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Erfindergeist

TProbelauf mit Erfinder: Mobildeich schützt die Moorender vor Hochwasser

Probelauf: Mobildeich-Erfinder Dr. Walter Wagenhuber blickt mit Lara Stappenbeck, Stephanie Kock, Wilhelm Ulferts und Jens Lohmann auf den flexiblen Hochwasserschutz an der Brücke in Moorende (von links).

Probelauf: Mobildeich-Erfinder Dr. Walter Wagenhuber blickt mit Lara Stappenbeck, Stephanie Kock, Wilhelm Ulferts und Jens Lohmann auf den flexiblen Hochwasserschutz an der Brücke in Moorende (von links). Foto: Vasel

Moorende wird zukünftig von einem Mobildeich geschützt - eine Premiere in Niedersachsen. Erfinder Dr. Walter Wagenhuber wies die Feuerwehr vor Ort bei einer Übung ein.

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Von Björn Vasel
Samstag, 14.03.2026, 11:50 Uhr

Altes Land. Oberdeichrichter Wilhelm Ulferts blickt mit Ortsbrandmeister Stefan Bleeken auf die Drehbrücke zwischen Estebrügge und Moorende. Das Übungsszenario: Durch eine Sturm- und Starkregenflut ist die Este randvoll und droht über die Ufer zu treten. Die Kräfte erwarten einen Wasserstand von mehr als 3,31 Meter über Normalhöhennull (NHN).

Ab dieser Höhe können die Wassermassen im Bereich der Brücke ungehindert ins Dorf laufen und Teile der Dritten Meile überfluten. Auf Moorender Seite gibt es kein funktionierendes Deichschart. Doch der Deichverband der II. Meile Alten Landes hat vorgesorgt. In Jork hat der Verband einen mobilen Deich im Feuerwehrgerätehaus eingelagert.

Mobiler Deich steht bereits nach 15 Minuten

Kurz vor 15 Uhr treffen die Feuerwehrleute der Ortsfeuerwehr Moorende und die Deichrichter und Deichgeschworenen ein. Auf dem Anhänger liegt aufgerollt der Mobildeich. Feuerwehrleute bringen ihr Tragkraftspritzenfahrzeug in Stellung - und rollen ihre Schläuche aus.

Der Mobildeich wird auf einer Rolle transportiert.

Der Mobildeich wird auf einer Rolle transportiert. Foto: Vasel

Zwei Männer holen das System vom Anhänger. Feuerwehrleute aus Estebrügge und Moorende rollen den Mobildeich ab und legen diesen zwischen den denkmalgeschützten Häusern links und rechts auf der Straße aus. Eine Rolle macht den Transport kinderleicht. Der 6 Meter lange und 60 Zentimeter hohe Mobildeich ist nur 120 Kilo schwer. Schläuche werden mit den Anschlüssen des Mobildeichs verbunden. „Wasser marsch“, ruft der Einsatzleiter.

Der Mobildeich schließt bei Starkregen- und Sturmfluten den zu tiefen Bereich an der Ostseite der Drehbrücke zwischen Estebrügge und Moorende.

Der Mobildeich schließt bei Starkregen- und Sturmfluten den zu tiefen Bereich an der Ostseite der Drehbrücke zwischen Estebrügge und Moorende. Foto: Vasel

In weniger als sieben Minuten sind die beiden Schläuche im Inneren des Mobildeichs mit sechs Kubikmetern Wasser prall gefüllt. „Das ist für uns ein Klacks, unsere Pumpe schafft 800 Liter in der Minute“, sagt Bleeken. Knapp 15 Minuten haben die Einsatzkräfte benötigt, um die erforderliche Schutzhöhe von vier Meter NHN an der Ostseite der Drehbrücke zu erreichen. Die Zuschauer staunen. „Der Hochwasserschutz ist gesichert“, betont Oberdeichrichter Ulferts.

