T4 Herausforderungen für neuen BSV-Coach - doch er hält sich bedeckt
Der Däne Nicolaj Andersson hat den BSV erst vor wenigen Wochen übernommen. Foto: Felix Schlikis/Lobeca.de (Archiv)
Nicolaj Andersson steht vor seinem Trainer-Debüt beim Buxtehuder SV und muss mehrere Probleme in den Griff bekommen. Er hat Pläne, will aber noch nicht zu viel verraten.
Buxtehude. Die Spielerinnen hatten Weihnachten frei. Seit Samstag bereiten sie sich auf die nächste Bundesliga-Partie vor, die erste unter Leitung von Nicolaj Andersson. Der 37-jährige Däne hat das immer noch sieglose Team - acht Spiele, zwei Unentschieden, fünf Niederlagen - erst vor wenigen Wochen in der WM-Pause übernommen.
Jetzt steht der erste Härtetest an. Der BSV bestreitet am Dienstag (18 Uhr) sein Weihnachtsspiel gegen die HSG Bensheim/Auerbach. Der Tabellenzweite kommt in die bereits mit 1500 Zuschauern ausverkaufte Halle Nord. Zugleich ist die Partie „ein Start in eine neue Zeit“, betonte der BSV im Vorfeld des Spiels, denn nach fast 18 Jahren unter Dirk Leun steht erstmals ein anderer Trainer an der Seitenlinie.
Andersson zeigt sich optimistisch, hält sich aber etwas zurück, wenn man ihn auf seine Pläne anspricht.
Problem 1: Alle Kreisläuferinnen verletzt
Die Personalnot am Kreis ist dramatisch. Mit Jolina Huhnstock, Carina Senel und Larissa Kroepel fallen derzeit alle etatmäßigen Spielerinnen auf dieser Position aus. Andersson scheint eine Lösung für das Problem zu haben, äußert sich dazu jedoch nicht: „Wir haben da etwas vor und haben ein paar Ideen. Alles Weitere wird man am Dienstag sehen.“
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Möglicherweise wird der Kader durch Nachwuchsspielerinnen ergänzt. Im Testspiel gegen den Zweitligisten Füchse Berlin standen bereits die Kreisläuferinnen Jette Lüer und Tessa Pieperjohanns aus der zweiten Mannschaft auf dem Feld. Die beiden A-Jugendlichen haben allerdings noch keine Bundesliga-Erfahrung.
Problem 2: Zu viele Gegentore
Buxtehude hat in acht Bundesligaspielen bereits 254 Gegentore kassiert, knapp 32 pro Spiel. Mit Levke Kretschmann (Wadenbeinbruch) und Jolina Huhnstock (Sehnenanriss am Ellenbogen) fehlen zwei Schlüsselspielerinnen im Abwehrzentrum.
„Wir haben durch den Ausfall nicht die größten Spielerinnen in der Abwehr. Das erfordert von den anderen mehr Bewegung und gegenseitige Unterstützung“, sagt Andersson. „Wir haben hinten ein bisschen umgestellt. Im Training sah das gut aus.“
Ein Hoffnungsschimmer: Die neue Torhüterin Annie Linder aus Schweden steht vor ihrem Debüt und machte bislang einen guten Eindruck. Zusammen mit Oliwia Kaminska bildet sie das Gespann für den Rest der Saison.
Problem 3: Fehlerquote in der Schlussphase
Trotz der Durststrecke hat Buxtehude nicht nur schlechte Spiele gezeigt. Oft blieb das Team lange auf Augenhöhe, verlor jedoch am Ende entscheidend den Faden. „Es geht um die Disziplin in den letzten Minuten. Da müssen wir cleverer spielen“, sagt Nationalspielerin Jolina Huhnstock.
Andersson will die Zahl der Fehler durch einfachere Abläufe im Angriff senken, „damit die Spielerinnen nicht so viel denken müssen“, erklärt er. Die Spielidee sieht er in einem „überfallartigen Angriffsspiel mit klarer Struktur und schnellen Pässen auf dem Weg nach vorne“. Ein sicheres Passspiel war zuletzt Schwerpunkt in jedem Training. Mit 26,5 Toren pro Spiel hat der BSV den schwächsten Angriff der Liga.
Problem 4: Lücken im Rückraum
Mit Levke Kretschmann fehlt aktuell eine zentrale Rückraumspielerin. Andersson hat hier verschiedene Varianten getestet: Beide Spielmacherinnen, Isa Ternede und Anika Hampel, standen gleichzeitig auf dem Feld. Mal spielte die eine auf links, mal die andere. Auch die Halblinke Johanna Andresen rückte hin und wieder auf Rückraum-Mitte.
„Wir wollen neue Lösungen finden und flexibler sein“, sagt Ternede, die bis zu ihrem Wechsel nach Deutschland vor allem auf Halblinks spielte. Es könnte ein Hinweis sein: Vielleicht setzt Andersson, wegen der Personalnot am Kreis, phasenweise auf vier Rückraumspielerinnen.
Die Hoffnung
Andersson kann voraussichtlich auf die Rückkehr von Spielmacherin Isa Ternede zählen, die nach viermonatiger Verletzungspause ihr erstes Saisonspiel bestreiten wird. Sie soll der Mannschaft vor allem mit ihrer Schnelligkeit helfen und sie in der Breite entlasten.
Zudem hofft der Trainer auf den Überraschungseffekt gegen Bensheim: „Das kann ein Vorteil sein“, sagt er. „Unsere Gegner wissen noch nicht, wie wir spielen werden. Vielleicht können wir das ausnutzen.“ Ziel müsse sein, das eigene Spiel sauber zu gestalten und nicht ins Bensheimer Tempospiel zu geraten.
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Der Gegner setzte sich erst am Samstag mit 38:33 gegen Schlusslicht Halle-Neustadt durch. Dreh- und Angelpunkt sind die beiden Vizeweltmeisterinnen im Rückraum, Mareike Thomaier und Nina Engel, die zu den gefährlichsten Spielerinnen der Liga zählen.
Trotz des klaren Unterschieds in der Tabelle betont Andersson, dass der Fokus auf der eigenen Leistung liegt: „Man kann im Vorfeld nie sagen, ob man theoretisch Punkte holen wird. Wir konzentrieren uns darauf, wie wir selbst spielen.“ Er habe ein gutes Gefühl, sagt er, das Team sei positiv und motiviert.
Keine Tickets mehr erhältlich
Das Spiel gegen Bensheim ist ausverkauft und wird live auf sporteurope.tv und Dyn gezeigt.
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