Stade

TBrennpunkt Altländer Viertel: Ein Sicherheitsgipfel und viele offene Fragen

Immer wieder rückt die Polizei im Altländer Viertel in Stade an.

Immer wieder rückt die Polizei im Altländer Viertel in Stade an. Foto: Vasel

Die Polizei wird ihre Präsenz in Stade verstärken. Das ist ein Ergebnis des Sicherheitsgipfels, den Landrat Kai Seefried initiiert hat. Doch es gibt viele Fragezeichen.

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Von Björn Vasel
09.07.2026, 15:00 Uhr

Stade. „Ich bin nicht bereit, solche Bilder immer wieder zu ertragen“, sagte Landrat Kai Seefried (CDU) nach einem weiteren Großeinsatz von Polizei und Rettungsdienst vom vergangenen Sonntag dem TAGEBLATT.

Es könne nicht sein, dass die Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr vor Ort im Altländer Viertel und die Mitarbeiter des Elbe Klinikums Stade „immer wieder gefährdet werden“. Der Landrat verwies auf die „Massenschlägerei“ während des WM-Spiels Deutschland gegen Ecuador am 25. Juni und die „Bedrohungslage nach häuslicher Gewalt“ vom 5. Juli.

MANV-Einsatz im Altländer Viertel in Stade. Sicherheitshalber stehen die RTWs am Staatsarchiv.

MANV-Einsatz im Altländer Viertel in Stade. Sicherheitshalber stehen die RTWs am Staatsarchiv. Foto: Vasel

Während des WM-Spiels waren 40 bis 50 Personen auf dem Vorplatz des Jugendhauses an der Hohenfriedberger Straße „mit Ästen, Besenstielen sowie Fäusten“ aufeinander losgegangen. Aus Sicherheitsgründen wurden die vier Verletzten auf dem Parkplatz am Staatsarchiv Stade versorgt, weil sich zwischenzeitlich 150 Personen versammelt hatten. Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Raubes und Landfriedensbruchs laufen.

Landrat unterbricht Urlaub für Sicherheitsgipfel

Nach der häuslichen Gewalt mussten die Rettungskräfte mit der Versorgung und dem Abtransport warten, bis Polizei aus den Nachbarkreisen zur Verstärkung eintraf. Mehr als 100 Menschen hatten sich vor dem Haus in der Grünendeicher Straße versammelt. Seefried mahnte ein „engagiertes gemeinsames Vorgehen der Behörden“ an.

Blick auf das von Polizeikräften gesicherte Elbe Klinkum in Stade, links der Verletzte aus dem Altländer Viertel.

Blick auf das von Polizeikräften gesicherte Elbe Klinkum in Stade, links der Verletzte aus dem Altländer Viertel. Foto: Vasel

Der Landrat unterbrach seinen Urlaub für den von ihm initiierten Sicherheitsgipfel am späten Dienstagnachmittag im Stader Rathaus. An diesem nahm der Leitende Polizeidirektor Jan Kurzer für die Polizeiinspektion Stade teil. Die Hansestadt Stade war durch den Ersten Stadtrat Lars Kolk und Stadtrat Carsten Brokelmann vertreten.

Polizei soll Sicherheitsgefühl in Stade stärken

Die Polizei werde ihre Präsenz in der Stader Innenstadt „temporär verstärken“. Das ist ein erstes Ergebnis des offenen Austausches zwischen den Vertreterinnen und Vertretern von Polizeiinspektion, Hansestadt und Landkreis Stade. Als erster Baustein werde deshalb „noch in dieser Woche“ die Bereitschaftspolizei eingesetzt - insbesondere in der Innenstadt und im Altländer Viertel. Die Kräfte werden „anlassbezogene“ Kontrollen durchführen.

„Viele Bürgerinnen und Bürger sind verunsichert. Mit der verstärkten Präsenz wollen wir dem Rechnung tragen und das Sicherheitsgefühl verbessern“, betonte Kurzer gegenüber dem TAGEBLATT. Die Vertreter von Polizei, Stadt und Landkreis verwiesen nicht nur auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Altländer Viertel, sondern auch auf den Sechsfachmord in einer Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße.

Stadt Stade hat noch kein Konzept

Im weiteren Fokus des behördenübergreifenden Austausches standen unter anderem Themen wie die Vermüllung des öffentlichen Raumes, die Videoüberwachung auf Privateigentum, Eigentümerpflichten und Unterbringungsverhältnisse im Altländer Viertel, so Kreissprecher Daniel Beneke im Namen aller Beteiligten. Diesbezüglich sollen „mittelfristig nachhaltige Konzepte erstellt werden“.

2.900 Menschen wohnen im Altländer Viertel, der Ausländeranteil beträgt mehr als 50 Prozent. In Sachen Vermüllung wolle die Hansestadt mit Vermietern über Videoüberwachung auf Privatgelände sprechen. Wie die sozialen Konflikte und die prekären Wohnsituationen unter anderem durch die Bau- und die Sozialbehörden der Stadt oder Jobcenter/Arbeitsagentur gelöst werden könnten oder sollen, blieb offen.

Überbelegte Wohnungen und unseriöse Vermieter im Altländer Viertel

Der Sprecher der Stadt, Stephan Voigt, kündigte auf Nachfrage „rechtliche Prüfungen“ an. Wohnungen sind überbelegt und sanierungsbedürftig, unseriöse Vermieter und Kriminelle nutzten die Notlage aus. Ein Beispiel: In einem der Wohnblöcke im Quartier sind unzählige Bulgaren untergebracht. Viele sind sogenannte „Aufstocker“.

Das bedeutet: Sie gehen einer Beschäftigung nach, verdienen allerdings so wenig, dass sie zur Sicherung des Lebensunterhalts ergänzende Grundsicherung beziehen. Offen ist auch, ob die Stadt ihre Sozialarbeit ausweiten will. Voigt verwies auf Quartiersmanager Christoph Grüneberg und die beiden Mitarbeiter im Jugendhaus.

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Ein Großaufgebot der Polizei sorgt für Ruhe im Altländer Viertel in Stade.

Ein Großaufgebot der Polizei sorgt für Ruhe im Altländer Viertel in Stade. Foto: Vasel

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