Zähl Pixel
Naturphänomene

TWarum Mücken und Käfer auf Pilze besonders abfahren

Ein Täubling lockt Insekten an, die seine Sporen weitertragen.

Ein Täubling lockt Insekten an, die seine Sporen weitertragen. Foto: Kurtze

Pilze bestehen aus Chitin, einer Zuckerverbindung. Etwas Eiweiß und etliche Spurenelemente sind auch in ihnen enthalten. So etwas haben Insekten zum Fressen gern.

Von Wolfgang Kurtze Samstag, 08.11.2025, 14:50 Uhr

Landkreis. Pilzsuchende kennen das: Endlich ist ein wundervoller Steinpilz gefunden, doch zu Hause ist die Enttäuschung groß. Der Pilz zeigt sich im Innern löcherig, er ist voller Maden. Denn leider wird ein Pilz nicht nur von uns gemocht, auch andere zeigen Interesse an ihm. Bei genauerem Hinsehen lässt sich noch mehr entdecken: Ein Pilz ist ein kleines Biotop, in dem es von Lebewesen nur so wimmelt.

Besonders die winzigen Pilzmücken - der Name verrät es - haben es auf die Chitinmasse abgesehen. Die zarten, nur wenige Millimeter großen Mücken legen ihre Eier auf den Pilz. Aus ihnen entwickeln sich die Maden, die sich in den Pilz hineinbohren und hervorragend an ein Leben im Pilz angepasst sind. Mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen geht es tiefer und tiefer in den Pilz hinein. Damit das noch eleganter geht, kleiden sie ihre Gänge mit Schleim aus. So können sie prima darin hin- und hergleiten und entlang ihrer Rutschbahn einen Fraßgang nach dem anderen herstellen.

Fruchtfliegen und Trauermücken fühlen sich wohl

Eine ähnliche Lebensweise zeigen die pilzfressenden, minierenden (tunnelbauenden) Maden der Trauermücken. Wir kennen sie als nervende Krabbeltiere in der Blumenerde. Auch Fruchtfliegen als Allesfresser sind in Pilzen zu Hause. Alle Larven der pilzfressenden Fliegen und Mücken sind die entscheidende Grundlage für die sich bildenden Nahrungsketten im Pilz. Denn mit ihnen stellen sich ihre Fressfeinde ein. Häufig sind es die räuberischen Kurzflügelkäfer, von denen sie gefressen werden.

Lesen Sie auch

Eine unfassbare Vielfalt von mindestens weiteren 150 Käferarten wurde in und auf Pilzen gefunden. Ein Club von pilzfressenden Spezialisten ist unterwegs, die es auf einige Pilzarten besonders abgesehen haben. Die Namen deuten es an: Sie heißen Pilzrüssler, Baumschwammkäfer, Schwammfresser, Schattenkäfer oder Verborgenfresser. Viele Pilze nutzen deren Lust auf Pilznahrung aus. Die Käfer – auch etliche Mücken und Fliegen – fressen die Pilzsporen.

Insekten tragen Pilzsporen immer weiter

Die Sporen verursachen bei den Insekten eine sehr flotte Darmtätigkeit. Bald sind diese wieder ausgeschieden. Nach der Darmpassage keimen sie besonders gut. Zwischen dem Fressen der Pilzsporen und ihrem Ausscheiden vergehen Minuten. Oft fliegen die Insekten noch etliche Hundert Meter weiter und geben erst dann die Sporen ab. Jetzt haben sie als Taxi für Pilzsporen ihren Dienst getan. Hier besteht also eine Symbiose von Pilz und Insekt.

Nach einigen Tagen ist die Entwicklung des Pilzes und dessen Innenleben vorbei. Die Pilzsporen sind verteilt, die Insekten fertig entwickelt und ausgeflogen. Die Pilze zerfallen zu einer glitschigen Masse. Nun sind sie am Lebensende für einige Insekten besonders schmackhaft. Mist- und Aaskäfer stellen sich ein. Der Schmaus an den gammeligen Pilzresten beginnt. Nichts davon bleibt übrig.

Bliebe nachzutragen, dass einige Pilze recht zuverlässig von Insekten befressen sind. Auf Tintenpilze, Steinpilze und Champignons zum Beispiel scheinen die Insekten gern zu fliegen. Besonders begehrt, so schreiben es Insektenkundler, sollen Stockschwämmchen sein. Im Mittelfeld der Beliebtheit unter pilzfressenden Insekten befindet sich der giftige Knollenblätterpilz. Aber der sollte ja von uns unbedingt gemieden werden.

Serie und Buch

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel