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Geschäftsleben

TWolfgang Reinecke: Ein Stück Geschichte in der Stader Altstadt

Hat ein buntes Dienstleben in der Stader Innenstadt hinter sich: Wolfgang Reinecke.

Hat ein buntes Dienstleben in der Stader Innenstadt hinter sich: Wolfgang Reinecke. Foto: Strüning

Wolfgang Reinecke hat sein Reisebüro in der Stader Innenstadt aufgegeben. Damit endet eine wechselhafte Laufbahn mit vielen urtypisch Stader Geschichten. Was ihn antrieb.

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Von Lars Strüning
Freitag, 01.05.2026, 18:50 Uhr

Stade. Er hat den Schalk im Nacken, wenn er erzählt. Und er hat viel zu erzählen. Wolfgang Reinecke ist 74 Jahre alt. Hinter ihm liegt ein abwechslungsreiches Berufsleben, das jetzt - verdientermaßen - in ruhigeren Bahnen verlaufen soll.

Gern zu Scherzen aufgelegt: Wolfgang Reinecke vor seinem Dienstauto. Tickets für Kreuzfahrten gibt es „vorne beim Fahrer“.

Gern zu Scherzen aufgelegt: Wolfgang Reinecke vor seinem Dienstauto. Tickets für Kreuzfahrten gibt es „vorne beim Fahrer“. Foto: Strüning

Was hat er nicht alles gemacht in der Stader Altstadt. Die letzten Jahre war er präsent mit seinem Reisebüro im Komplex der Birnbaumpassage in der Kleinen Schmiedestraße. Spezialität: Kreuzfahrten. Sein Lieblingsurlaub? Kreuzfahrten. Diese Spezialisierung kam erst später dazu.

Reinecke wuchs quasi in dem kleinen Lebensmittelgeschäft seiner Eltern auf in der Sachsenstraße. Er ist also Ur-Stader und er blieb seiner Stadt treu. „Ich durfte ja nie hier raus“, ist dafür seine Umschreibung. Mit Augenzwinkern. Standesgemäß lernte er Einzelhandelskaufmann, führte den Laden seiner Eltern weiter und guckte sich dann in der Stader Weltgeschichte um.

Ein Tausendsassa in der Stader Innenstadt

Im Kiosk am Sande bot er Toto, Lotto und Glücksreisen an. Daraus entwickelte sich sein Faible für die Tourismusbranche. 1987 eröffnete er sein Reisebüro dann wiederum in der Sachsenstraße, von dort ging es in die Holzstraße und dann in die Kleine Schmiedestraße. Wenn Reinecke erzählt, zwischen Standorten und Jahreszahlen hin- und herspringt, ist es schwierig, ihm zu folgen. Zu viel hat er gemacht und ausprobiert. Nicht alles ging gut, aber Reinecke „hat nie etwas bereut“.

Zum Beispiel der Ausflug nach Buxtehude. Im Süden der Stadt, nahe des Friedhofs, bekam er den Kiosk mit Tabakwaren und Zeitschriften nicht ins Laufen. Das Kapitel wurde schnell geschlossen. Ganz anders die Aktivitäten in seinem Heimatort. Langjährige Begleiterin an seiner Seite: Melanie Reinecke, damals noch Rost, die heute CDU-Landtagsabgeordnete, Kreisvorsitzende und stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt ist.

Mit ihr als gelernter Köchin rockte er so manche Geschäftsidee. Mittagstisch zum Beispiel im Imbiss am Sande. Das lief wie geschnitten Brot. Legendär, erzählt Reinecke, waren die Schnitzelbüfetts. Mit dem Imbiss, dem Kiosk und dem Reisebüro in der Sachsenstraße bespielte er drei Standorte parallel. „Arbeit“, sagt er, „hat mich noch nie gestört.“

Seine Frau kreiert „Spezialgetränke“ zum Weihnachtsmarkt

Das gilt auch für eine ganz spezielle Idee. Mit Melanie Reinecke zusammen führte er eine Punschbude der besonderen Art auf dem Pferdemarkt während des Stader Weihnachtsmarktes. Seine Frau kreierte „Spezialgetränke“, der Absatz gab ihnen recht. Wolfgang Reinecke: „Wir waren die kleinste Hütte mit dem größten Sortiment.“

Doch mit 74 dürfe er alles etwas ruhiger angehen lassen. Sein Reisebüro hat er ins Homeoffice nach Bützfleth verlagert. Das Geschäft hat sich verändert. Reiselustige buchen vieles selbst übers Internet. Reinecke suchte sich seine Marktnische und fand sie bei den MSC-Kreuzfahrtangeboten.

Er selbst ist ein guter Kunde, liebt die Törns auf hoher See; ob Alaska, Tokio, Nordkap oder Mittelmeer. Von den 24 Schiffen der MSC-Flotte kennt er 22, sagt er. Fünfmal war er zur feierlichen Taufe der neuen Schiffe mit an Bord. Wenn er davon erzählt, leuchten seine Augen. „Das waren absolute Highlights.“

Das Besondere an Stade? „Nichts.“

Warum hat er bei dieser Reisefreude Stade nie so recht verlassen? Was ist das Besondere an der Stadt. Reinecke legt wieder sein schelmisches Lächeln auf: „Nichts.“ Um dann loszulegen.

„Es ist die Altstadt, die mich anzieht“, erzählt er. Ob Hökerhus in der Hökerstraße oder Bürgermeister-Hintze-Haus am Alten Hafen, das habe schon was. Er erkennt bei allem Leerstand in der City die Bemühungen von Stade Marketing an, der Innenstadt Leben einzuhauchen.

Dazu gehören für ihn neben den „vielen schönen Veranstaltungen“ auch die Pontons auf dem Wasser am Fischmarkt oder der Kunstkudder am Schwedenspeicher. Reinecke: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“ Er seinerseits zieht sich dennoch zurück.

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