TWarum Baustellen wie an der B73 nicht pünktlich fertig werden
Die B73 in Düdenbüttel wird saniert und soll im Frühjahr fertig gestellt sein. Foto: Klempow
Die B73 in Düdenbüttel sollte längst fertig sein. Doch der Straßenbau stockte. Wie kommt es zu solchen Verzögerungen - und warum lässt sich das kaum verhindern?
Landkreis. Die B73 in Düdenbüttel ist derzeit gesperrt. Knapp 18.000 Fahrzeuge rollen hier normalerweise täglich über den Asphalt, nun werden sie weiträumig umgeleitet.
Die Bauarbeiten sollten eigentlich schon im Oktober 2025 abgeschlossen sein, doch das Ende der Maßnahme verzögert sich erneut - voraussichtlich bis April. Doch warum dauern manche Straßenbauprojekte länger als geplant?
Jede zweite Baustelle wird pünktlich fertig
Die B73 ist kein Einzelfall. Und dennoch ist die öffentliche Wahrnehmung verzerrt. „Bei uns können um die 50 Prozent der Baumaßnahmen zum geplanten Zeitpunkt oder sogar früher beendet werden“, sagt Friederike Wöbse, Leiterin des Geschäftsbereichs Stade der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV).
Dass trotzdem immer wieder Projekte aus dem Zeitplan geraten, liegt meist an Faktoren, die schwer vorhersehbar sind.

Etwa jede zweite Baustelle wird innerhalb des Zeitplans fertig, so die NLStBV. Foto: Stefan Sauer/dpa
Unter der Straßendecke steckt das Unberechenbare
Jede Baustelle ist ein Zusammenspiel verschiedenster Faktoren, darunter der Beschaffenheit des Untergrunds, der Witterung, den verfügbaren Firmen oder den Leitungen, die unter der Straße verlaufen.
Sanierungsarbeiten
A26/B73: Vollsperrung zwischen Stade-Ost und Harsefelder Straße
Eine der größten Unbekannten verbirgt sich im Boden selbst. Zwar werden Bohrkerne entnommen und mit Georadar nach Störfaktoren gesucht, doch völlig ausschließen lässt sich das Überraschungsmoment nicht.
„Da kommen Leitungen zum Vorschein, von denen keiner wusste und die natürlich erstmal zugeordnet werden müssen“, sagt Michael Schöne, Fachbereichsleiter Bau bei der NLStBV.

Jedes Projekt ist anders: Manchmal stellt die Bodenbeschaffenheit eine Herausforderung dar, die es zu lösen gilt. Foto: NLStBV, rGB Stade
Teilweise sind solche Funde neu verlegte Glasfaserkabel, an anderer Stelle stößt man - wie einst in Jork - auf alte Brückenfundamente. Diese Entdeckungen können Wochen oder gar Monate kosten.
Ein Beispiel, bei dem gleich mehrere Hindernisse zusammentrafen, ist der Neubau der Ostebrücke zwischen Hechthausen und Burweg.
Neben schwierigen Baugrundverhältnissen bauten dort streng geschützte Uferschwalben Nester in den Sanddamm. Für die Bauarbeiter galt aufgrund des Artenschutzes eine klare Tabuzone, bis die Vögel ihr Brutgebiet wieder verlassen hatten.
„Manchmal gibt es aber auch schöne Überraschungen, wodurch der Bauablauf verkürzt werden kann“, sagt Wöbse.

Uferschwalben beschäftigten die Behörden 2024 auf der Baustelle an der Ostebrücke (Symbolbild). Foto: dpa
Wenn ein Zahnrad das andere blockiert
Auf jeder Baustelle arbeiten verschiedene Parteien zusammen, die je nach Fortschritt das Tempo beeinflussen. Neben der ausführenden Baufirma oder einer Arbeitsgemeinschaft sind häufig Trinkwasserverbände, Energieversorger und Baumgutachter eingebunden.
Kooperationen sollen Kosten und Ressourcen sparen, machen die Abläufe aber zugleich anfälliger für Verzögerungen. Gerät eine Beteiligte ins Stocken, stockt meist die nächste.

Jede zweite Baustelle endet pünktlich, doch unvorhergesehene Funde im Boden sorgen regelmäßig für Überraschungen. Foto: NLStBV, rGB Stade
Manchmal verschiebt sich schon der Start eines Projekts, weil eine andere Straße erst als Umleitung fertiggestellt werden muss: Wird eine Baustelle später beendet, verschiebt sich automatisch der Beginn der nächsten.
Da auch Landkreis, Stadt Stade und Deutsche Bahn eigene Maßnahmen planen, ist eine enge Abstimmung der Zeitpläne notwendig.
Wenn das Wetter die Planung zerstört
Auch das Wetter kann zur großen Hürde werden. Besonders beim Einbau neuer Straßenschichten spielt die Temperatur eine wichtige Rolle.
Nur bei Trockenheit und Werten deutlich über dem Gefrierpunkt können die Materialien dauerhaft haltbar eingebaut werden. Der vergangene, ungewöhnlich lange Winter hat deshalb viele Vorhaben gebremst.
Bei vorbereitenden Maßnahmen spielt das Wetter hingegen eine geringere Rolle, aber: „Gerade, wenn es zum Beispiel um notwendige Fällarbeiten geht, wollen und müssen wir uns an die Fällperiode halten - und die startet immer Anfang Oktober“, erklärt Schöne, warum Baustellen mitunter im Winter anfangen.
Fehlende Fachkräfte
Zu technischen und wetterbedingten Unsicherheiten kommt ein grundsätzliches Problem im Straßenbau hinzu: der Fachkräftemangel. Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer sind fast zwei Drittel der Tiefbaubetriebe betroffen.
Der Mangel an qualifiziertem Personal erschwert nicht nur die Besetzung der Baustellen, sondern kann auch laufende Arbeiten verzögern, wenn Teams unterbesetzt sind oder spezialisierte Maschinen nicht bedient werden können.
Zwischen Geduld und Effizienz
Baustellen sind ein Ärgernis, das viele Autofahrer regelmäßig trifft. Doch angesichts des Sanierungsbedarfs auf den Straßen im Kreis Stade sind sie unvermeidlich.
Wöbse betont, dass ihre Behörde trotz aller Widrigkeiten Wege sucht, den Verkehr so wenig wie möglich zu belasten - etwa durch Vollsperrungen in Ferienzeiten oder das Verlegen wetterempfindlicher Arbeiten in den Sommer.
„Das gelingt uns mal besser, mal schlechter“, sagt sie. Die Behörde sei stets darauf bedacht, effizient, aber vor allem auch kostenschonend zu arbeiten. „Immerhin sind es Steuergelder, die uns zur Verfügung gestellt werden.“
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