Lions Musikpreis: Zwei junge Gesangstalente aus Harsefeld sind dabei
Jekaterina und Jan Jozefowski sind ein gutes Team – beim gemeinsamen Üben genauso wie auf der Bühne. Foto: Weselmann
Dieses Mal sind beim renommierten Lions Musikwettbewerb Gesangstalente gefragt. Austragungsort ist nicht mehr Bremen, sondern Buxtehude. Mit dabei ist auch ein Geschwisterpaar aus Harsefeld. Im Kreis der Teilnehmer sind sie eine Ausnahme.
Jan und Jekaterina Jozefowski standen schon für so manchen Gesangswettbewerb auf der Bühne. Bis nach San Marino, St. Petersburg und Moskau sind sie dafür gereist. Jetzt treten die beiden 16-Jährigen beim Regionalentscheid des Lions Musikwettbewerbs an. Der geht für den hiesigen Distrikt am Sonnabend, 26. Februar, in der Halepaghen-Aula über die Bühne.
Der Klavierflügel bestimmt das Wohnzimmer der Familie Jozefowski. Daneben Notenständer und Mikrofon. Im Regal stehen die Wettbewerbspokale von Jan und Jekaterina aufgereiht. Die beiden Jugendlichen verbindet Musik und Gesang.
Sie sind geboren in Rostov am Don, beide adoptiert und als Geschwister aufgewachsen. Bei Jan wird im Kleinkindalter ein absolutes Gehör festgestellt. Mutter Olga Jozefowski holt daraufhin Rat bei einem Musikprofessor in Hannover und sorgt für musikalische Förderung. Angefangen mit Klavierunterricht für Jan, spielt Musik von da an eine Hauptrolle im Leben ihrer Kinder. Erst steht Jekaterina noch schüchtern im Hintergrund bei den ersten Gesangsstunden ihres Bruders. Die Begeisterung siegt und sie tut es Jan gleich. Mit acht Jahren macht das Geschwisterpaar das erste Mal bei Jugend musiziert mit, vorher ist Jan bereits bei einem Klavierwettbewerb in Essen auf der Bühne. Die Eltern tun alles, um die Kinder in ihrem Talent zu unterstützen.
Gerade zwölf Jahre alt singen die beiden im Duett bei einem russischen TV-Format ähnlich wie Voice Kids. Denn Olga Jozefowski ist gebürtige Russin und kann Kontakt herstellen in ihr Heimatland.
Geschwister gehören zum Jugendchor der Staatsoper
Seit einiger Zeit gehören Jan und Jekaterina jetzt schon zum Jugendchor der Hamburger Staatsoper. Davor hat Jan schon bei den Hamburger Alterspatzen mitgesungen, samt Gesangssoli in Opern wie La Bohème oder Macbeth. Und zur Eröffnung der Elbphilharmonie war Jan mit den Alsterspatzen auch dabei. In solche Aufführungen geht er ganz befreit, anders als in Wettbewerbe. Trotz der vielen Auftritte – auch in der Region – sind die Geschwister jedes Mal aufgeregt.
Mit ihren 16 Jahren sind sie die Jüngsten im sechsköpfigen Teilnehmerkreis. Sie messen sich mit Musikstudenten. Deshalb stand in den vergangenen Wochen intensive Vorbereitung bei der Gesangslehrerin auf dem Plan. Das Repertoire ist sehr anspruchsvoll, der Musikpreis hochprofessionell, wie Barbara Hofmann erzählt. Die Buxtehuder Musikerin hat die Organisation für den hiesigen Distrikt „111 Niedersachsen Bremen“ übernommen. Deshalb läuft dieser jetzt auch hier vor Ort.
Sie wollen Erfahrungen auf der Bühne sammeln
„Ich mache vor allem wegen der Bühnenerfahrung mit, um mit dem Druck in solchen Ausnahmesituationen besser umgehen zu können“, sagt Jekaterina. Sie erinnert noch genau ihren ersten Wettbewerbsauftritt. „Ich stand da im weißen Tüllkleid und war total aufgelöst“, erzählt sie. „Aber wenn man von der Bühne runterkommt, ist es ein großartiges Gefühl“, macht ihr Bruder Jan deutlich, was die Wettbewerbe im Nachhinein eben auch bedeuten. Den Erfolg und Fortschritt zu sehen, motiviere weiterzumachen, betont er.
Als Kind war Jan oft genervt vom vielen Klavierüben. Und auch der Gesangsunterricht und die Wettbewerbe haben ihn nicht immer begeistert, wie er erzählt. Aber die Musik hat ihn trotzdem gepackt. Jazz interessiert ihn und er improvisiert gerne auf dem Klavier. Inzwischen produziert er unter dem Künstlernamen Jadoz elektronische Musik. Eine Plattenfirma hat einen seiner Titel via Spotify veröffentlicht. „Ich habe mit meiner elektronischen Musik schon das erste richtige Geld verdient. Das ist echt cool“, sagt Jan. Sein Wunsch ist es, die Musikproduktion zum Beruf zu machen. Die Geschwister würden beide gerne Musik studieren.
Jekaterina hat dabei einen anderen Weg vor Augen als ihr Bruder. Sie träumt von der großen Bühne und will Opernsängerin werden. Mit elf Jahren war sie als glühender Fan bei einem Konzert von Anna Netrebko in der Laeiszhalle. Ihre Augen glänzen, als sie davon erzählt. Ein großes Vorbild ist der Gesangsstar immer noch.
„Der Wettbewerb ist ein neues Level. Das hilft mir, mich selbst besser einschätzen zu können“, ist Jekaterina sich der starken Konkurrenz bewusst. Natürlich wollen die Geschwister auch weiterkommen. „Ohne diesen Ehrgeiz braucht man gar nicht erst anzutreten“, so lautet Jans Devise.
Lions Musikpreis
Die Lions-Musikpreis-Wettbewerbe laufen auf drei Ebenen – von regionalen Ausschreibungen der einzelnen Lions-Distrikte über die Entscheidung auf Bundesebene bis hin zum europäischen Musikpreis. Auf erster Ebene werden Preise von 1000, 750 und 500 Euro sowie weitere Sonderpreise ausgelobt. Die jeweils Erstplatzierten sind für die nächste Stufe nominiert.
Teilnehmen können Musiktalente bis 24 Jahre. Der Lions Musikpreis wird in einem jährlich wechselnden Instrument ausgetragen, für 2022 ist es die Stimme.