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Aktion ToleranzLeben

TZwischen Stolz und Sorge: Tanya Raab zeigt in Buxtehude jüdischen Alltag

Aktivistin Tanya Raab gab im Rahmen der Aktionswochen ToleranzLeben in Buxtehude Einblick in ihr Leben als Jüdin in Deutschland.

Aktivistin Tanya Raab gab im Rahmen der Aktionswochen ToleranzLeben in Buxtehude Einblick in ihr Leben als Jüdin in Deutschland. Foto: Svenja Weil

Aktivistin Tanya Raab will mit falschen Vorstellungen von jüdischem Leben aufräumen. Welche Einblicke in ihren Alltag gab sie dem Publikum bei ihrer Lesung?

Von Svenja Weil 23.09.2026, 09:00 Uhr

Buxtehude. „Shalom zusammen“, stieg die jüdische Aktivistin und Autorin Tanya Raab in die Lesung aus ihrem ersten, gleichnamigen Buch ein. Im Rahmen der Aktionswochen ToleranzLeben hatte die Buxtehuder Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sie eingeladen.

Mehr in freiem Gespräch denn als klassische Lesung präsentierte Raab am Donnerstagabend im Freizeithaus den knapp 20 überwiegend älteren Gästen ihre Erfahrungen und Gedanken zu verschiedenen Aspekten ihrer jüdischen Identität und Alltagswelt.

Dazu gehören die Holocaust-Erfahrungen ihrer Urgroßeltern ebenso wie eigene Begegnungen mit Antisemitismus und die Herausforderung, den komplizierten jüdischen Kalender mit ihrem modernen Familienleben in weltlichem Umfeld in Einklang zu bringen.

Kindheit geprägt von Sorge vor Anfeindung

Aufgewachsen sei sie mit der Sorge ihrer Eltern vor Anfeindungen,weshalb sie ihr Jüdisch-Sein lange versteckt habe. Als Jugendliche kam der Entschluss, sich offen zu zeigen und zu ihrer Zugehörigkeit zu stehen. Heute - als Mutter einer Tochter im Vorschulalter - verstehe sie die Ängste ihrer Eltern besser. Dennoch freut sie sich, dass ihr Kind „eine krass stolze Jüdin“ sei und fördert dieses positive Verhältnis aktiv im Alltag.

Knapp 20 Gäste kamen zu Lesung und Gespräch mit Tanya Raab ins Freizeithaus.

Knapp 20 Gäste kamen zu Lesung und Gespräch mit Tanya Raab ins Freizeithaus. Foto: Svenja Weil

Fester Bestandteil des Familienlebens sei etwa die Schabbatfeier, die kinderfreundlich zum Pizzaabend ausgestaltet wird. Wichtig ist Raab, dass per Definition Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat. Ob und wie intensiv derjenige dann auch den jüdischen Glauben praktiziere, sei individuell sehr unterschiedlich - wie in allen Religionen.

Darum beantwortet sie eine Publikumsfrage nach jüdischen Glaubensinhalten bewusst aus sehr persönlicher Perspektive. Dass der Begriff „Jude“ nicht einfach als klare Bezeichnung benutzt werde, sondern „irgendwie für Unbehagen“ sorgt oder gar als Beleidigung verwendet wird, hat sie häufig selbst erlebt.

Antisemitismus: Beistand für Betroffene

Was gegen Antisemitismus helfen könne, möchte ein Zuhörer wissen. „Auch als nicht persönlich betroffene Person das Thema ansprechen“, empfiehlt Raab. „Klar benennen und Betroffenen beistehen. Mit ihnen und nicht über sie sprechen.“ Das wünscht sie sich auch im Hinblick auf Holocaustgedenken. Veranstaltungen sollten mehr mit Juden geplant werden und weniger aus christlicher Perspektive und Tradition gestaltet sein.

„Das ist nicht immer einfach. Schließlich ist nicht überall jemand vor Ort“, räumt sie ein. Bei derzeit rund 200.000 jüdischen Menschen in Deutschland sei es im Alltag eher unwahrscheinlich, sich zufällig zu begegnen. Wer Gemeinschaft leben wolle, müsse aktiv danach suchen.

Als Aktivistin wirbt sie auch in den sozialen Medien kontinuierlich für mehr Sichtbarkeit. Die Sorge des Publikums angesichts zunehmenden Antisemitismus teilt sie. Aus welchem politischen Umfeld dieser überwiegend komme, sei regional unterschiedlich.

Sie habe vor allem Anfeindungen von rechts erlebt und appelliert, ihre brandenburgische Heimat, mit der sie sich identifiziert, nicht einfach abzuschreiben. Gute Wünsche für ihre Sicherheit und Lob für ihren Mut aus dem Publikum begleiten Raab aus dem Abend.

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