Feuerwehrleute verlegen Schläuche zum Füllen des Mobildeichs.

Feuerwehrleute verlegen Schläuche zum Füllen des Mobildeichs. Foto: Vasel

Oben auf der Drehbrücke haben heute weder Ulferts noch Bleeken das Kommando, sondern Dr. Walter Wagenhuber. Der Erfinder steht auf der Netzhülle seines Mobildeichs und erzählt seine Geschichte: „2002 habe ich die Flutkatastrophe in Deutschland und Tschechien an der Elbe im Fernsehen verfolgt.“ Tausende Feuerwehrleute, DLRG-Wasserretter und Soldaten schleppten unzählige Sandsäcke an die Elbe - oftmals vergeblich.

Flutkatastrophe macht Dr. Walter Wagenhuber zum Erfinder

„Es muss eine bessere, schnellere und einfachere Lösung geben“, habe er sich seinerzeit gedacht. Der Bauingenieur machte sich ans Werk, bereits 2004/2005 kam er mit seinem System auf den Markt. „Mit unserem System wären sie an der Elbe fast 150-mal schneller gewesen“, betont Geschäftsführerin Stephanie Kock.

Mobildeich-Erfinder Dr. Walter Wagenhuber im Gespräch mit Feuerwehrleuten.

Mobildeich-Erfinder Dr. Walter Wagenhuber im Gespräch mit Feuerwehrleuten. Foto: Vasel

Unter anderem bei den schweren Sturmfluten in Hamburg bewährte sich das System. Die Hamburg Port Authority beschaffte den Mobildeich für den Fall, dass die Fluttore im Stadt- und Hafengebiet versagen.

Einige der Feuerwehrleute und Anwohner sind noch skeptisch. Was passiert, wenn Baumstämme oder Boote durch die reißende Strömung auf diesen Mobildeich prallen? Kann Wasser zwischen Mobildeich und Fahrbahn durchrauschen? Fragen über Fragen.

Blick auf Klemmprofil und Faserdichtung des Mobildeichs.

Blick auf Klemmprofil und Faserdichtung des Mobildeichs. Foto: Vasel

Kock zeigt auf die Faserdichtung an der Netzhülle. In dieser stecken schwere Stahlketten als Gewicht. Sie müsse nicht mit Sandsäcken fixiert werden. Nach und nach setze sich die Dichtung mit dem Dreck aus dem Wasser und der Straße „nahezu dicht“. Klemmprofile fixieren den Deichkörper an den Wänden. Auch bei Eis und Schnee sei der Deich stabil, er habe eine „Griffigkeit wie Schneeketten“.

Mobildeich-Erfinder Dr. Walter Wagenhuber erläutert die Funktion.

Mobildeich-Erfinder Dr. Walter Wagenhuber erläutert die Funktion. Foto: Vasel

Ein Feuerwehrmann hakt nach: „Was ist mit Treibgut, kann das den Deich aufreißen?“ Wagenhuber verweist auf den Test im Wasserbecken der TU Harburg. „Wir haben ein 500 Kilogramm schweres Kantholz mit 10 km/h mehr als 20-mal gegen den Mobildeich gestoßen - ohne Schäden“, sagt er.

Premiere im Land Niedersachsen

Am Rand steht die Deichverbandsingenieurin Lara Stappenbeck. Zufrieden blickt sie nach dem Probelauf mit der Feuerwehr auf ihren Mobildeich. Er ist ihr Kind. 35.000 Euro haben die Altländer in Planung und Anschaffung gesteckt. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hat das System „erstmalig in Niedersachsen gefördert und bewilligt“. Oberdeichrichter Ulferts und Ortsbrandmeister Bleeken loben das denkmalverträgliche System. Ein festes Deichschart wäre teurer - und wegen des Brückenwiderlagers und der Gasleitung kaum zu realisieren gewesen. Ulferts: „Außerdem können sie uns den Mobildeich nicht wie Dammbalken klauen.“

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