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Meeressäuger

Buckelwal an der Ostseeküste: Wal wirkte am Abend agiler als zuvor

Der Buckelwal braucht Ruhe. Er lebt noch, aber er hat sich nicht wegbewegt.

Der Buckelwal braucht Ruhe. Er lebt noch, aber er hat sich nicht wegbewegt. Foto: Bodo Marks/dpa

Das Schicksal des in der Ostsee verirrten Buckelwals beschäftigt viele Menschen. Das Tier hängt weiterhin in Wismarbucht fest. Experten haben den Wal im Blick. Aber es sieht nicht gut aus.

Von dpa Montag, 30.03.2026, 19:20 Uhr

Wismar/Schwerin. Der Zustand des vor der Ostseeküste liegenden Buckelwals soll sich laut dem Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern gebessert haben. Das Tier habe auf die Annäherung eines Bootes reagiert, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur am Abend. Auch habe das Tier agiler als zuvor gewirkt.

Der Wal liegt seit mindestens Samstag in der Bucht vor Wismar in flachem Wasser, und wird von Schaulustigen abgeschirmt. Der Zustand des Tieres sei besser als am Morgen und am Sonntag, heißt es zudem in einer Mitteilung des Ministeriums. „Die Ruhe, die wir dem Tier haben angedeihen lassen, hat offensichtlich gewirkt.“

Boot näherte sich dem Wal am Nachmittag

Vertreter des Deutschen Meeresmuseums, der Umwelt­schutzorganisationen Greenpeace und Sea Shepherd sowie der Umweltminister des Landes, Till Backhaus (SPD), hatten sich am Nachmittag dem Wal von einem Boot aus genähert und das Tier begutachtet.

Am Abend wollten Helfer versuchen, das Tier zum Aufbruch zu bewegen. „Da wir in den nächsten Stunden mit weiter steigendem Wasserstand rechnen können, verbessert sich die Möglichkeit für den Wal, aus eigenem Antrieb seine Liegeposition zu verlassen“, heißt es weiter in der Mitteilung, die unter anderem das Ministerium veröffentlicht hat.

Wal fehlt vielleicht die Kraft

Baschek sagte, falls das Tier frei genug im Wasser schwimme und sich grundsätzlich mit geringem Aufwand bewegen könnte, aber dennoch nicht wegschwimme, dann fehle ihm offenbar die Kraft dazu. Dann werde man auch über den Zeitpunkt nachdenken müssen, „dem Tier wirklich Ruhe zu geben, damit es dann auch sterben kann“. So weit sei man aber bisher nicht. „Das möchte ich gern heute Abend dann nochmal diskutieren“, sagte der Experte.

Der Buckelwal soll heute noch einmal zum Wegschwimmen angeregt werden. Der Wasserstand soll im Laufe des Nachmittags wieder um etwa 30 Zentimeter ansteigen, teilte das Deutsche Meeresmuseum mit. Dann wolle das Expertenteam vor Ort versuchen, den Wal nochmals zu animieren.

„Dies erfolgt durch Klatschen mit dem Paddel auf das Wasser, da der Wal keinesfalls berührt werden sollte“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums. „Der Wal ist sehr geschwächt. Die Atemfrequenz hat sich verlangsamt und die Haut weist Sekundärinfektionen auf.“

Greenpeace und Meeresbiologen rücken mit Boot zum Wal aus

Beamte der Wasserschutzpolizei sind am Montagmorgen gegen 7 Uhr gemeinsam mit Meeresbiologen von Greenpeace mit einem Schlauchboot zu dem Wal gefahren, wie ein Sprecher des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern der dpa sagte. „Um zu sehen, wie sich der Zustand des Wals darstellt.“

Ergebnis: Dem Buckelwal geht es nach wie vor nicht gut. Einer Meeresschutz-Expertin der Organisation Greenpeace zufolge wirkt das Tier weiterhin allgemein geschwächt. „Er liegt nach wie vor unverändert hier in der Bucht, und er atmet auch weiterhin“, sagte Franziska Saalmann im ZDF-„Morgenmagazin“.

Als sich das Team dem Tier genähert habe, habe der Wal nicht viel Reaktion gezeigt. „Der Wasserstand ist auch noch etwas gesunken, was es für ihn jetzt erschwert, sich zu befreien.“

Meeresforscher geben Hoffnung nicht auf

Zudem sei nicht klar, ob er dann überhaupt den Weg zurück in die Nordsee finden werde. „Wir wissen nicht genau, was für Krankheiten er eventuell hat. Und ob und inwiefern seine Orientierung und sein Allgemeinzustand so sehr geschwächt sind, dass er jetzt auch durch menschliche Einflüsse und die verbliebenen Netzreste, die er noch im Maul hat, so geschwächt ist, dass er einfach nicht richtig klarkommt und sich nochmal verirrt.“

Das Experten-Team will die Hoffnung auf ein Überleben und Freischwimmen nicht aufgeben, wie Saalmann weiter sagte. „Die Überlebenschancen werden leider nicht besser, (...) wenn er in der Ostsee weiter bleibt, allein wegen des Salzgehalts und weil es einfach nicht seine natürliche Heimat ist.“

Der Wal müsse eigentlich dringend die Ostsee verlassen. „Wir hoffen, dass er die Kraft zusammenkriegt, und wir beratschlagen auch darüber, welche Maßnahmen wir anschließen können, um ihn bestmöglich zu unterstützen.“

Buckelwal wurde in der Nacht beobachtet

Das Tier sei in der Nacht durchgängig beobachtet worden und habe auch geatmet. In der Nacht war die Polizei für die Bewachung zuständig.

Am Sonntag hatte das Deutsche Meeresmuseum davon gesprochen, dass der Wal sehr geschwächt und die Atemfrequenz reduziert sei.

Wal seit Anfang März an Ostseeküste unterwegs

Seit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach in einem Netz verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.

Am vergangenen Montagmorgen war der Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand bei Lübeck entdeckt worden. Eine umfangreiche Rettungsaktion startete, und in der Nacht zu Freitag befreite sich der Buckelwal dann selbst durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne. Am Samstag war der Wal dann allerdings wieder gestrandet - und zwar in der Wismarbucht.

Seitdem hält das Drama um den Buckelwal an. In der Nacht zu Sonntag konnte sich der Meeressäuger bei steigendem Wasserstand zunächst selbst von einer Sandbank vor der kleinen Insel Walfisch in der Wismarbucht freischwimmen. Doch wenig später lag er erneut fest - ganz in der Nähe, an einer etwa zwei Meter tiefen Stelle. Augenscheinlich regungslos lag er am Sonntag dort, nur ab und zu stieß er eine Wasserfontäne in die Luft.

Viele Schaulustige am Wochenende – Sperrgebiet im Wasser

Die Behörden haben nach seinen Worten ein Sperrgebiet im Umkreis von 500 Metern rund um den Wal gezogen, in das kein Schiff oder Boot hineinfahren darf. Zahlreiche Schaulustige standen am Wochenende auf der Seebrücke, um einen Blick auf das Tier erhaschen zu können.

Der Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, Burkard Baschek, sagte, der Wal liege in einer Wassertiefe, die etwa der in der Nacht zu Sonntag entspreche, als sich das Tier selbst befreit habe. Er beschrieb die jüngste Situation deshalb nicht als Strandung, sondern als „Leibaufsetzen“ des Wals.

Der Ernährungszustand des Wals ist gut, wie Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover am Wochenende sagte. Buckelwale könnten wochenlang ohne Nahrung auskommen.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde um 14.22 Uhr aktualisiert.

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