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Wahl 2026

T„Wir geben viel zu viel aus“: CDU kritisiert Drochtersens Gemeinde-Finanzen

Hannes Hatecke lobt die Zusammenarbeit mit dem Rathaus.

Hannes Hatecke lobt die Zusammenarbeit mit dem Rathaus. Foto: Knappe

Drochtersens CDU-Chef zieht vor der Kommunalwahl Bilanz: Gästebeitrag und Dorferneuerung seien Erfolge, doch die Gemeinde gebe „viel zu viel Geld“ aus. Auch die Ganztagsschule kritisiert er.

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Von Lars Wertgen
Montag, 16.02.2026, 09:50 Uhr

Drochtersen. Am 13. September 2026 wird in Drochtersen ein neuer Gemeinderat gewählt. Hannes Hatecke, CDU-Fraktionsvorsitzender, zieht Bilanz und benennt Sorgen.

CDU-Bilanz: Gästebeitrag und Dorferneuerung

Die Gemeinde hat in den letzten Jahren einiges geschafft. Hatecke hebt drei Projekte hervor: „Wir haben den Gästebeitrag eingeführt, der in 2026 das erste Mal neue Einnahmen in unsere Gemeindekassen bringt - ohne Mehrbelastung für unsere Gemeindebürger.“

Dazu komme die Aufnahme von Barnkrug, Wethe, Assel und Ritsch ins Dorferneuerungsprogramm. Zudem habe die CDU Infrastrukturprojekte angestoßen: die Sanierung der Klappbrücke in Dornbusch, den Lückenschluss des Fußweges dort sowie den Erwerb neuer Flächen für Gewerbegebiete.

Bis zur Wahl will Hatecke den Bebauungsplan für die Fläche „Alter Hof“ aufstellen.

Viele neue Gesichter

Der Großteil der Fraktion wird erneut kandidieren, darunter Hannes Hatecke, Bernd Mattern, André Weseloh, Philip Röndigs und Jens Schütt. Neu antreten werden auch einige junge Kandidaten aus allen Ortsteilen der Gemeinde.

Einige andere Ratsmitglieder zögern noch, ob sie erneut antreten (aus beruflichen oder privaten Gründen). „Diesen Mitgliedern haben wir bis zum 1. April Bedenkzeit eingeräumt“, so Hatecke.

Hannes Hatecke, CDU-Fraktionsvorsitzender.

Hannes Hatecke, CDU-Fraktionsvorsitzender.

Zusammenarbeit im Rat

Die Zusammenarbeit zwischen CDU und SPD und Freien Wählern bewertet Hatecke grundsätzlich als konstruktiv. Störend empfinde er nur, „dass manchmal einzelne Ratsherren der SPD nach Ratssitzungen ihren Frust in den sozialen Medien ablassen. In der CDU-Fraktion würde ich so etwas nicht dulden.“

Besonders angespannt ist das Verhältnis zwischen Freien Wählern und Verwaltung, so der CDU-Chef. „Es knirscht leider viel zu oft.“

„Teilweise kommen zwar die richtigen Ideen, werden aber nicht miteinander, sondern zu oft gegeneinander ausdiskutiert.“ Die Zusammenarbeit zwischen CDU und Verwaltung laufe dagegen „richtig gut“, habe sich aber erst einspielen müssen.

Als Beispiel nennt er den Gästebeitrag: „Es hat mehrere Jahre gedauert, bis wir die Verwaltung davon überzeugt hatten, dass ein Gästebeitrag rechtlich einwandfrei und eine gute Sache ist.“

AfD: Sachlicher Diskurs

Die AfD hat in Drochtersen einen Ortsverband gegründet und könnte bei der Kommunalwahl antreten. Hatecke positioniert sich differenziert: „Das Problematische an der AfD ist, dass sie - nicht in Drochtersen, aber in einigen Teilen der Bundesrepublik - verfassungsfeindliche Mitglieder duldet.“

Grundsätzlich sei es in einem Rechtsstaat aber völlig in Ordnung, wenn Parteien von ihrem passiven Wahlrecht Gebrauch machen. Er geht davon aus, dass die AfD in den Gemeinderat einziehen wird.

Sein Vorschlag: „Der Gemeinderat sollte dann mit der AfD wie mit jeder anderen Fraktion umgehen: sachlich und im respektvollen Diskurs über Inhalte, aber nicht persönlich oder ideologisch.“

Größte Sorgen: Haushalt und Ganztagsschule

Die finanzielle Situation bereitet Hatecke große Sorgen: „Wir geben als Gemeinde viel zu viel Geld für Dinge aus, die nicht unsere Aufgabe beziehungsweise nicht erforderlich sind.“

Er vermisse ein Kontrollorgan, das Budgets für Großvorhaben wie Grundschulneubauten, Schwimmbad oder Gerätehäuser so setze, dass sie zur Kragenweite der Gemeinde passen.

„Hier müssen die politischen Gremien klare Budgets vorgeben, und dann ist es Aufgabe der Fachabteilungen, im Rahmen dieser Budgets verantwortungsvoll zu wirtschaften“, so Hatecke.

Kein Fan der Ganztagsbetreuung

Ein großes Thema ist die Ganztagsschule: „Aus dem eingeführten Recht auf Ganztagsbetreuung wird so praktisch ein Zwang zur Anwesenheit“, kritisiert Hatecke.

Der zuständige Arbeitskreis habe 2025 eine Elternbefragung abgelehnt, „offensichtlich, weil ein Ergebnis befürchtet wurde, was nicht ins Konzept passt. Das halte ich für höchst problematisch.“

Es gebe Bestrebungen, in allen drei Ortsteilen das gleiche Betreuungsmodell umzusetzen, so dass eine Standortwahlmöglichkeit der Eltern praktisch entfalle. Hatecke fordert: „Es muss unbedingt das Angebot einer offenen Ganztagsschule geben, um den Zwang zur Anwesenheit zu vermeiden.“

Weitere Herausforderungen warten

Nach diesem Winter werde der Zustand der Straßen eine besondere Herausforderung. Gleichzeitig entspanne sich die Lage bei Kita-Plätzen, Bauplätzen und der Klärwerk-Thematik.

Entscheidend für die Attraktivität sei ein guter Wirtschaftsstandort: „Dadurch entstehen gute Arbeitsplätze und Einnahmen für die Gemeinde.“

Ehrenamt trotz Belastung

Er selbst könne mit Kritik oder anderen Meinungen gut umgehen. Wenn er das nicht könnte, hätte er sich nicht wählen lassen. Hatecke freue sich daher über den guten Austausch und Rückhalt in der Fraktion.

Der Geschäftsführer und Vater von vier Kindern, betont lediglich die zeitliche Belastung: „Meine Familie und mein Beruf fordern neben dem Ehrenamt viel Zeit ein. Ich werde hier Prioritäten setzen müssen.“

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