TPremiere bei Jugend musiziert: Diese Beckdorferin brennt für die Harfe
Premiere für Helene Schmiech aus Beckdorf: Die zwölfjährige Harfenistin nimmt zum ersten Mal am Regionalwettbewerb von Jugend musiziert teil. Foto: Weselmann
Ihr Glück hat viele Saiten. Helene Schmiech ist begeisterte Harfenspielerin. Für die junge Beckdorferin stehen gleich zwei aufregende Ereignisse an.
Beckdorf. Helene Schmiech macht etwas Himmlisches: Sie spielt Harfe, das Instrument der Engel und Götter. Seit der ersten Klasse bringt die junge Beckdorferin deren Saiten zum Klingen.
Beim Musikunterricht kommt die Harfe ins Spiel
In der Pädagogik der Waldorfschulen hat die musikalisch-künstlerische Ausbildung einen hohen Stellenwert. Im Musikunterricht wird hier gerne mit Kinderharfen gearbeitet. Das brachte die heute Zwölfjährige auf das sonst eher ungewöhnliche, aber dafür umso berührendere Instrument.
„Ich war total fasziniert vom Klang der Harfe“, erinnert sich Helene an den Beginn ihrer Leidenschaft. Mit dem Wunsch nach Harfenunterricht ging sie zu den Eltern. „Wir hatten Glück, dass es direkt vor Ort eine Lehrerin gibt“, erzählt Mutter Carolin Schmiech.
Für den Auftritt wird an jedem Ton gearbeitet
Nun ist die Tochter schon sechs Jahre dabei und tritt zum ersten Mal bei Jugend musiziert an. Vier Stücke aus unterschiedlichen Epochen hat Helene für ihren Auftritt vor der Jury vorbereitet. Seit August feilt sie am Spiel, arbeitet an jedem einzelnen Ton und übt rund eine Stunde pro Tag. Das erfordert viel Disziplin.
Deshalb drängt Harfenlehrerin Silvia Reiß auch niemanden zur Teilnahme an Jugend musiziert. „Die Schüler müssen das selbst wollen“, sagt sie. „Meine Aufgabe ist es, sie am Ball zu halten, wenn es heißt, immer nur die gleichen Stücke zu üben.“
Silvia Reiß: „Man muss dafür brennen.“
Was es braucht, um weiterzukommen mit dem Harfenspiel? „Feuer“, sagt Silvia Reiß. „Man muss dafür brennen.“ Das Üben müsse Spaß machen. Die 62-jährige Musikerin fand vor mehr als 40 Jahren zur Harfe und beherrscht alle Typen - bis hin zur afrikanischen Kora.

Intensive Vorbereitung: Seit Monaten übt Silvia Reiß mit ihrer Harfenschülerin die Stücke für ihren Auftritt vor der Wettbewerbsjury. Foto: Weselmann
Vor 20 Jahren hat sie die Harfe mit ihrem Unterrichtsangebot in den Landkreis Stade gebracht. Helene Schmiech zählt zu ihren 35 Schülern. Die kommen in den besonderen Genuss, dass die Harfenlehrerin ihnen die Stücke ganz nach Können auf den Leib schreibt - vom Weihnachtslied über irische Folklore bis zu aktuellen Popsongs. Zu Helenes Lieblingsstücken gehört zum Beispiel „Clocks“ von Coldplay.
Helene Schmiech war schon im Kulturforum zu hören
Auf der Bühne steht Helene nicht zum ersten Mal. Silvia Reiß ermöglicht ihren Schülern regelmäßig Auftritte, zum Beispiel vor den Seniorenheim-Bewohnern in der Waldburg. Die Wettbewerbsstücke hat Helene schon vor fremdem Publikum präsentiert - bei einer Sonntagscafé-Veranstaltung im Kulturforum. Trotzdem ist die Zwölfjährige aufgeregt. Aber bei aller Sorge vor schwitzigen Fingern überwiegt die Freude.
Bei Jugend musiziert treten die Teilnehmer nie gegeneinander an. Die Jury vergibt Punkte. Wer eine bestimmte Anzahl erreicht, kommt weiter.
Auf die Harfenistin wartet der nächste große Schritt
Neben der Teilnahme am Regionalwettbewerb, der am 24. Januar in Stade über die Bühne gehen wird, fiebert Helene einem weiteren Höhepunkt entgegen. Dieser Tage kann sie endlich ihre neue Konzertharfe abholen. Die Anschaffung ist eine echte Investition.

Warten auf das Instrument fürs Leben: Nach dem Wettbewerb wechselt Helene Schmiech zur Konzertharfe. Das Modell hat sie schon lange ausgesucht. Foto: C. Schmiech
„Das ist dann ein Instrument fürs Leben“, sagt Mutter Carolin Schmiech. Für das Ersparte hätte man einen neuen Kleinwagen bekommen. Deshalb haben Helene und ihre Eltern das schlichte, helle Modell von Lyon & Healy mit Bedacht ausgewählt. Nach dem Wettbewerb steigt die junge Musikerin auf die Konzertharfe um.
Musikinstrument des Jahres
Mehr als Quetschkommode und Schifferklavier - das Akkordeon
Der Umstieg von der einfachen Pedalharfe ist eine große Umstellung, weil nun neben dem Zupfen der Saiten mehrere Fußpedale zu bedienen sind. Gleichzeitig erweitert sich das Repertoire. „Dann kann ich alles spielen und die Musik zu Harry Potter lernen“, begeistert sich Helene.
Die Musikschülerin hat einen großen Traum
Erforderlich ist die Konzertharfe ebenso im Orchesterspiel. Genau das hat Helene sich zum Ziel gesetzt. Sie träumt davon, irgendwann im Buxtehuder Jugend-Sinfonie-Orchester spielen zu dürfen - so wie es die nur ein paar Jahre ältere Nele Brunswig gerade tut. Sie hat es bis zum Bundeswettbewerb und als Jungstudentin an die Lübecker Musikhochschule geschafft.
Ihre berufliche Zukunft sieht Helene eher im Wald - als Försterin. Damit wäre sie in guter Gesellschaft. Die Mutter ist neben dem Beruf als Waldpädagogin engagiert, und in der Familie des Vaters hat die Forstwirtschaft Tradition. Die Jugendliche ist gerne draußen aktiv. Helene spielt nicht nur Harfe, sie reitet auch auf Islandpferden und schwingt den Schläger beim Feldhockey.
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