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TBürgermeister: Wer bringt Führung und frischen Wind ins Stader Rathaus?

Kai Koeser (SPD, links) und Arne Kramer (CDU) kandidieren beide für das Amt des Stader Bürgermeisters.

Kai Koeser (SPD, links) und Arne Kramer (CDU) kandidieren beide für das Amt des Stader Bürgermeisters. Foto: Brunkhorst/Privat

Im Herbst 2026 wird in Stade ein neuer Bürgermeister gewählt. Bisher stehen drei Kandidaten als Nachfolger von Sönke Hartlef parat. Eine Führungsfigur wird dringend benötigt im Rathaus.

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Von Lars Strüning
Donnerstag, 01.01.2026, 02:16 Uhr

Stade. Groß war die Freude bei Sönke Hartlef und der CDU, als der bis dahin nur ehrenamtlich agierende Bürgermeister in der Stichwahl im Juni 2019 die hauptamtlich amtierende Bürgermeisterin Silvia Nieber (SPD) im Wahlkampf schlug. 55,35 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmten für ihn. Doch seine Amtszeit ab September 2019 stand unter keinem guten Stern.

Erst kam die Corona-Krise, dann der Krebs

Erst musste er sich im Krisenmanagement während der Corona-Zeit üben, dann brach seine schwere Krebserkrankung aus. Die hinderte ihn immer mehr daran, seine Aufgaben als oberster Repräsentant der Stadt und Chef im Rathaus auszuüben. Seit Monaten ist das Amt vakant.

Es gab Stimmen im Rathaus und in der Politik, die es sich gewünscht hätten, dass Hartlef vorzeitig sein Amt niederlegt. Die Diskussion wurde - wie in Stade häufig üblich - hinter vorgehaltener Hand geführt. Doch das war für Hartlef kein Thema.

Die Verwaltung funktioniert, auch dank Hartlefs beiden Kollegen im Verwaltungsvorstand. Erster Stadtrat Lars Kolk und Stadtrat Carsten Brokelmann halten den Laden am Laufen, machen, so die allgemeine Meinung, einen guten Job. Im repräsentativen Bereich helfen die ehrenamtlich tätigen Bürgermeister aus: die Ratsmitglieder Melanie Reinecke, Daniela Oswald und Christoph von Schassen.

So sieht er sich gern: Stades Bürgermeister Sönke Hartlef (rechts) als Botschafter in der schwedischen Partnerstadt Karlshamn.

So sieht er sich gern: Stades Bürgermeister Sönke Hartlef (rechts) als Botschafter in der schwedischen Partnerstadt Karlshamn. Foto: Stadt Stade

Sönke Hartlef fehlt trotzdem. Der Bürgermeister gibt die Leitlinien vor im Rathaus, äußert sich politisch zu wichtigen Themen, entscheidet im Streit- oder Zweifelsfall. Und er zeigt Gesicht bei wichtigen Veranstaltungen. Vielen fehlt Hartlef auch wegen seiner sympathischen, den Menschen zugewandten Art. Das alles kommt derzeit zu kurz.

Drei Bewerber machen sich Hoffnung auf das hohe Amt

Es wird nicht damit gerechnet, dass Sönke Hartlef aus seiner Krankheit zurückkehrt, bevor seine Amtszeit im Herbst abläuft. Das ist in erster Linie menschlich tragisch - damit diese Sicht auf die Dinge nicht zu kurz kommt. Aber es geht immerhin um das wichtige Amt des Verwaltungschefs. Derweil machen sich drei Bewerber Hoffnung auf die Nachfolge.

Die saßen tatsächlich gemeinsam während der letzten Ratssitzung 2025 im Königsmarcksaal des historischen Rathauses zusammen. Jörg Baumann, bislang ein politisch Unbekannter, will für den Verein „Gemeinsam etwas ändern“ ins Rennen gehen. Er saß in der ersten Zuschauerreihe. In der ersten Reihe saßen auch die anderen beiden, eher politischen Schwergewichte.

Zum einen Kai Koeser für die SPD, er ist Ortsvereinsvorsitzender und Mitglied im Fraktionsvorstand. Zum anderen Arne Kramer, Ortsvereinsvorsitzender der CDU in Stade. Beide führten das Wort für ihre Fraktionen, während Baumann nur zuhören konnte.

Zwischen Law and Order und sozialen Ansätzen

Spannend ist das Duell vor allem beim wahlkampfträchtigen Thema Ordnungsdienst. Seit Jahren wird vehement diskutiert, auch um die Deutungshoheit. Kramer, im Anzug und mit streng nach hinten gegelten Haaren, setzte für den konservativen Block im Rat auf Law and Order. Koeser konzentrierte sich auf soziale Aspekte, wirkte dabei etwas pastoral. In der Tat ist er auch kirchlich sehr engagiert.

Am Ende bekamen beide ihre Anträge durch, fanden die etablierten Parteien zueinander - auch um ein Zeichen Richtung AfD oder „Gemeinsam etwas ändern“ zu setzen. Der Tenor: Wir kümmern uns. Die AfD wird wohl zur Kommunalwahl im September eigene Kandidaten aufstellen, womöglich auch einen Bürgermeisterbewerber.

Interessant waren die Zwischentöne. Kramer wehrte sich vehement gegen Vorwürfe der Grünen, der Ordnungsdienst hätte anfangs paramilitärische Züge gezeigt. „Das finde ich frech und das verbitte ich mir.“ Während Kramer also auch spontan reagierte, hielt sich Koeser strikt an das vorbereitete Redekonzept.

SPD-Chef Kai Holm mit denkwürdigen Worten

Interessant waren auch die Wortbeiträge des langjährigen Fraktionsvorsitzenden der SPD, Kai Holm, der sich im Herbst politisch zur Ruhe setzt. Jörg Baumann kritisierte er deutlich. Der hatte im TAGEBLATT-Gespräch gesagt, die Stadt solle sich nicht um die großen Industriebetriebe kümmern, „die ohnehin keine Steuern zahlen“.

Jörg Baumann will Bürgermeister von Stade werden. Mit seinen vier Mitstreiterinnen gründete er den Verein Gemeinsam etwas ändern (von links): Christine Burbulla, Meike Ossenbrügge, Nicole Schultz und Helena Gerken.

Jörg Baumann will Bürgermeister von Stade werden. Mit seinen vier Mitstreiterinnen gründete er den Verein Gemeinsam etwas ändern (von links): Christine Burbulla, Meike Ossenbrügge, Nicole Schultz und Helena Gerken. Foto: Strüning

Holm verwies genüsslich, aber scharf auf die Steuernachzahlung in Höhe von 25 Millionen Euro eines einzelnen Industriebetriebes. Holm: „Wir sollten den Standort Stade nicht schlechtreden. Wenn wir die Industrie nicht hätten, würden wir richtig alt aussehen.“

Holm wagte es sogar, sich in der Diskussion um den Ordnungsdienst auf die CDU-Seite zu schlagen. Er schloss sich etwas überraschend den Worten von Arne Kramer an. Hintergrund: Kai Holm und Kai Koeser sind nicht gerade die besten Freunde in der SPD, um es vorsichtig auszudrücken.

Richtig interessant wird es 2026, wenn sich die Bürgermeisterkandidaten und ihre Parteien programmatisch aufstellen. Es dürften spannende Zeiten werden in Stade.

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