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Flugzeugbau

TRekordzahlen und scharfe Kritik: Triebwerke bremsen Airbus aus

Nach Qualitätsproblemen: Airbus-Chef Guillaume Faury formulierte ehrgeizige Ziele.

Nach Qualitätsproblemen: Airbus-Chef Guillaume Faury formulierte ehrgeizige Ziele. Foto: Marcus Brandt/dpa

Airbus erreicht sein Jahresziel und erwartet 2026 neue Spitzenwerte. Worüber Konzernchef Guillaume Faury trotzdem „sehr unzufrieden“ ist.

Von Wolfgang Stephan Donnerstag, 19.02.2026, 17:11 Uhr

Hamburg/Toulouse. Jahresziel 2025 erreicht, Rekordbestellungen verbucht und die neuen Auslieferungszahlen für 2026 auf einen neuen Höchstwert prognostiziert – eigentlich hätte Airbus-Chef Guillaume Faury am Donnerstag allen Grund zur Freude gehabt. Doch die „Unfähigkeit“, so Faury, vom Triebwerk-Zulieferer Pratt & Whitney bremsen die gute Laune.

Konzernchef kritisiert Zulieferer

Obwohl die Lage des Konzerns angesichts der bilanzierten Zahlen aus der Produktion und dem gesteigerten Gewinn erfreulich ist, blieb die Laune von Guillaume Faury am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz in Toulouse gedimmt.

Mit ungewohnt deutlichen Worten ging der Konzernchef auf Konfrontationskurs mit dem amerikanischen Zulieferer Pratt & Whitney. Auch in diesem Jahr werden die nicht rechtzeitig gelieferten Motoren in der Produktion des Verkaufsschlagers der A320-Baureihe negative Auswirkungen auf die Prognose und das Tempo des Hochlaufs haben, so Faury, der rechtliche Schritte ankündigte.

„Wir sind sehr unzufrieden und damit nicht einverstanden.“ Rund 40 Prozent der A320neo-Triebwerke kommen von Pratt & Whitney.

Airbus zieht Bilanz – Nordwerke ausgelastet

Airbus hat sein im November korrigiertes Jahresziel erreicht. Erst wegen der Triebwerks-Problematik und dann wegen Qualitätsmängeln an Verkleidungen musste Airbus ab November fertige Flugzeuge einer Prüfung unterziehen.

Statt der zuvor angepeilten 820 Maschinen lieferte Airbus nur 793 Maschinen aus. Der größte Teil entfiel mit 607 Fliegern auf die Mittelstreckenjets aus der A320-Familie - etwa jeder zweite Jet der A320-Baureihe wird in Finkenwerder endmontiert. Da noch über 7000 Flugzeuge dieser Baureihe in den Orderbüchern stehen, ist die Produktion besonders in den Nordwerken an der Elbe und Weser rechnerisch über zehn Jahre ausgelastet.

Planungen für A320-Nachfolger laufen

Nach der am Donnerstag prognostizierten Planung will Airbus in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre einen A320-Nachfolger entwickelt und zugelassen haben, der bis zu 25 Prozent effektiver durch weniger Treibstoffverbrauch fliegen soll. Schon jetzt kämpfen die Betriebsräte um mögliche Arbeitsanteile für den neuen Jet, der mit Wasserstoff betrieben und in einem neuen Design mit längeren Flügeln gebaut werden soll.

Faurys Aufblick auf das Jahr 2026

„Die weltweite Nachfrage nach Verkehrsflugzeugen untermauert unseren laufenden Produktionsausbau, den wir trotz erheblicher Engpässe bei Pratt & Whitney-Triebwerken bewältigen“, sagte Faury und kündigte am Donnerstag eine weitere Produktionssteigerung insbesondere der A320-Baureihe an, die aber gedämpfter als bisher angenommen realisiert werden soll.

Faury sprach von einem Zeitraum bis Ende 2027 um die angepeilten 70 bis 75 Flieger im Monat zu produzieren, zurzeit liegt die Produktionsrate leicht über 60, genaue Zahlen veröffentlicht Airbus nicht. Eine stabile Produktionsrate von 75 Maschinen erwartet der Konzernchef erst nach 2027. Ob und ab wann Pratt & Whitney die von Airbus gewünschten Triebwerke verlässlich liefern wird, ließ Faury offen.

Airbus peilt Rekord-Auslieferungsquote an

Dennoch hat der Konzern für das laufende Jahr eine Rekord-Auslieferungsquote angepeilt: Zum Jahresende sollen 870 Flugzeuge aller Baureihen ausgeliefert werden, die bisherige Bestmarke lag vor der Corona-Krise im Jahre 2019 bei 863 Flugzeugen.

Insgesamt hat Airbus im zivilen Flugzeugbau einen Auftragsbestand von 8 754 Passagier- und Frachtflugzeuge, was eine lange Lieferspange für die Airbus-Flieger bedeutet.

Die Finanzen des Flugzeugbauers

Im vergangenen Jahr stieg der Airbus-Umsatz um sechs Prozent auf 73,4 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn erhöhte sich um ein Drittel auf etwas mehr als 7,1 Milliarden Euro, was einen Überschuss von rund 5,2 Milliarden Euro bedeutete, fast ein Viertel mehr als im Vorjahr. Auch die Hubschraubersparte konnte ihren Gewinn steigern, zudem schreibt die Rüstungs- und Raumfahrtsparte wieder schwarze Zahlen.

Nachdem das „Kampflugzeug der Zukunft“, ein geplantes deutsch-französisch-spanische Rüstungsprojekt das eigentlich 2040 eingesetzt werden sollte, kurz vor dem Aus steht, hofft Airbus auf einen Großauftrag der Bundeswehr zum Aufbau eines militärischen Kommunikationssystems mit mindestens 100 Satelliten mit einem Auftragswert von bis zu zehn Milliarden Euro.

Am Erfolg des größten Luft- und Raumfahrtkonzerns der Welt werden auch die Aktionäre profitieren: Die Dividende soll, so Faury, um 20 Cent auf 3,20 Euro je Aktie steigen. Im Jahr 2026 erwartet der Konzern einen Gewinnanstieg auf rund 7,5 Milliarden Euro. Weil Analysten mit mehr als acht Milliarden Euro Gewinn rechneten, reagierten die Börsianer mit Enttäuschung, die Airbus-Aktie sank zeitweise um mehr als sieben Prozent.

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