TPark-Abzocke am Lühe-Anleger in Grünendeich? Biker starten Petition
Bernd Schlichtmann will mit einer Online-Petition die „Park-Abzocke“ am Lühe-Anleger stoppen. Foto: Vasel
Bernd Schlichtmann aus Fredenbeck will die „digitale Parkgebühren-Abzocke“ in der Gemeinde Grünendeich stoppen. Er fürchtet um den Lühe-Anleger als Ausflugsort.
Grünendeich. Mehr als 600 Bürgerinnen und Bürger unterstützen den Aufruf „Rettet den Lühe-Anleger“ auf der Plattform openPetition bereits. Der Motorradfahrer Bernd Schlichtmann aus Fredenbeck hat die Petition am 13. September gestartet. In der Motorrad-Szene bekommt der Biker viel Zuspruch.
Blick auf Automaten, Kameras und Beschilderung des digitalen Parkraumbewirtschaftungssystems am Lühe-Anleger in Grünendeich. Foto: Vasel
Im Juni 2026 hatte Grünendeich ein digitales Parkraumbewirtschaftungssystem auf den Parkplätzen am und vor dem Lühe-Anleger eingeführt. Die Technik funktioniert ohne Papier-Tickets oder Schranken.
Kameras scannen die Kennzeichen der Pkw, Wohnmobile oder Motorräder bei Ein- und Ausfahrt. Parkdauer und -entgelt werden automatisch berechnet, online oder mit Karte wird bezahlt. Die Parkraumbewirtschaftung hat die Kommune an die Mobility Hub Parkservice GmbH übertragen.

Bei einem Verstoß droht eine Strafe in Höhe von 56 Euro am Lühe-Anleger. Foto: Vasel
Das heißt: Wer gegen die Nutzungsbedingungen verstößt, bekommt jetzt Post von der Mobility Hub Parkservice. Wer für das Parken nicht zahlt, muss seit Juni eine Vertragsstrafe von 56 Euro an das Privatunternehmen in München entrichten. Auf den Parkplätzen gilt die Straßenverkehrsordnung (StVO) mit ihrem Bußgeldkatalog nicht mehr. Vorher drohten Parksündern ein Strafgeld von 20 bis 40 Euro.
Biker sprechen von Abzocke am Lühe-Anleger
Dass sie Parkgebühren am Lühe-Anleger zahlen müssen, sei den Bikern ohnehin seit Jahren ein Dorn im Auge. „In Krautsand parken Motorradfahrer kostenfrei“, sagt Schlichtmann. Die Altländer sollten sich die Kehdinger zum Vorbild nehmen.
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Der Versicherungsmakler spricht - insbesondere mit Blick auf die „drakonische“ Vertragsstrafe in Höhe von 56 Euro - von „Abzocke“ und „Schikane“ und von „aggressiver Überwachungspraxis“ durch Mobility Hub. In der Online-Petition klagt der Motorradfahrer über eine „massive“ Erhöhung der Parkgebühren und fehlende Information.
Doch für Schlichtmann und seine Mitstreiter geht es um mehr. Allein L. A. zu boykottieren, löse das Problem nicht. Die Biker fürchten, dass andere Kommunen dem Beispiel der Gemeinde folgen und ihren Parkraum in die Hände von Privaten geben. Sie wollen verhindern, dass auch andernorts Parkgebühren für Biker anfallen. Er sagt: „Wenn wir jetzt nicht laut werden, machen private Abzocker und ignorante Politiker diesen Testballon zum Standard für alle anderen beliebten Motorrad- und Ausflugstreffpunkte in Norddeutschland.“
Werden die Parkgebühren zur Gefahr für das beliebte Ausflugsziel?
Buden-Betreiber hätten ihm berichtet, dass ihre Umsätze erheblich zurückgegangen seien. Ihn treibe die Sorge um, dass es in der kommenden Saison den Ausflugsort in dieser Form nicht mehr gebe. Die Parkraumbewirtschaftung mit „drakonischer Vertragsstrafe“ habe den Gastronomen erheblich geschadet.
Viele Ausflügler, von Senioren bis zu Bikern, die für ein Fischbrötchen und den Blick auf die Elbschiffe in Grünendeich halten, würden abgeschreckt. „Das ist keine Willkommenskultur“, sagt der Fredenbecker. Es fehlten fremdsprachige Hinweise für die ausländischen Gäste - etwa aus Skandinavien oder den Niederlanden. Viele Ausflügler überfordere die neue Technik.

Biker Detlev Mehrtens und Manfred Feldmann aus Zeven unterstützen die Petition. Foto: Vasel
Die Biker Detlev Mehrtens und Manfred Feldmann aus Zeven schlossen sich diese Woche der Petition vor Ort an. Solange es die Parkgebühr und Vertragsstrafe gebe, „meiden wir den Lühe-Anleger“. Viele könnten sich häufige Besuche nicht mehr leisten, so Hauke Schacht aus Stade. Dabei sei L. A. ein wichtiger, generationenübergreifender sozialer Treffpunkt. Dass seit diesem Sommer die Gebührenpflicht nicht mehr um 18 Uhr, sondern um 20 Uhr ende, sei nicht okay.

Einige Biker decken ihr Kennzeichen ab. Foto: Vasel
Vielen Bikern sei auch die „neue, aggressive Überwachungspraxis“ ein Dorn im Auge. Eine Folge: Sie kämen nicht mehr, andere decken ihr Kennzeichen ab. Schlichtmann fordert den Rat auf, den Vertrag mit Mobility Hub Parkservice umgehend aufzulösen.
So reagiert die Gemeinde Grünendeich auf die Petition
Bürgermeister Nikolai Müller (CDU) und die stellvertretende Gemeindedirektorin, Nicole Albers-Schmidt, weisen die Kritik zurück. Ihnen seien keine Klagen von Imbiss-Betreibern zu Ohren gekommen. Es habe keine massive Preiserhöhung gegeben. Ein Beispiel: Die Parkgebühr sei mit der Umstellung lediglich um den Mehrwertsteuersatz erhöht worden - von einem Euro auf 1,20 Euro je angefangene 30 Minuten für Pkw und von 0,50 Euro auf 0,60 Euro für Motorräder. Das System sei benutzerfreundlich, vor der Einführung habe es eine umfassende Info gegeben. Bei der Beschilderung sei nachgebessert worden.

Blick auf die Buden am Lühe-Anleger in Grünendeich, der Biker-Parkplatz ist leer. Seit 1999 besteht die Gebührenpflicht. Foto: Vasel
Laut Kommunalverfassungsgesetz müsse eine Kommune vorrangig Entgelte vor Steuern erheben. 120.000 Euro hat die Kommune für Park- und Toiletten-Gebühren am Lühe-Anleger eingeplant, hinzu kommen 58.000 Euro an Pachteinnahmen durch die Buden.
Albers-Schmidt rechnet mit Mehreinnahmen. Viele hätten sich früher vor der Zahlung der Park-Gebühr gedrückt. Die Gemeinde müsse den Platz, aber auch Infrastruktur wie Dorfgemeinschaftshaus „Zur Schönen Fernsicht“ oder Spielplätze unterhalten. Die Übertragung spare Geld. Müller beklagt den Umgangston im Netz: „Jeder darf Kritik üben: Ich fragen mich allerdings, warum wir Motorradfahrer anders als Pkw-Fahrer behandeln sollen?“
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