TAttacken auf Frauen im Kreis Stade: Streit um elektronische Fußfessel
Kerzen und Blumen für die getötete 40-Jährige in Apensen in der Stader Straße. Foto: Vasel
Eine tote Frau in Apensen und eine schwer verletzte in Drochtersen: Häusliche Gewalt ist auch im Kreis Stade brutale Realität. Niedersachsen reagiert - doch das ist der CDU nicht genug.
Landkreis. Gewalt gegen Frauen mit schwer verletzten und toten Opfern ist in Niedersachsen und im Landkreis Stade bittere Realität. Im Dezember 2025 ereigneten sich hier zwei Messerattacken auf Frauen: Eine 40-Jährige in Apensen starb, das Opfer in Drochtersen (36) überlebte schwer verletzt. Die Polizei fasste den Täter nach kurzer Flucht. Der mutmaßliche Täter des Tötungsdelikts in Apensen stellte sich eine Woche später der Polizei in Buxtehude.
Die CDU-Landtagsabgeordnete Birgit Butter aus Buxtehude kritisiert in diesem Zusammenhang die Landesregierung. Sie wirft Niedersachsen vor, potenzielle Täter per Fußfessel nicht entschlossen genug zu stoppen. Da häusliche Gewalt alle sozialen Schichten betrifft, fordert Butter klare Konsequenzen und wirksame Mittel, um Täter zur Verantwortung zu ziehen. „Wer häusliche Gewalt ernsthaft bekämpfen will, muss den Schutz der Opfer an erste Stelle setzen. Frauen und Kinder brauchen konkrete Sicherheit, nicht nur Appelle“, betont Butter.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Birgit Butter aus Buxtehude. Sie ist auch Ortsbürgermeisterin von Hedendorf. Foto: Birgit Butter
Eine sofortige rechtliche Grundlage im Niedersächsischen Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (NPOG) für den Einsatz der elektronischen Fußfessel sei überfällig. In Apensen und Drochtersen hätten Fußfesseln allerdings nicht geholfen, da es kein Kontaktverbot gab.
Buxtehude: Mann zündet sich und seine Frau an
Anders wäre der Fall im November 2024 in Buxtehude gewesen: Der Täter war der getrennt lebende Ehemann des Opfers und hatte ein Kontaktverbot. Der Mann überschüttete sich und seine Frau (40) mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie und sich selbst an. Der Täter (47) überlebte sein Verbrechen nicht, die Frau starb einen Tag später im Krankenhaus.
Niedersachsen reagiert mit einer neuen Kampagne auf die hohe Zahl häuslicher Gewalt. 32.545 Fälle registrierte die Polizei 2024 - rund neun Prozent mehr als im Vorjahr. Es gab 9 vollendete und 14 versuchte Morde sowie 20 vollendete und 40 versuchte Totschlagsdelikte im Bereich häuslicher Gewalt - laut polizeilicher Kriminalstatistik. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor.
Flyer, Postkarten und Plakate stoppen Täter nicht
Die Kampagne reicht Birgit Butter aber nicht. „Präventionskampagnen sind wichtig, doch sie allein stoppen keinen Täter. Flyer, Postkarten und Plakate können sensibilisieren, ersetzen aber keinen wirksamen Schutz“, sagt sie. Butter fordert erneut die schnelle Einführung der elektronischen Fußfessel.
Jeder weitere Aufschub bedeutet zusätzliches Leid für die Betroffenen – das ist nicht länger hinnehmbar.
Birgit Butter, CDU-Landtagsabgeordente
„Statt entschlossen zu handeln, verzögert die Landesregierung seit Monaten notwendige Entscheidungen und verweist auf die Bundesebene“, kritisiert Butter. Niedersachsen hätte längst selbst die rechtlichen Voraussetzungen schaffen können. „Andere Bundesländer sind diesen Schritt bereits gegangen“, so Butter. „Jeder weitere Aufschub bedeutet zusätzliches Leid für die Betroffenen – das ist nicht länger hinnehmbar.“
Bei häuslicher Gewalt nicht wegschauen
Die Kampagne „Kein Raum für häusliche Gewalt“ soll das Thema im Wohnumfeld sichtbar machen, so die Landesregierung. „Wir müssen als Gesellschaft und Nachbarn Verantwortung übernehmen“, sagt Corinna Lange, SPD-Landtagsabgeordnete aus Deinste. Niemand dürfe wegschauen, wenn es Anzeichen für häusliche Gewalt gebe, so Lange. Sie verteidigt den Ansatz der Regierungsfraktionen, die Fußfessel im neuen Polizeigesetz zu verankern und verweist auf das laufende Gesetzgebungsverfahren auf Bundesebene.

Vorsitzende der SPD im Landkreis Stade und Landtagsabgeordnete: Corinna Lange aus Deinste. Foto: Susanna Brunkhorst
„Die CDU hat in der letzten Legislatur auf Bundesebene eine Übernahme der Fußfessel in das Gewaltschutzgesetz aus parteipolitischem Kalkül abgelehnt“, kritisiert Corinna Lange die CDU. Das dauere, bis diese tatsächlich erfolge. Die viel bessere Lösung für dieses Problem sei die Bundesebene, so Lange.
Dort könnten Betroffene selbst, über die Familiengerichte, frühzeitig Schutzanordnungen erwirken - statt erst, wenn die Polizei nach bereits eskalierten Lagen aktiv werden könne, so Lange. Dies sieht auch der neue Gesetzentwurf der CDU/SPD-Bundesregierung für das Gewaltschutzgesetz vor.
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