TAltes Land: Wieder Spitzengastronomie in der Windmühle in Borstel?
Sie halten die Holländer-Galerie-Windmühle in Jork-Borstel in Schuss: Petra Schlichting, Leiterin des Amts für Gebäudewirtschaft, und Projektleiter Antonio Soares bei einer Besprechung an der Mühle. Foto: Vasel
Kehrt die Spitzenküche in die Windmühle Aurora zurück? Der Landkreis Stade will das Baudenkmal als Restaurant oder Café verpachten und hat es frisch saniert.
Borstel. Im Oktober 2023 haben die Gastronomen Kerstin und Danny Riewoldt ihr Restaurant „Die Mühle“ in Jork-Borstel geschlossen. Renommierte Restaurantführer wie Gault Millau und Gusto würdigten die „geschmacklich hervorragende, kreative Küche“. Heute betreibt Riewoldt die Zeit-Genusswerkstatt in Hinterbrack, eine Essigmanufaktur in einer alten Obstscheune.
Im Oktober 2023 schlossen die Gastronomen Kerstin und Danny Riewoldt ihr Restaurant „Die Mühle“. Foto: Vasel
Ob Spitzenköche und Patissiers in Zukunft wieder kreative Gerichte in der Küche der Borsteler Mühle zaubern, das wird sich in dieser Woche zeigen.
Landkreis Stade sucht neuen Gastronomen
Der Kreis Stade hat die Verpachtung der im Jahr 1856 errichteten Windmühle Aurora, verbunden mit dem Betrieb und der Führung eines gastronomischen Betriebs, zum nächstmöglichen Zeitpunkt ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endet am Freitag, 19. Juni, 24 Uhr.

Blick auf den Mühlstein in der Borsteler Mühle. Foto: Vasel
Die Mühle soll zunächst befristet für die Dauer von drei Jahren zum 1. Juli verpachtet werden. Die Grundpacht beträgt 300 Euro im Monat - zuzüglich einer Nettoumsatz-Pacht in der Höhe von 3,5 Prozent. Die monatlichen Betriebskosten betragen 150 Euro. Hinzu kommt die dynamische Gebäudeversicherung: 1200 Euro im Jahr. Die Ausschreibung und der Pachtvertrag inklusive Anlagen umfassen 59 Seiten. Einrichtung und Küche müssen die Neuen mitbringen. Denkbar sei ein Restaurant und/oder Café.

Amtsleiterin Petra Schlichting und Projektleiter Antonio Soares im Gespräch, hier ist Platz für einen Gastraum. Foto: Vasel
Aufgrund ihres Vorkaufsrechts könnte die Gemeinde Jork das Baudenkmal erwerben und in den Pachtvertrag einsteigen, sollte der Kreis Stade es verkaufen wollen. Das steht allerdings zurzeit aufgrund der Haushaltslage nicht zur Debatte. Der Landkreis Stade hatte die Holländer-Galerie-Windmühle im Jahr 1981 erworben und umfassend mit großzügiger Förderung der Gemeinsamen Landesplanung Hamburg-Niedersachsen restauriert. Ab 1985 war die Mühle öffentlich zugänglich.

Blick in die leere Küche der Borsteler Mühle. Foto: Vasel
In den vergangenen Jahren hatten mehrere Gastronomen ein Auge auf die historische Aurora geworfen. „Unser Ziel ist es, die Mühle nicht nur baulich zu sichern, sondern sie durch gastronomische Nutzung für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen“, sagt der Sprecher des Landkreises Stade, Daniel Beneke.
Schiefe Mühle von Borstel ist stabilisiert
Der Landkreis Stade hat die Zeit des Leerstands genutzt. Seit 2021 hatten die Experten im Amt für Gebäudewirtschaft die Mühle verstärkt im Blick, Setzungen wurden dokumentiert. Der Grund: Das Baudenkmal mit seinem viergeschossigen quadratischen Unterbau aus Backstein steht am historischen, 250 Meter langen alten Elbdeich am Borsteler Hafen und sackte langsam ab.

Blick auf die schiefe Mühle von Borstel. Foto: Vasel
Der Bau neigte sich in Richtung alter Deich. Damit die Holländer-Galerie-Windmühle nicht irgendwann einstürzt, musste diese stabilisiert werden. Das ließ sich der Landkreis Stade rund 530.000 Euro kosten.
Genusswerkstatt
T Spitzenkoch Danny Riewoldt setzt im Alten Land auf Essig
Das war nicht einfach. Bau- und Bodenexperten mussten eingebunden werden, so die Leiterin des Amts für Gebäudewirtschaft im Kreishaus, Petra Schlichting. Das „abgetreppte“ alte Fundament war unterschiedlich stark, 2,20 Meter an der Straße Hinter der Mühle und 1,20 Meter im Deich.

Gegenwart: Der denkmalgerechte Kalkputz kommt im Keller der Mühle noch auf die Wand. Hinter den Wänden wurden Presspfähle eingebaut. Foto: Vasel
Letztlich seien 21 Pfähle unterhalb der vorhandenen Gründung in den Boden gepresst worden, um die Windmühle zu stabilisieren. Dadurch wurden Erschütterungen vermieden. Die hätten Windmühle und umliegende Baudenkmäler gefährden können. Der Marschboden gleicht bekanntlich einem Wackelpudding.

Rückblick: Einer der neuen Pfähle zur Stabilisierung der Borsteler Mühle ist im November 2025 bereits gesetzt worden. Reiner Pape hat schon mehre Kubikmeter Schutt aus dem Keller geholt. Foto: Vasel
Und so bauten Spezialisten der Firma Jakon aus Wegberg bei Köln die betonummantelten Stahl-Rohre ein. Die sind zusammensteckbar wie Lego-Bausteine und wurden mit der hydraulischen Vorpressung etwa bis zu 13 Meter tief gedrückt. Die Firma ist auch als Kirchturm-Retter bekannt. Vorher mussten Mitarbeiter des Garten- und Landschaftsbaubetriebs Winckler aus Hollern-Twielenfleth mit einem mächtigen Bohrhammer mit Meißel das Mauerwerk aufstemmen.

Ein Ort für Hochzeitsfotos: Blick von der Galerie auf die St.-Nikolai-Kirche und den Königsmarckschen Hof in Borstel. Foto: Vasel
„Wir hätten die Mühle nicht einfach wieder aufrichten und die Schiefstellung ausgleichen können“, ergänzt der Projektleiter Antonio Soares mit Blick auf Bausubstanz und Kosten. Die Mühle wurde letztlich „stabilisiert“. Damit nicht genug. Damit ein Gastronom schnellstmöglich an den Start gehen kann, wurden unter anderem einige der Sanitäranlagen sowie Elektro-, Gas- und Wasserleitungen für 150.000 Euro erneuert.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.