TSietas-Werft: Hamburger Senat hat kein Konzept in der Schublade
Blick auf die Hallen und den Hafen der Sietas-Werft in Neuenfelde, der denkmalgeschützte Jucho-Portalkran überragt alles. Foto: Vasel
Der Senat hat kein Konzept für die Sietas-Werft. Auch zu Kosten und Interessenten schweigt Hamburg. Die Bürgerschaftsabgeordnete Anke Frieling (CDU) kritisiert das.
Neuenfelde. 13. November 2025: Im Amtsgericht Harburg haben sich die Growth SZ Vermögensverwaltungs GmbH aus Wien und die Freie und Hansestadt Hamburg bei der Zwangsversteigerung der insolventen Pella-Sietas-Werft ein erbittertes Bietergefecht geliefert. Die Österreicher, einstmals verflochten mit der halbstaatlichen Sberbank of Russia, trieben den Preis hoch. 63 Millionen Euro an Krediten hatte die aufgrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine auf der Sanktionsliste stehende Bank mit der Insolvenz der Tochter der Pella Shipyard aus St. Petersburg verloren.
CDU-Fraktion übt Kritik am Senat
Letztlich erteilte der Rechtspfleger dem Hamburger Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) bei 20,01 Millionen Euro den Zuschlag. Seitdem gehört die im Jahr 1635 gegründete Werft der Freien und Hansestadt Hamburg. Dass die zukünftige Nutzung des 14,7 Hektar großen Industriegebiets an der Estemündung in Neuenfelde immer noch unklar ist, kritisiert die Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Anke Frieling (CDU). Die Christdemokratin vermisst einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld der Steuerzahler.

Auf der Sietas-Werft laufen erste Sanierungsmaßnahmen. Foto: Vasel
Bislang tue sich wenig auf der Werft. Frieling mahnt, Altlasten zügig zu beseitigen und Betriebe anzusiedeln - verbunden mit dem Ausbaggern der verschlickten Este, um den Wasserweg für Transporte besser nutzen zu können. Grundsätzlich begrüße sie den Ankauf, vermisse allerdings eine Kosten-Nutzen-Betrachtung.
Hamburg hat kein Konzept in der Schublade
Vor diesem Hintergrund hat die Bürgerschaftsabgeordnete eine Kleine Anfrage gestellt. „Eine konkrete detaillierte Nutzungsplanung liegt allerdings noch nicht vor, sondern wird derzeit vom LIG erarbeitet“, heißt es in der Antwort des rot-grünen Senats. An dem Ziel, ein Großteil des Werftgeländes mittelfristig im Erbbaurecht zu vergeben und künftig als Industriefläche zu nutzen, will die Koalition aus SPD und Grünen festhalten.

Die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Anke Frieling will, dass die Sietas-Werft nicht brach liegt. Foto: Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)
Woran liegt das? Laut Senat benötigt die Planung - von der Entwicklung des Geländes mit Hallen, Hafen und Portalkran bis zur Verkehrsanbindung - noch Zeit. Offen ist, wie viel Geld die Stadt in die Hand nehmen muss, um Interessenten wie beispielsweise Airbus ansiedeln zu können. Die Bürogebäude und Schiffbauhallen sind stark sanierungsbedürftig, zum Teil regnet es durch.
Zwangsversteigerung
T Forderung: Nach Kauf der Sietas-Werft muss die Este ausgebaggert werden
„Es ist daher derzeit noch nicht absehbar, wann künftige Nutzungsmöglichkeiten für die Fläche im Detail feststehen“, so der Senat. Hamburg plane, wie bei der Airbus-Erweiterung in Finkenwerder in das Mühlenberger Loch, einen Realisierungsträger zu beauftragen. Dieser solle die Fläche „für eine zukünftige industrielle und denkbare anderweitige Nutzung“ herrichten und erschließen.
Für Hamburg sei es „eine Potenzialfläche“. Größter gewerblicher Nutzer ist aktuell Este Project Service, die unter anderem Schwergut und Seecontainer umschlagen, aber auch Industrieanlagen montieren - auch als Dienstleister für Airbus. Auf dem separaten Parkplatz stehen zwölf Containergebäude mit 308 Plätzen für Flüchtlinge. Die Unterkunft ist bis 2031 genehmigt, doch Fördern & Wohnen plant bereits einen Neubau.

Erinnerungen an glorreiche Zeiten der 1635 gegründeten Sietas-Werft. Foto: Vasel
Auch die durch den Klimawandel bedingte Erhöhung des Hauptdeiches ab 2028 müsse berücksichtigt werden. Hamburg plane, Gebäude an der Ecke Neuer Fährweg/Neuenfelder Hauptdeich abzureißen. Der Schutzstreifen vor der Hochwasserschutzwand soll zu Deichgrund werden. Trotz alledem seien durch den Hochwasserschutz keine Einschränkungen für die langfristige Nutzung der übrigen Flächen zu erwarten.
Altlasten schlummern im Untergrund
Frieling vermutet, dass die Altlasten für Hamburg zu einem Problem geworden sind. Laut einem dem TAGEBLATT vorliegenden Umweltgutachten schlummern im Untergrund zahlreiche Altlasten, unter anderem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle, Benzol und Arsen, nicht nur im Bereich der früheren Tankstelle. Dort muss der kontaminierte Boden ausgekoffert und entsorgt werden.

Blick vom Este-Sperrwerk auf die sanierungsbedürftigen Schiffbauhallen der Sietas-Werft. Vorne rechts sind die Reste des russischen Eisbrechers zu sehen. Foto: Vasel
Bei Neubauvorhaben sei laut Hamburger Senat zu prüfen, ob wegen des Methans in der Bodenluft gastechnische Sicherungsmaßnahmen zu treffen sind. Das Grundwasser ist laut Gutachter nicht verseucht, hieß es bereits bei der Zwangsversteigerung. Die Kosten einer Totalsanierung wurden mit 30 Millionen Euro beziffert.
Der stadtteilprägende Jucho-Portalkran steht seit September 2024 als Industriedenkmal unter Schutz und bleibt vor Ort stehen.
Senat will sich nicht zu Kosten äußern
Der Senat will sich weder zu Interessenten noch zu Kosten von Ankauf, Sicherungsmaßnahmen, Erschließung, Altlastenbeseitigung sowie Hochwasser- und Denkmalschutz äußern. Erst wenn die Nutzungsabsicht im Detail feststehe, werde die Öffentlichkeit informiert. Das soll passieren, bevor die Realisierungsgesellschaft beauftragt wird.
„Der Senat sieht zur Wahrung seiner Verhandlungsposition und der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von Vertragspartnern grundsätzlich davon ab, zu Einzelheiten von Immobilienankäufen und -entwicklungen öffentlich Stellung zu nehmen“, heißt es.
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