ÖPNV

THADAG streicht weitere Fährverbindung: Pendler im Kreis Stade profitieren

Dichtes Gedränge in Finkenwerder: Pendler, Ausflügler und Touristen wollen an Bord der HADAG-Fähre gehen, um mit der Linie 62 weiter bis zu den Landungsbrücken in Hamburg-St. Pauli zu fahren.

Dichtes Gedränge in Finkenwerder: Pendler, Ausflügler und Touristen wollen an Bord der HADAG-Fähre gehen, um mit der Linie 62 weiter bis zu den Landungsbrücken in Hamburg-St. Pauli zu fahren. Foto: Vasel

Die HADAG setzt den Rotstift an. Das soll die für Altländer und Buxtehuder wichtige Fährlinie 62 zwischen Finkenwerder und Landungsbrücken stärken. Rückendeckung gibt es von den Grünen.

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Von Björn Vasel
08.07.2026, 09:05 Uhr

Finkenwerder. „Seit Monaten häufen sich die Ausfälle auf den wichtigsten Fährlinien der HADAG“, kritisiert Dr. Gudrun Schittek (Grüne). Die Bürgerschaftsabgeordnete aus Cranz hat insbesondere die für viele Pendler sowie Touristen und Ausflügler wichtige Linie 62 zwischen Finkenwerder und Landungsbrücken im Blick.

Fahrten auf der Linie 62 fallen weiterhin aus

Mehrere Tausend Fahrten der Fährlinien 62 (St. Pauli-Landungsbrücken) und 64 (Teufelsbrück) seien gestrichen worden - häufig kurzfristig. „Fahrgäste beklagen sich über die Unzuverlässigkeit“, sagt die Altländerin. Dass die HADAG Ende März nach eineinhalb Jahren die Expressfähre 66 ab Finkenwerder bis auf weiteres „ruhend gestellt“ hatte, habe die Lage nicht entscheidend verbessert.

Es könne nicht sein, dass ÖPNV-Nutzer in Buxtehude, Estebrügge oder Cranz in den Bus der HVV-Linie 2040 steigen, um in Finkenwerder am Anleger auf dem Abfahrtsmonitor in roter Schrift lesen zu müssen: „Fällt aus.“

Fällt aus, diese Worte stehen immer wieder auf der Fahrplantafel am Anleger in Finkenwerder.

Fällt aus, diese Worte stehen immer wieder auf der Fahrplantafel am Anleger in Finkenwerder. Foto: Vasel

Die Fährlinien 62 und 64 seien schließlich die wichtigste und kürzeste Verbindung für die Menschen, die mit dem ÖPNV und auch mit ihrem Fahrrad auf die andere Elbseite pendeln wollen: sei es zur Arbeit nach Finkenwerder, zu Airbus beziehungsweise den Firmen auf der Rüschpark Halbbinsel oder für Einwohner von Finkenwerder und Süderelbe, um in die City zu gelangen. „Gerade weil die Fahrt mit dem Bus oder Pkw durch den Elbtunnel oft durch Stau oder Schließung behindert ist, ist die Fahrt per Schiff über die Elbe die beste Alternative“, sagt die Altländerin.

Ist die Ursache für die Ausfälle bald beseitigt?

Ursache für die anhaltenden Ausfälle seien laut HADAG-Auskunft weiterhin die Personalengpässe - vor allem bei den Schiffsführern. Die Folge: Ein fahrplanmäßiger Fährbetrieb könne nicht aufrechterhalten werden.

Dr. Schittek hofft, dass die Probleme „mit der in Kürze abgeschlossenen Ausbildung neuer Schiffsführer endlich überwunden“ werden können.

Altländer begrüßen Streichung bei der Linie 72

Vor diesem Hintergrund begrüßt die Altländerin, dass die HADAG seit dem vergangenen Wochenende den Wochenendverkehr der Linie 72 zwischen den Anlegern St. Pauli-Landungsbrücken und Elbphilharmonie pausieren lässt - befristet bis zum Ende der Sommersaison am 1. November 2026.

