TStade: Großeinsatz der Polizei nach häuslicher Gewalt im Altländer Viertel
Bewacht: Polizisten eskortieren am Sonntagabend einen Verletzten am Elbe Klinkum Stade zum Fahrzeug. Foto: Vasel
Alarm für Stader Polizei und Rettungsdienst - nach einer Auseinandersetzung im Altländer Viertel in Stade. Erste Konsequenz: ein Sicherheitsgipfel im Rathaus.
Stade. „Stichverletzung - Gewalt/Täter vor Ort“ - mit dieser Meldung hat die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in Stade-Wiepenkathen am Sonntagabend die Notfallsanitäter zu einem Einsatz in der Grünendeicher Straße in Stade alarmiert. Die Rettungskräfte bekamen die Order, den Einsatzort nicht sofort anzufahren.
Der Rettungsdienst mit Notarzt und Notfallsanitäter sammelte sich aus Sicherheitsgründen am Hafenkran am Rande der Stader Altstadt.
Vom Messer fehlt jede Spur
Was war passiert? Laut Polizeisprecher Rainer Bohmbach war der Polizei um 20.25 Uhr über 110 „ein Fall von häuslicher Gewalt in der Grünendeicher Straße in Stade gemeldet worden“. In einer Mietwohnung im vierten Obergeschoss sei es zu „einer Auseinandersetzung zwischen einem Ehepaar gekommen, bei der möglicherweise auch mit einem Messer gedroht worden war“. Das 43-jährige Opfer sei zu einem Nachbarn gelaufen. Dieser habe schließlich die Polizei informiert.

Bewacht: Auch die Nebeneingänge der Klinik wurden gesichert. Foto: Vasel
Als die ersten Polizisten eintrafen, wollte der alkoholisierte 48-jährige Mann, laut Bohmbach der Tatverdächtige, „aggressiv auf die Beamten losgehen“. Die Einsatzkräfte hätten seinen Angriff abwehren können. Dabei stürzte der Alkoholisierte, er habe sich „leicht verletzt“.
Damit nicht genug. Auch die hochschwangere Schwiegertochter war vor Ort, auch sie musste medizinisch versorgt werden. Nach TAGEBLATT-Informationen handelt es sich um eine Familie aus Bulgarien.
Sie lebt, wie viele Landsleute, in mehreren Mehrfamilienhäusern im Altländer Viertel. Es ist ein offenes Geheimnis, dass einige der Wohnungen überbelegt sind. Viele sind „Aufstocker“. Das bedeutet: Sie arbeiten regulär, verdienen allerdings so wenig, dass sie zur Sicherung des Lebensunterhalts ergänzende Grundsicherung beziehen. Unseriöse Vermieter und Kriminelle nutzten auch in Stade ihre Notlage aus, heißt es in den Behörden.
Ein Messer sei nicht sichergestellt worden, sagte Bohmbach auf Nachfrage.
Knapp 150 Menschen versammeln sich vor Ort
Während des Polizeieinsatzes versammelten sich knapp 150 Personen vor dem Haus - überwiegend Nachbarn und Verwandte. „Einige behinderten Maßnahmen der Polizei und des Rettungsdienstes“, bestätigte Bohmbach. Um die Lage in den Griff zu bekommen, zog die Kooperative Leitstelle der Polizeidirektion Lüneburg weitere Kräfte aus den Landkreisen Harburg, Rotenburg und Cuxhaven in Stade zusammen. Erst als sie vor Ort waren, konnte der Abtransport der Patienten erfolgen.
Polizei sichert das Elbe Klinikum Stade
Nach dem Einsatz im Altländer Viertel war noch nicht Schluss. Um eine Auseinandersetzung am Stader Elbe Klinikum zu verhindern, verlagerte die Einsatzleitung der Polizei die Kräfte auf das Klinikgelände, um die Eingänge und die Versorgung der jungen Frau und des 48-Jährigen zu sichern.
Glücklicherweise versammelte sich keine größere Menschenmenge vor der Klinik - anders als bei Vorfällen aus der Vergangenheit. „Außer einigen Familienangehörigen tauchte niemand auf“, sagte Bohmbach. Gegen 22 Uhr konnte der 48-Jährige die Klinik nach ambulanter Behandlung wieder verlassen.

Blick auf das Elbe Klinkum in Stade, links der Verletzte. Foto: Vasel
Bohmbach: „Gegen ihn wird nun wegen Bedrohung und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte ermittelt.“ Bei einer Verurteilung würde ihm eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren drohen.
Während des Einsatzes kam es zu keinen wesentlichen Einschränkungen des Klinikbetriebs. „Nur in Einzelfällen kam es zu geringfügigen Verzögerungen bei der Behandlung“, sagte Kliniksprecher Sebastian Braeutigam.
Nicht der erste Großeinsatz
Erst vor eineinhalb Wochen hatte es einen Großeinsatz im Altländer Viertel gegeben. Mit Ästen, Besenstielen und Fäusten hatten mehrere Männer nahe dem Jugendhaus aufeinander eingeschlagen. Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Raubes und Landfriedensbruchs laufen. Immer wieder wurden und werden Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei in dem Quartier während ihrer Arbeit bedroht.
Landrat initiiert Sicherheitsgipfel in Stade
„Ich bin nicht bereit, solche Bilder immer wieder zu ertragen“, sagte Landrat Kai Seefried (CDU) in einer ersten Reaktion dem TAGEBLATT. Einsatzkräfte müssten ohne eine Gefahr für ihr eigenes Wohlergehen ihrer Arbeit nachgehen können - auch im Altländer Viertel in Stade. Der Landrat sagte, er halte ein engagiertes gemeinsames Vorgehen der Behörden für dringend notwendig. Zur weiteren Abstimmung wird es am Dienstag auf Initiative Seefrieds ein Gespräch zwischen Vertretern der Polizeiinspektion Stade wie der Leitende Polizeidirektor Jan Kurzer, der Hansestadt Stade und dem Landkreis Stade geben, für das der Landrat seinen Sommerurlaub unterbricht.
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