Feuer frisst sich kaum sichtbar durchs Holz – Hoher Schaden in Estorf
Nach knapp drei Stunden war das Feuer aus. Insgesamt kamen rund 90 Feuerwehrleute zum Einsatz. Foto: Hillyer-Funke/Feuerwehren SG Oldendorf-Himmelpforten
Wieder Großalarm im Landkreis Stade, 90 Einsatzkräfte rücken nach Estorf aus. Das Feuer frisst sich verdeckt durch Wände. Aber die Feuerwehr ist den Flammen auf der Spur.
Estorf. Um 21.08 Uhr wurde am Sonntagabend Alarm für mehrere Feuerwehren in der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten ausgelöst. Das berichtet Rolf Hillyer-Funke, Sprecher der Feuerwehren. Gemeldet worden sei ein Küchenbrand mit starker Rauchentwicklung in einem Wohnhaus in der Straße Ole Dörpstroot in Estorf.
„Zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Feuers befand sich ein Bewohner in dem Haus“, so Hillyer-Funke. Der Mann habe sich in Sicherheit bringen können, er habe jedoch Rauchgase eingeatmet und sei vom Rettungsdienst betreut worden. Der Bewohner musste den Angaben zufolge jedoch nicht in eine Klinik gebracht werden.
Erhitztes Fett gerät in Brand
Das Feuer war laut Hillyer-Funke in der Küche im Erdgeschoss ausgebrochen, nachdem erhitztes Fett in einem Topf auf einem Herd in Brand geraten sei. Schnell habe sich das Feuer in der Küche ausgebreitet.
Das brennende Fett habe dann offenbar auch eine Abluftleitung in Brand gesetzt, sodass sich das Feuer in die Deckenverkleidung und bis unter das Dach ausgedehnt habe.

Feuerwehrleute sind auf einer Drehleiter im Einsatz. Foto: Hillyer-Funke/Feuerwehren SG Oldendorf-Himmelpforten
Bei Eintreffen der ersten Einsatzkräfte der Feuerwehren seien bereits die Küche und Räume im ersten Stock stark verräuchert gewesen. Mehrere Trupps gingen unter schwerem Atemschutz gegen die Flammen und den Rauch vor und konnten das Feuer in der Küche schnell unter Kontrolle bringen.
Holzverkleidungen werden zum Problem
„Große Probleme bereiteten jedoch die umfangreichen Holzverkleidungen im gesamten Haus“, berichtet der Feuerwehrsprecher. Das Feuer hatte sich demnach unter den verkleideten Bereichen ausgedehnt. Hillyer-Funke: „Nicht nur im ersten Stockwerk quoll der Rauch hervor sondern auch im Spitzboden und aus den Dachpfannen heraus ins Freie.“
Über Baugerüste an den Giebelseiten des Hauses und Feuerwehr-Steckleitern an der Front- und Rückseite des Gebäudes versuchten Einsatzkräfte, Dachpfannen zu entfernen, um an Glutnester heran zu kommen. Weitere Atemschutztrupps führten von innen Löschangriffe im Dachbodenbereich aus, hatten jedoch trotz Einsatzes einer Wärmebildkamera erhebliche Probleme alle Glutnester zu lokalisieren und zu bekämpfen, sagt Hillyer-Funke.
„Wir haben ganz selten offene Flammen gesehen, das Feuer hat sich einmal diagonal in den Hohlschichten durch das ganze Haus gefressen“, beschreibt Estorfs Ortsbrandmeister Bastian Eckhoff.

Auf dem Display der Wärmebildkamera der Drohne der Feuerwehr Estorf sind die stark überhitzten Bereiche des Daches durch helle Flecken zu erkennen. Foto: Hillyer-Funke/Feuerwehren SG Oldendorf-Himmelpforten
Feuerwehrdrohnen im Einsatz
Die Einsatzleitung zusammen mit Gemeindebrandmeister Malte Gooßen und seinem Stellvertreter Thorsten Raap forderte weitere Unterstützung an.
Eine zweite Wärmebildkamera der Feuerwehr Heinbockel sowie die Drehleiter und das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Drochtersen nebst Besatzungen wurden nachalarmiert. Die Feuerwehr Heinbockel besitzt eine Wärmebildkamera als Handgerät, damit konnte ein weiterer Trupp ausgerüstet und damit mehr Räume gleichzeitig durchsucht werden.
Estorfs Ortsbrandmeister Bastian Eckhoff setzte die Drohne der Feuerwehr Estorf ein, die aus der Luft die kritischen Stellen im Dachbereich genau lokalisieren konnte. Er steuerte das High-Tech-Gerät in der Luft selbst.
Aus 65 Metern Höhe scannte die Drohne das Dach. Die Wärmebildkamera kann auch aus großer Höhe die Oberflächentemperatur messen. Die eine Seite des Daches war kaum erhitzt, die andere leuchtete in unterschiedlich kräftigen Orangetönen. Dort, wo die Temperatur um oder über 50 Grad lag, rückten die Einsatzkräfte aus Drochtersen über die Drehleiter an.
Sie öffneten die kritischen Stellen mit Hitzestau am Dach. Die Abluftöffnungen an den jeweiligen Stellen ließen die Hitze entweichen. Weitere Einsatzkräfte im Innern des Hauses konnten aufgrund der genauen Informationen gezielt Glutnester bekämpfen und ablöschen.
Zwischenzeitlich leuchteten die Einsatzkräfte das Dach mit einem Scheinwerfer aus. Vier Abluftöffnungen, jeweils zwei an der Vorder- und Rückseite des Daches, brachten Entlastung.
Der Einsatz der Drohne helfe, deutlich gezielter vorgehen zu können, so Eckhoff auf Nachfrage. Nicht das ganze Dach müsse aufgerissen werden, um Glutnester zu finden. Der Schaden sei damit nicht ganz so groß. Dennoch:
Feuerwehr und Polizei kamen bei einer ersten Einschätzung vor Ort zum vorläufigen Ergebnis, dass ein Schaden in Höhe von rund 100.000 Euro am Gebäude entstanden sei.
Schaden auf 100.000 Euro geschätzt
Hillyer-Funke abschließend: „Nach knapp drei Stunden war das Feuer aus.“ Insgesamt kamen rund 90 Feuerwehreinsatzkräfte, davon allein zwölf Atemschutztrupps sowie DRK- und Johanniter Rettungsdienste und Polizei zum Einsatz. Zuerst wurden die Ortsfeuerwehren Estorf, Gräpel, Brobergen und Oldendorf alarmiert.
Bastian Eckhoff weiß den Einsatz der Drohne als unverzichtbares Hilfsmittel zu schätzen: „Bei uns kommt die Drohne jetzt schon zu jedem Feuer mit“, sagt er. (tip)
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