TWas wird aus der Sietas-Werft? Studentin legt Pläne vor
Wohnen und Gewerbe: Finja Volmari zeigt ihre Masterarbeit „Zukunft Werft“, im Hintergrund ist das 14,7 Hektar große Sietas-Gelände mit dem Jucho-Portalkran in Neuenfelde zu sehen. Foto: Vasel
Stadtplanerin Finja Volmari ist weiter als der Hamburger Senat. Die Masterarbeit der Altländerin „Zukunft Werft“ beschäftigt bereits die Politik.
Neuenfelde. Die Freie und Hansestadt Hamburg hat noch kein Konzept für die Nutzung des 14,7 Hektar großen Industriegebiets an der Estemündung in Neuenfelde. Im November 2025 hatte sich der Hamburger Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) bei der Zwangsversteigerung für 20,01 Millionen Euro den Zuschlag gesichert.
Eine 24-jährige Stadtplanerin mit Wurzeln in Jork ist weiter als der Senat. Für ihre Masterarbeit an der HafenCity Universität Hamburg hat Finja Volmari ein Konzept für die im Jahr 1635 gegründete Werft vorgelegt. Politiker vor Ort, wie Ermiya Ciger von der SPD, studieren dieses bereits.
Wohnen und Gewerbe statt Schiffbau
Wohnen und Gewerbe, dieser Mix schwebt der mittlerweile in Hamburg wohnenden Altländerin vor. Ihr Szenario geht von einer „gemeinwohlorientierten Nachnutzung“ aus, die Wohnen, Arbeiten und Leben verbindet. „Wie viele andere alte Industrie- und Hafenareale hat auch die Sietas-Werft an der Este in Neuenfelde einen ganz eigenen Charme, der sich für neue urbane Qualitäten nutzen lässt“, ist Volmari überzeugt.
Sie spricht von einem „unterschätzten Potenzial“. Die von der Freien und Hansestadt Hamburg aktuell favorisierte reine gewerbliche und industrielle Nachnutzung hält sie für falsch - insbesondere mit Blick auf den Wohnraumbedarf.
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Volmari verweist auf den demografischen Wandel. Studien prognostizieren bis 2040 für Cranz und Neuenfelde einen Bevölkerungsrückgang - von bis zu 3,8 Prozent. Das Problem: Die Bevölkerung schrumpfe und altere auch im Hamburger Teil des Alten Landes zunehmend. Auf der Sietas-Werft könnten neue Wohn- und Nutzungsstrukturen für Jüngere und Ältere geschaffen werden.
Dadurch könnte Hamburg einen Beitrag zur „sozialen Stabilisierung“ und „zur langfristigen Sicherung der Lebensqualität“ in den Stadtteilen leisten.
Hinzu komme der Wohnungsmangel. Das von Hamburg beim Bündnis für das Wohnen vereinbarte Ziel von 10.000 neuen Wohnungen pro Jahr, ein Drittel davon im geförderten Sozialwohnungsbau, wird aktuell nicht erreicht. Die Zahl der Ein- und der Zwei-Personenhaushalte steige stetig an. Die Flächenverfügbarkeit innerhalb des Stadtgebiets sei begrenzt. Baugebiete auf der grünen Wiese stießen zunehmend auf ökologische und politische Widerstände.
Historisches Erbe in Neuenfelde erhalten
Kurzum: Die Werft biete die Chance, altersgerechte, gemeinschaftliche, generationenübergreifende Wohnmodelle zu verbinden - verbunden mit guter sozialer Durchmischung. Arm und Reich, Alt und Jung, Familien und Singles, alle könnten hier ein neues Zuhause finden. Baugemeinschaften könnten als soziale Anker dienen.

Früher entstanden hier die Segmente für die Sietas-Schiffe. Ihre Idee: Die große Schiffbauhalle wird zum Park. Foto: Volmari
Die Transformation ehemaliger Hafen- und Industrieareale könne ein Vorbild für die Sietas-Werft sein. Sie verweist auf Projekte wie Varvsstaden im schwedischen Malmö. Die Umgestaltung des historischen Werft- und Industriegebiets gilt EU-weit als Vorzeigeprojekt. Wohnen, Gewerbe und Kultur - unterbrochen von Grünflächen - prägen das Viertel heute. Das historische Erbe blieb trotz alledem sichtbar.
Devise: Alte Baumaterialien wiederverwenden
Letzteres hat die 24-jährige Stadtplanerin auch an der Este-Mündung im Kopf. Bei der Umnutzung will sie alte Gebäudekörper und Baumaterialien der Traditionswerft, wie die Stahlträger, Wellbleche, Ziegel oder Fenster, erhalten und wiederverwenden.
„Durch Urban Mining kann die industrielle Geschichte des Ortes in die neue Architektur überführt und Baukosten durch Wiederverwendung der Materialien gesenkt werden“, so Volmari. Das Beispiel Varvsstaden zeige, dass Urban Mining (Stadtschürfung) sowohl Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz als auch kulturelle Identität miteinander verbinden könne. Das spare Kosten und CO2-Emissionen.
Wohnen und Arbeiten will sie verbinden - unter anderem über Handwerkerhöfe. Es soll ein grünes, autoarmes Quartier werden - mit gemeinschaftlichem Gärtnern und einem Tidepark am Wasser. Die Idee: Im Bereich der früheren Neuenfelder Maschinenfabrik soll der Fokus auf Gewerbe liegen, bei den großen Hallen hingegen auf Wohnen. 650 Wohneinheiten hält sie für möglich. Die Kaianlagen werden zu Sietas-Platz und zur -Promenade mit Bäumen und Sitztreppen am Wasser.

Blick auf den Sietas-Platz - mit Gastronomie. Foto: Volmari
Gastronomische Angebote, Nahversorger, Kultur-, Gesundheits-, Bildungs- und Co-Working- einrichtungen oder kreative Werkstätten könnten sich am Wasser ansiedeln, östlich des Werfthafens ein Park im Skelett der großen Schiffbauhallen 41/46 als Ort der Begegnung mit Spiel- und Gärtnerangeboten entstehen.
Unter dem Jucho-Kran schwebt ihr ein Bootshafen vor. Den Fähranleger Neuenfelde-Blankenese will sie reaktivieren - für Arbeitnehmer und Ausflügler. Des Weiteren setzt sie auf Car- und Bike-Sharing-Modelle, das Airbus-Werk sei gut über das HVV-Busnetz angeschlossen. Volmari sagt: „Sietas könnte zum Modell-Projekt für den Umgang mit vergleichbaren Industrie- und Hafenarealen werden.“

Sietas-Quartier: Das Nutzungskonzept der Stadtplanerin Finja Volmari für die Sietas-Werft in Neuenfelde, links Gewerbe, rechts vor allem Wohnen. Foto: Volmari
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