vom Landkreis, die Ausweisung der Vorbehaltsgebiete Natur und Landschaft, des Torferhalts und für Biotopverbünde in den Ortsteilen Hammah und Groß Sterneberg sogar ganz zurückzunehmen.
Burweg wünscht mehr Abstand zur Photovoltaik
Auch ein Großteil des Engelschoffer Gemeindegebietes ist als „Vorbehaltsfläche für Natur und Landschaft“ eingestuft, aber „aufgrund teilweiser höherwertiger landwirtschaftlicher Fläche mit einem hohen Ertragswert“ wünscht sich die Gemeinde eine Reduzierung der Fläche auf den Kreisdurchschnitt.
In Burweg gibt es so viele Grenzen für die landwirtschaftliche Nutzung durch Deichbau, die Suedlink-Leitung, die B73 oder die Bahnstrecke, dass die Gemeinde fordert, auf eine Vorbehaltsfläche Moorverbund zu verzichten und die Vorrangflächen Gewässerverbund zu reduzieren. Letztere an der Horsterbeck grenzen im aktuellen Entwurf zudem an eine Fläche, auf der eine große Photovoltaik-Anlage geplant ist.
Windenergie
Die Windenergie-Flächen im RROP entsprechen weitestgehend denen im Flächennutzungsplan der Samtgemeinde. Dort, wo im Einzelfall Konflikte über die Grenzen der Mitgliedsgemeinden hinweg entstehen, hält sich die Samtgemeinde heraus.
Das gilt für eine Windparkfläche nördlich der B73 bei Mittelsdorf, die von Düdenbüttel und Hammah nicht beanstandet wird. Die Größe ist schon reduziert worden, der Gemeinderat Himmelpforten lehnt die Fläche aber nun ganz ab. Der Rat fürchtet mögliche Einschränkungen in der Wohnbauentwicklung Himmelpfortens. Hammah wiederum plädiert dafür, die ursprüngliche Größe beizubehalten, das möchte sie auch für den Windpark Hammah-Ost.
Heinbockel will Windfläche gestrichen wissen
Während Kranenburg sich für eine Erweiterung seiner Windparkfläche Richtung Norden ausgesprochen hat, lehnt Burweg wiederum einen Ausbau des Windparks bei Kuhla/Oldendorf ab. Heinbockel stimmt der verkleinerten Vorrangfläche Wind zwischen den Dörfern Heinbockel und Hagenah zu, wenn eine sehr kleine, weitere Fläche auf Gemeindegebiet gestrichen wird.
Verkehr
Die S-Bahn solle mindestens bis nach Himmelpforten fortgeführt werden, die Elektrifizierung der Strecke, aber auch die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Bremervörde und die Weiterführung über Stade bis nach Himmelpforten sind Ziele, die sich im RROP wiederfinden sollen.
Himmelpforten setzt sich auch für den Ausbau der Zweigleisigkeit ein, Burweg formuliert einen möglichen Haltepunkt als Ziel.
Ortsumgehungen fallen weg
Weil die Verknüpfung von einer A20 mit der A26 im RROP enthalten ist, fordert die Samtgemeinde, auch den Anschluss der Autobahn Richtung Cadenberge im Entwurf darzustellen. Denn die einstmals geplanten Ortsumgehungen Düdenbüttel und Burweg sind nicht mehr im Zukunftsplan RROP enhalten.
Sandabbau
Auf dem Gebiet von Oldendorf-Himmelpforten sind mehrere Vorrangflächen Sandabbau eingetragen. Die Gemeinde Kranenburg will, dass die Fläche kleiner ausfällt und damit nicht so nah an die Siedlung rückt. Auch Hammah fordert, mögliche Sandabbauflächen zu reduzieren.
Gelten sollen nur die bereits genehmigten Flächen für den Sandabbau der AOS, eine weitere Fläche rückt dem Gemeinderat nördlich zu nah an den Ort und könne die Wohnbauentwicklung einschränken.
Die Gemeinde Burweg bemängelt, dass eine mögliche Sandabbaufläche in Blumenthal im Flächennutzungsplan bereits für die Wohnbebauung vorgesehen ist. Sie kritisiert außerdem die Ausweisung einer Sandabbaufläche an der B73 bei Bossel in der Nähe des geplanten Autobahnzubringers. Das könnte mit der Ansiedlung von Gewerbe kollidieren, so die Gemeinde.
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