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Gastronomie

TGaststätten in der Krise: Wie läuft’s bei Beef Kitchen in Apensen?

Der Chefkoch am Grill: Michael Knirsch brennt für sein Steakrestaurant in Apensen.

Der Chefkoch am Grill: Michael Knirsch brennt für sein Steakrestaurant in Apensen. Foto: Laudien

Umsatzverluste und Erhöhung des Mindestlohns - die Gastroszene hat es nicht leicht. Michael Knirsch aus Apensen berichtet von seinem Konzept - und von Fehlern.

Von Susanne Laudien Donnerstag, 16.04.2026, 22:57 Uhr

Apensen. An der offenen Koch- und Grillstation, für jeden Gast im Restaurant Beef Kitchen einsehbar, ist Michael Knirsch beim Zubereiten der Steaks buchstäblich Feuer und Flamme. Fleisch ist sein Gemüse - trotz angesagter Veggie- und Vegan-Trends bleibt er Steaks und Burgern treu. Seit acht Jahren lebt der gelernte Koch seinen Traum vom eigenen Restaurant in Apensen. Den Schritt habe er nicht bereut, sagt der 57-Jährige.

Die Speisen werden alle selbst gemacht: Michael Knirsch und Ehefrau Katrin, die hier das Browniedessert zubereitet.

Die Speisen werden alle selbst gemacht: Michael Knirsch und Ehefrau Katrin, die hier das Browniedessert zubereitet. Foto: Laudien

Bei anderen Gastronomiebetrieben läuft es nicht so gut. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) veröffentlichte vor wenigen Tagen Zahlen zur Lage der Branche. Demnach war 2025 das sechste Jahr in Folge, in dem das Gastgewerbe Umsatzverluste zu verzeichnen hatte. Die Mehrwertsteuer auf Speisen wurde zwar gesenkt, doch mit der Erhöhung des Mindestlohns um 8,4 Prozent kommen steigende Personalkosten obendrauf. Hat die Gastronomie überhaupt noch eine Zukunft? Michael Knirsch vom Restaurant Beef Kitchen gibt einen Einblick in seinen Betrieb in Apensen - und berichtet auch von Fehlentscheidungen.

Zweiter Platz bei der TV-Koch-Show auf Kabel Eins

Im Elysée-Hotel in Hamburg gelernt, hat Knirsch früher auf einem Luxusliner ebenso gekocht wie in internationalen Küchen in Deutschland und Österreich. Bis zur Schließung leitete er auch den Veritas Beach Club von Heiko Hornbacher im Harburger Binnenhafen - und war dort als gut gelaunter Entertainer bekannt.

Erinnerungsfoto an dem Veritas Beach Club in Harburg

Erinnerungsfoto an dem Veritas Beach Club in Harburg Foto: Laudien

Tim Mälzer (links), Michael Schulte (Mitte) und Mike Süsser vom TV-Koch-Wettstreit - Michael Knirsch hat schon einige Promis getroffen.

Tim Mälzer (links), Michael Schulte (Mitte) und Mike Süsser vom TV-Koch-Wettstreit - Michael Knirsch hat schon einige Promis getroffen. Foto: Laudien

Das Kochen liegt dem Buxtehuder im Blut. Schon sein Vater hat im Hamburger Blockhouse gearbeitet.

Wie der Vater so der Sohn: Michael Knirsch mit seinem Vater, der Koch im Hamburger Blockhouse war.

Wie der Vater so der Sohn: Michael Knirsch mit seinem Vater, der Koch im Hamburger Blockhouse war. Foto: Laudien

2018 eröffnete der versierte Koch sein Restaurant an der Buxtehuder Straße 11 in Apensen. Zu den Stammgästen zählen Besucher aus Harburg und Bremen ebenso wie Apenser und Buxtehuder. Was ist sein Erfolgsrezept?

„Mein Mann ist selbst das Erfolgsrezept“, antwortet spontan Ehefrau Katrin. „Er ist ein Entertainer und der perfekte Gastgeber, der die Gäste und den gesamten Laden unterhält.“ Davon konnten sich auch TV-Zuschauer bei der Kabel-Eins-Kochshow „Mein Lokal - dein Lokal“ überzeugen. Knirsch gewann den zweiten Platz - und viel Erfahrung. „Einmal hat aber gereicht“, sagt das Ehepaar heute.

Der Fernsehauftritt war für das Restaurant eine passende Werbemaßnahme während der Corona-Krise. Zwei Jahre nach der Eröffnung hat diese das Beef Kitchen besonders hart getroffen. Selbst langjährige Traditionsbetriebe gaben auf. „Dass auch die Bahnhofsgaststätte in Apensen ihren laufenden Betrieb inzwischen einstellte, ist richtig doof, denn Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Knirsch. Wichtig sei es, dass man den Betrieb mit Liebe führe. „Das sieht man beim Fofftein in Apensen, das nach dem Comeback wieder mit viel Herzblut erfolgreich geführt wird.“

Mit Liebe zum Detail eingerichtet, damit sich die Gäste wohlfühlen.

Mit Liebe zum Detail eingerichtet, damit sich die Gäste wohlfühlen. Foto: Laudien

Die Liebe zum Detail spiegelt sich beim Beef Kitchen auch in der Einrichtung wider, die Knirsch bei einem dänischen Anbieter entdeckte. „Wenn sich die Gäste wohlfühlen, kommen sie auch gerne wieder.“ Aber auch die Kosten müsse man stets im Blick behalten.

Eigentlich wollte Knirsch seinen Restaurant-Traum in Buxtehude verwirklichen. Doch hohe Mietpreise und schlechte Voraussetzungen für eine Gastroküche entsprachen nicht seinen Vorstellungen. „In Apensen wusste ich sofort: Das ist meine Fläche.“ Die Kühlkammer der früheren Schlachterei Aldag, die Abluftvorrichtung des einstigen Restaurants Hahn & Burger und der Mietpreis überzeugten ihn und er griff sofort zu.

Einsparung bei Personalkosten durch andere Öffnungszeiten

Aber auch Fehler wurden im Laufe der Zeit gemacht „Anfangs hatten wir noch montags auf, weil wir dachten, dann haben andere geschlossen.“ Auch die Öffnungszeit ab 12 Uhr wurde wieder eingestellt. „Jetzt öffnen wir von Mittwoch bis Sonntag ab 17 Uhr und sparen so deutlich bei den Personalkosten.“

Michael Knirsch stellt sogar den Kartoffelschnaps selbst her.

Michael Knirsch stellt sogar den Kartoffelschnaps selbst her. Foto: Laudien

Knirsch versucht, sich von anderen Restaurants abzuheben. Er setzt auf hausgemachte Speisen. Sein Rindfleisch und andere Zutaten kommen aus der Region. Er serviert Pommes aus Süßkartoffeln. Zum Dessert gibt es eine Brownievariation, dekoriert mit brennenden Wunderkerzen. Seine Gäste sollen den Besuch so schnell nicht vergessen.

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