TAlarm im Alten Land: Borsteler Binnenelbe droht zu verschwinden
Die Jorker Hauptwettern und die Borsteler Binnenelbe versinken im Schlick. Foto: Vasel
Wenn die Borsteler Binnenelbe nicht ausgebaggert wird, können die Altländer spätestens 2050 das einstige Gewässer trockenen Fußes queren. Die Verlandung bedroht das Alte Land.
Jork. Die Borsteler Binnenelbe und die Jorker Hauptwettern mit dem historischen Hafen versinken immer tiefer im Schlick. Viele wertvolle Fisch- und Vogelarten sind verschwunden. In diesem Jahr wird wie berichtet auch die Tjalk Annemarie die Segel streichen und nach dem Werftaufenthalt wegen der Verschlickung nicht mehr in ihren Heimathafen zurückkehren.
Im Jahr 2050 wird die Borsteler Binnenelbe verlandet sein
„Wenn es so weitergeht, wird die Borsteler Binnenelbe im Jahr 2050 kein Wasser mehr aufnehmen können“, warnt Obstbauer Peter Rolker vom Wasser- und Bodenverband Jork - Borstel - Ladekop. Rolker schlägt Alarm. Dann werde man nicht Jesus heißen müssen, um das Gewässer trockenen Fußes queren zu können.
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Denn das 1972 eingedeichte, von der Elbe abgetrennte Gewässer ist „ein wichtiges Reservoir“. Dieses sichert die Entwässerung von 2500 Hektar und liefert Obstbauern das Wasser für die Frostschutzberegnung im Frühjahr und die klimatisierende Beregnung im Sommer. Rolker: „Für die Gemeinde Jork und den Obstbau ist es eine Existenzfrage.“
Nach der Eindeichung habe das Speichervolumen noch eine Million Kubikmeter betragen. Infolge fehlender Gewässerdynamik (Tide) und massiv zunehmender Schlickeinträge aus der Elbe durch die Vertiefungen des Flusses für die Schifffahrt, habe sich dieses auf 400.000 Kubikmeter reduziert.

Die Tjalk Annemarie liegt im Borsteler Hafen im Schlick. Foto: Vasel
Allein in den Jahren seit 2009 habe sich die Sedimentmenge von damals 400.000 Kubikmeter auf 600.000 Kubikmeter erhöht. Durch die Verschlickung und hohe Wasserstände in der Elbe sind die Öffnungszeiten der Siele begrenzt. Das limitiere den Abfluss des Wassers aus der Binnenelbe in die Elbe und könne insbesondere bei Stark- und Dauerregenereignissen zu einem Rückstau führen. Die Folge wäre die Überlastung des Entwässerungssystems - in den Wohn- und Gewerbegebieten und auf den Obstplantagen, Äckern und Wiesen stünde das Wasser. Rolker verweist auf das Hochwasser von Weihnachten 2023.

Blick auf die Borsteler Binnenelbe. Foto: Vasel
Aktuell erhöhe sich das Unterwassergebirge jährlich um 15.000 Kubikmeter. In 26 Jahren wäre das Gewässer verlandet. Für Rolker gibt es nur eine Lösung: „Ausbaggern.“ Der Ladekoper hatte die Bodenuntersuchung initiiert. Demnach gibt es deichbaufähigen Klei, überlagert von einer 10 bis 30 Zentimeter starken weichen Schlickschicht.
Projektskizze liegt dem Umweltminister bereits vor
Wasser- und Bodenverband, Gemeinde Jork und Landkreis Stade haben für 11.000 Euro mit dem Büro Sweco eine Projektskizze erstellt: Von einer schwimmenden Arbeitsplattform sollen 200.000 Kubikmeter Schlick vom Grund abgesaugt und auf einer Kleireifestätte zwischengelagert werden.
Rolker schlägt vor, diesen Schlick in die ohnehin verschlickten Süßwasserwattflächen vor Hahnöfersand zu pumpen. Hier gebe es noch rechtliche Hürden. Formal handelt es sich um Ausgleichsflächen für die Airbus-Erweiterung in das Mühlenberger Loch.

Auf Hahnöfersand könnten Klei und Schlick gelagert werden: Links sind das Gefängnis und der Hafen zu sehen, rechts der Schafstall des Deichverbandes. Oberhalb der Borsteler Binnenelbe sind die Schallen und die K39 zu sehen. Foto: Martin Elsen
Im Anschluss müsste ein Bagger den Kleiboden aus Binnenelbe und Hafen schaufeln und in Schuten verladen. In Hahnöfersand Ost könnte das Material für den Deichbau an der Spundwand an Land gebracht werden. Die Wasserbauer rechnen mit 400.000 Kubikmetern für die Erhöhung der Deiche in Niedersachsen oder Hamburg. Der Klei sei laut Schadstoffproben einbaufähig.
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Für Deich- und Naturschutz wäre es eine Win-win-Situation. Von der Entschlickung würden Fisch- und Vogelfauna profitieren. Das Kreis-Naturschutzamt unterstützt die Pläne im Naturschutzgebiet Elbe und Inseln. Die Binnenelbe könnte zur Kinderstube der Elbfische werden.
Bei der klimawandelbedingten Deicherhöhung müssen Freiflutsiele ohnehin durch fischfreundliche Schöpfwerke ersetzt werden, um Binnenelbe und Hauptwettern über Pumpen auch in die Elbe entwässern zu können, wenn der Wasserspiegel außendeichs höher ist.
Die Ausbaggerung würde sieben bis zwölf Millionen Euro kosten. Notwendig ist ein mehrjähriges Planfeststellungsverfahren. Bürgermeister Matthias Riel und Bernd Sänger vom Verein Borsteler Hafen setzen auf den niedersächsischen Umweltminister Christian Meyer. Riel spricht vorsichtig von positiven Signalen. Meyer kommt im April zur Küstenschutzkonferenz nach Stade.
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