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TObstbau an der Niederelbe sucht Wege aus der Krise am Apfelmarkt

Setzt auf Neues: Obstbauer Claus Schliecker prüft den Fruchtbehang seiner Bloss-Apfelbäume - einer exklusiven Clubsorte.

Setzt auf Neues: Obstbauer Claus Schliecker prüft den Fruchtbehang seiner Bloss-Apfelbäume - einer exklusiven Clubsorte. Foto: Vasel

Der Apfelmarkt steckt in einer schweren Krise. Doch Obstbauern wie Claus Schliecker stecken den Kopf nicht in den Sand. Sie wollen mehr Menschen zu Apfelessern machen.

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Von Björn Vasel
Montag, 25.05.2026, 12:00 Uhr

Altes Land. Der Bundesvorsitzende der Fachgruppe Obstbau, Claus Schliecker, blickt voller Zuversicht auf die kleinen Äpfel an seinen vor drei Jahren gepflanzten Bloss-Bäumen hinter seinem Obsthof an der Lühe in Guderhandviertel. Blüte und Bestäubung stimmten im Frühjahr. Die Frostschutzberegnung sicherte den Ertrag. Mit 350.000 Tonnen gab es im Herbst 2025 eine Rekordernte, in diesem Jahr wird die Ernte deshalb „niedriger ausfallen“. Eine konkrete Schätzung wird es erst im Sommer geben.

So klein sind die Äpfel im Mai.

So klein sind die Äpfel im Mai. Foto: Vasel

Doch aktuell seien die Preise im Keller. Die Erzeugerpreise deckten in der Saison 2025/2026 nicht einmal die Produktionskosten. Er hofft auf eine Trendwende.

Apfelmarkt weiter unter Druck

Der deutsche Apfelmarkt „ist in einer schweren Krise“, sagt Ursula Schockemöhle von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Hamburg. Das liege laut AMI insbesondere an der unzureichenden Nachfrage. In früheren Jahren wurden fast 60.000 Tonnen Äpfel im Monat vermarket, jetzt sind es fast 10.000 Tonnen weniger. Die Erzeugerorganisationen sitzen auf 165.000 Tonnen. Selbst Apfelimporte sind rückläufig, 30 Prozent unter Vorjahresniveau.

Der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ziehe nicht an, Krisen und Kriege spiegeln sich im Kaufverhalten der Verbraucher wider. Die Konsumstimmung ist auf den tiefsten Stand seit Februar 2023 gefallen - vor allem wegen steigender Energiepreise.

Noch viel Platz für deutsche Äpfel im Obstregal

Damit nicht genug. Die LEH-Konzerne setzen weiter auch auf Äpfel aus dem Ausland. Der Anteil deutscher Äpfel laut AMI-Storecheck liegt im Einzelhandel bei 57 Prozent, Italien folgt mit 34 Prozent.

AMI-Storecheck: Herkunft der Äpfel im deutschen Einzelhandel.

AMI-Storecheck: Herkunft der Äpfel im deutschen Einzelhandel. Foto: AMI

Vorbildlich ist der Discounter Aldi mit einem Anteil deutscher Äpfel von 74 Prozent, gefolgt von Rewe, Penny und Edeka mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent. Die Schlusslichter seien Kaufland, Netto und Lidl mit einem Anteil von 37 bis 51 Prozent.

Junge Menschen greifen lieber zu Beerenobst

Doch das ist nur ein Aspekt. Die Konkurrenz zum Apfel wächst. Kunden greifen im Handel verstärkt zu Beerenfrüchten, Steinobst, Tafeltrauben, Zitrusfrüchten und exotischen Früchten wie Avocados. Die Banane führt die Rangliste des meistgekauften Obsts bereits „im dritten Jahr in Folge“ an - vor dem Apfel. Das war früher umgekehrt.

