Gewaltverbrechen

TTäter und Motive: Was wir über die Hintergründe des schrecklichen Falls wissen

Kriminaltechniker sichern Spuren vor der Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße in Stade.

Kriminaltechniker sichern Spuren vor der Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße in Stade. Foto: Vasel

Nach der grausamen Bluttat in der Dankersstraße mit sechs Toten kursieren viele Gerüchte über Täter, Motive und Hintergründe. Hier steht, was zum aktuellen Zeitpunkt als gesichert gelten kann.

Von Anping Richter und Björn Vasel 30.06.2026, 21:10 Uhr

Stade. Der mutmaßliche Todesschütze (45) ist in Untersuchungshaft. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stade hat ein Ermittlungsrichter am Dienstagnachmittag beim Amtsgericht Stade einen Haftbefehl erlassen. „Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord“, sagte Staatsanwältin Julia Pirk. In Bezug auf die beiden tatverdächtigen Frauen hat die Staatsanwaltschaft keinen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. „Sie sind aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen worden.“

Mutmaßlicher Schütze ist in U-Haft

Was ist bislang bekannt?

Bei den Opfern handelt es sich laut Polizeisprecherin Isabel Rehmer „um zwei Frauen und einen Mann aus dem Raum Hannover, die sich als Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Jugendhilfeeinrichtung aufgehalten hatten“.

Spurensicherung am abgesperrten Tatort in der Dankersstraße.

Spurensicherung am abgesperrten Tatort in der Dankersstraße. Foto: Vasel

Außerdem wurden zwei Frauen und ein Mann getötet, die Mitarbeitende der privaten Jugendhilfeeinrichtung in der Dankersstraße waren.

Das Baby kam zunächst allein nach Stade

Der in Deutschland geborene Mann aus Garbsen in der Region Hannover hat die Einrichtung mit einem Termin betreten - und mit einer Schusswaffe, für die er keinen Waffenschein besaß. Es ging darum, das Sorgerecht für die drei Monate alte Tochter des nicht verheirateten Paares zu regeln.

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Das Kind und dessen Mutter waren zum Tatzeitpunkt nicht im Raum. Nach TAGEBLATT - Informationen ist das Baby bereits Mitte Mai im Alter von nur zwei Monaten durch eine Inobhutnahme aus Hannover nach Stade gelangt - zunächst allein, ohne die 34-jährige Mutter.

Die Eltern kämpften um das Sorgerecht

Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung, bei der die Eltern um das Sorgerecht für ihre Tochter kämpften. Nach TAGEBLATT-Informationen gab es eine juristische Auseinandersetzung mit der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Jugendamt in Hannover. Streitpunkt war eine Hirnblutung des Babys, bei der im Raum stand, ob ein Elternteil ein Schütteltrauma verursacht hatte.

Kriminaltechniker bei der Arbeit.

Kriminaltechniker bei der Arbeit. Foto: Vasel

Später wurden Mutter und Kind gemeinsam in der Einrichtung in Stade untergebracht. Die deutschstämmige 65-jährige Patentante des Kindes begleitete den Vater zu dem Termin in Stade. Er war zuvor nicht als gewalttätig aufgefallen, polizeibekannt war er laut Polizeidirektion Lüneburg nur im Zusammenhang mit Bedrohung* geworden.

Mordkommision wird eingerichtet

Dem Hannoveraner droht jetzt eine Anklage wegen Mordes. Derzeit bereitet die Polizei die Einrichtung einer Mordkommission (MoKo) vor. Polizei und Staatsanwaltschaft betonen weiterhin, dass die Tat keinen politischen oder wirtschaftlichen Hintergrund hat, sondern ganz klar einen familiären. Es gebe bei dem Delikt keinerlei Stader Vorgeschichte.

Die 65-Jährige Patentante des Kindes steuerte das Fluchtfahrzeug und wurde nach der Tat zu Ermittlungszwecken in polizeilichen Gewahrsam genommen. Die 34-jährige Mutter sei nicht festgenommen worden, befinde sich aber laut Polizeisprecher Matthias Bekermann „in einer polizeilichen Maßnahme“. Das Baby ist laut Polizeidirektion Lüneburg in Obhut des Jugendamtes.

Mutmaßlicher Schütze soll Polizisten bedroht haben

Während der Flucht in einem Mercedes AMG soll der Kindesvater die ihn verfolgenden Beamten mit seiner Waffe bedroht haben, heißt es aus Polizeikreisen. Das Auto fuhr mit einem Rad auf der Felge weiter, weil die Polizei in die Reifen geschossen hatte. Zum Schutz der Bevölkerung sei das Fahrzeug letztlich erst an der B73 bei Haddorf zum Stehen gebracht worden.

Trauer: Anwohner haben Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt.

Trauer: Anwohner haben Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt. Foto: Vasel

Jörg Wesemann, Vize-Polizeipräsident der Polizeidirektion Lüneburg, lobt die Stader Polizei dafür, wie „schnell, besonnen und umsichtig“ sie handelte. Die Polizei hatte die Dankersstraße vor der Jugendhilfeeinrichtung weiterhin den ganzen Dienstag über für die Spurensicherung gesperrt. Stader legten als Zeichen ihrer Trauer und Anteilnahme Blumen und Kerzen nieder.

Innenministerin dankt Einsatzkräften

Auch Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens dankte den Einsatzkräften bei ihrem Besuch im Kreishaus in Stade vor vielen Vertretern nationaler und internationaler Medien: „Meine Gedanken sind bei den Opfern, bei ihren Familien und Freunden und bei all denen, die diese brutale Tat miterleben mussten. Ich wünsche allen, die den heutigen Einsatz bewältigen mussten, ganz viel Kraft dabei, das Erlebte zu verarbeiten und zu bewältigen. Diese schreckliche Tat wird Stade lange beschäftigen und sie wird Spuren hinterlassen.

Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens gab am Montagabend in Stade eine Pressekonferenz.

Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens gab am Montagabend in Stade eine Pressekonferenz. Foto: Vasel

Nicht nur bei denen, die direkt betroffen sind oder einen geliebten Menschen verloren haben. Deshalb möchte ich mich bei allen bedanken, die heute und in den nächsten Tagen dafür arbeiten, dass das Leben irgendwie weitergehen kann, der unglaublichen Trauer und der Wut zum Trotz.“

TV-Team in der Dankersstraße in Stade.

TV-Team in der Dankersstraße in Stade. Foto: Vasel

Landkreis und Hansestadt Stade kümmern sich um die Versorgung und Betreuung der Betroffenen, die noch am Abend in eine Ersatzunterkunft gebracht wurden. Der Standort wird zum Schutz der Kinder und Mütter geheim gehalten.

Weitere Zeugen können sich über das Hinweisportal (http://nds.hinweisportal.de/toetungsdelikt-stade) bei der Polizei melden.

Trauerkarten liegen an einer Hecke in der Stader Dankersstraße.

Trauerkarten liegen an einer Hecke in der Stader Dankersstraße. Foto: Vasel

*Anmerkung der Redaktion : In einer früheren Version des Artikels hatt hier „Drogen“ statt Bedrohungen gestanden. Bei der Pressekonferenz hatte es durch einen Versprecher ein Missverständnis gegeben.

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