06.12.2016, 16:39
Einblick in das System Prostitution

AGATHENBURG. Eine Ehemalige Prostituierte berichtet in Agathenburg aus ihrem Leben: Durch Schuldensklaverei werden viele Frauen zum Weitermachen gezwungen.

Sie sitzt lächelnd da. Mit rot geschminkten Lippen und tiefschwarz getuschten Wimpern. Eine Frau Anfang 30, die so viele selbst zugefügte Narben auf den Unterarmen trägt, dass kein Platz ohne weißen Strich ist. Scheinbar locker spricht sie von Männern, die gegen Zahlung eines Betrags „über mich rübergerutscht“ sind. Alte Männer, dreckige Männer. Huschke Mau – der Name ist ein Synonym – ist ehemalige Prostituierte. 20 Frauen, Ehrenamtliche aus Beratungsstellen und Gleichstellungsbeauftragte aus dem Kreis Stade, hören mit einem Gefühl zwischen Mitleid, Wut und Ekel zu.

So einfach ist der Ausstieg nicht

Ich hätte Ihnen die Tür vor der Nase zugeworfen“, sagt Huschke Mau auf die Frage, was passieren würde, wenn jemand aus einer Beratungsstelle den Frauen in den Wohnmobilen an der Bundesstraße 73 zwischen Hamburg und Cuxhaven mal eben Hilfe anbieten wollte. So einfach ist der Anfang vom Ausstieg aus der Prostitution nicht. Huschke Mau, die ihre Geschichte im Rahmen der Kampagne „Frauenrechte sind Menschenrechte“ im Schloss Agathenburg erzählt, hat viele Jahre gebraucht. Hineingerutscht ist sie durch einen Mann, der bei der Polizei arbeitet und zugleich Zuhälter ist. Da hat sie gelernt, wie man an Freier kommt, hat in einer Belegwohnung mit fünf, sechs Frauen gearbeitet. Sie vergleicht diese mit der Wohnung, in der vor fünf Jahren in Stade eine Prostituierte ermordet wurde. Nach außen hat es den Anschein, jede würde für sich arbeiten und als selbstständige Unternehmerin frei entscheiden können. Doch die Zwänge entstünden durch Schulden.

Von dem Geld haben die Prostituierten nichts

160 Euro Miete koste der Raum vielleicht pro Tag, erzählt Mau. „Dazu kommt das an Drogen, was du brauchst, um es zu ertragen.“ Oft werde der Zuhälter oder „Vermieter“ nebenbei zum Dealer. Dann gebe es noch Strafzahlungen, wenn eine Prostituierte einen Freier ablehnt. Dieses Geld muss alles erst verdient werden, bevor die Prostituierte ins Plus kommt. Zahlt der Freier den normalen Preis, liege dieser bei 25 Euro. Ohne Kondom gebe es das Doppelte. „Da geht viel Geld durch die eigenen Hände, aber man hat nichts davon“, sagt Mau. Ihr Weg zurück war ein langer Kampf.

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