„Da die Strecke zwischen Landungsbrücken und Elbphilharmonie relativ kurz ist und die Anleger auf derselben Elbseite liegen, können die Wege an den Wochenenden alternativ sehr gut per U-Bahn, Bus oder zu Fuß zurückgelegt werden“, sagt eine HADAG-Sprecherin.

Unter der Woche seien die Fähren der Linie 72 montags bis freitags weiterhin zwischen den Landungsbrücken, der Arningstraße und bis zur Elbphilharmonie unterwegs.

Hinweise der Hadag bei Instagram.

Hinweise der Hadag bei Instagram. Foto: Hadag

„Die dadurch gewonnenen Kapazitäten ermöglichen es, an den Sommerwochenenden mehr Menschen mit den Linien 62 und 64 zu befördern“, so die HADAG Seetouristik und Fährdienst AG. Diese ist eine Tochtergesellschaft der städtischen Hochbahn AG.

Fahrgastzahlen untermauern HADAG-Entscheidung

Letztlich sei es die richtige Entscheidung gewesen. Die Bürgerschaftsabgeordnete aus dem Hamburger Teil des Alten Landes verweist unter anderem auf die HVV-Fahrgastzahlen 2025. Diese werden alle zwei Jahre auf dem Transparenzportal der Freien und Hansestadt Hamburg veröffentlicht. Die Fahrgastzahlen werden bereits seit 2012 auf den Fähren mit automatischen Fahrgastzählsystemen (AFZS) montags bis freitags erhoben. Dieses System gibt es auf 95 Prozent der Fähren.

Die im Volksmund liebevoll als „Bügeleisen“ bezeichnete HADAG-Fähre Elbmeile beim Anlegemanöver in Finkenwerder.

Die im Volksmund liebevoll als „Bügeleisen“ bezeichnete HADAG-Fähre Elbmeile beim Anlegemanöver in Finkenwerder. Foto: Vasel

Auf der Linie 62 seien demnach wochentags 2,28 Millionen Fahrgäste im Jahr unterwegs, auf der Linie 64 seien es 645.000 Passagiere. Die HADAG-Linie 72 komme auf lediglich 255.000 Fahrgäste. Deshalb sei der Fokus auf die beiden großen Verbindungen „absolut richtig“.

Viele Fahrradfahrer aus dem Süden nutzen die Linie 62 und steigen auch in Övelgönne und am Fischmarkt um. Insgesamt kommt die Linie 62 - weiter die Nummer 1 im Hafen - mit den Fahrten am Sonnabend und am Sonntag auf knapp vier Millionen Fahrgäste. Sie verzeichnet ein Plus von drei Prozent. Doch die HADAG habe sich in den vergangenen Jahren übernommen.

2025 fielen 3000 Fahrten der Linie 62 aus

2024 fiel jede zehnte Fähre auf der Linie 62 aus. Monatlich wurden zwischen 494 Fahrten (März) und 572 Fahrten (Januar/September) durchgeführt. Insgesamt fielen 2025 fast 3000 Fahrten aus. Das waren 25 Prozent mehr als im Vorjahr.

Volle Kraft voraus - auf der HADAG-Fährlinie 62 zwischen Finkenwerder und St. Pauli-Landungsbrücken.

Volle Kraft voraus - auf der HADAG-Fährlinie 62 zwischen Finkenwerder und St. Pauli-Landungsbrücken. Foto: Vasel

Der Anleger Arningstraße der Linie 72 wurde von nur 90 Passagieren, vermutlich Arbeitnehmern, aktiv genutzt. Die insgesamt 400 beförderten Menschen pro Tag auf der HADAG-Linie 72 dürften überwiegend Touristen sein. Für Pendler bestehen laut Schittek ausreichende ÖPNV-Alternativen. Ohnehin nutzten berufspendelnde Radler den Alten Elbtunnel.

Bürgerschaftsabgeordnete lobt HADAG-Vorstand

Schittek: „Es wird sich zeigen, ob die Maßnahme ausreicht, den Fährverkehr auch an den Wochentagen zu sichern.“ Auf jeden Fall sei die Einschränkung der Fahrten auf der Linie 72 vonseiten der HADAG ein Schritt in die richtige Richtung, um den Fährverkehr von und nach Finkenwerder zuverlässiger zu machen.

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