Die Veränderung im Sortiment spiegele sich auch bei den Verbraucherpreisen wider: Diese stiegen seit 2016 beim Apfel um 40 Prozent, bei Beerenobst hingegen um fast 100 Prozent. Die Haushalte geben beim Obst heutzutage 20 Prozent ihres Geldes an der Kasse für das Beerenobst aus, der Ausgabenanteil für Äpfel sank in den letzten zehn Jahren von 18 Prozent auf 13 Prozent.

Das führt zu einem Strukturwandel. Das Alter bestimmt, wer noch zu den guten Apfelessern zählt. Bis in die 1990er Jahre war der Apfel das Standardobst, doch Jüngere greifen lieber zu Beerenobst und Avocados. Diese gelten als „trendiger“.

Auch beim Apfel selbst verschiebt sich das Konsumverhalten, viele der Jüngeren greifen öfter zu sogenannten Clubsorten wie Kanzi oder Pink Lady. Die bis zu 39 Jahre alten Konsumenten kaufen insgesamt knapp 21 Prozent der Äpfel, bei den Clubsorten wie Pink Lady liegt dieser Anteil hingegen bei 35,1 Prozent.

AMI-Expertin hat ein Lust-auf-Äpfel-Rezept

Der Clubsorten-Anteil stieg innerhalb von zehn Jahren um 5 auf knapp 15 Prozent. Elstar und Braeburn stehen bei den Apfeleinkäufen noch auf den ersten Plätzen, aber auch Sorten wie Gala werden beliebter. Der Elstar, die Hauptsorte des Alten Landes, stagniere bei 17 Prozent.

Ältere Paare/Familien ohne Kinder und Senioren stellten 59 Prozent der Apfelesser, Familien mit Kindern knapp 30 Prozent und junge Singles/Paare ohne Kinder 11 Prozent.

Damit nicht genug. Der Trend gehe zu kleineren Verpackungen - wie 6er-Foodtainer. Die Zwei-Kilo-Taschen sind kaum noch gefragt.

Sorten wie Bloss sollen junge Leute zu Apfelessern machen.

Sorten wie Bloss sollen junge Leute zu Apfelessern machen. Foto: Vasel

Für Schockemöhle liegt es auf der Hand: Der Obstbau muss auf das veränderte Konsumverhalten reagieren. Die Apfelbauern leiden nicht nur unter einer Absatzkrise, sie müssen auch Antworten auf den demografischen Wandel finden.

Wie ihr Vorgänger Helwig Schwartau plädiert sie für einen stärkeren Anbau von höherpreisigen Clubsorten. Diese Äpfel dürfen nur von einem exklusiven Kreis von Erzeugern angebaut werden, die Vermarktung und das Marketing werden koordiniert.

Allergiker als neue Zielgruppe: Foodtainer mit Pompur-Äpfeln in der Kiste.

Allergiker als neue Zielgruppe: Foodtainer mit Pompur-Äpfeln in der Kiste. Foto: Vasel

Außerdem müssten mehr Äpfel in kleinen, alltagsgerechten Verpackungen vermarktet werden. Die AMI-Expertin rät Obstbau- und -handel zu zielgerichteter Promotion. Es gelte, vor allem junge Haushalte wieder für den Apfelkonsum zu begeistern.

Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse in Deutschland: Jeder zweite Apfel kommt aus dem Ausland.

Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse in Deutschland: Jeder zweite Apfel kommt aus dem Ausland. Foto: BLE

Im Grundsatz stehen die Chancen auf eine Apfel-Renaissance nicht schlecht, sind sich Schliecker und Schockemöhle einig. Schließlich liege der Selbstversorgungsgrad bei Obst nur bei 20 Prozent, beim Apfel stamme jeder zweite aus dem Ausland. Mit dem Allergikerapfel Pompur erschließen sich die Obstbauern neue Zielgruppen, auch das Sortiment ändere sich. Das Marketing werde verstärkt, nach Umwelt- und Sozialstandards sollen die Gesundheitsvorteile stärker unterstrichen werden. Denn Äpfel seien wie Beeren ein Superfood. Die Operation Imagewandel läuft an. Schliecker: „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand.“

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