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TBuxtehuder Bulle: Diese fünf Bücher gehen ins Rennen

Melanie Hainke präsentiert die fünf für den Buxtehuder Bullen nominierten Jugendbücher.

Melanie Hainke präsentiert die fünf für den Buxtehuder Bullen nominierten Jugendbücher. Foto: Weselmann

Die Favoriten stehen fest: Fünf Jugendromane buhlen um den 55. Buxtehuder Bullen. Was zeichnet diese Bücher aus?

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Von Fenna Weselmann
Samstag, 25.04.2026, 13:30 Uhr

Buxtehude. Die Shortlist des Jugendliteraturpreises Buxtehuder Bulle ist veröffentlicht. Aus rund 80 Titeln hat die Jury ihre fünf Favoriten für die renommierte Auszeichnung gewählt. Ein oft gewähltes Genre ist nur im Anflug vertreten.

Die Bücher öffnen Türen zu verschiedenen Lebenswelten

Ob im digitalen Rampenlicht, in den Schatten der Geschichte, hinter den Mauern einer elitären Schule, im Kampf gegen Ausbeutung oder auf der Suche nach Hoffnung in schwierigen Zeiten - alle fünf Romane öffnen Türen zu ganz unterschiedlichen Lebenswelten. Der typische Fantasyroman fehlt diesmal.

„Es sind alles gesellschaftskritische Jugendbücher, die uns bewegen und Denkanstöße geben. Toll, wenn Geschichten das schaffen. Mit der Shortlist laden wir dazu ein, mit den Protagonisten mitzufühlen und vielleicht dabei auch die eigene Perspektive zu reflektieren“, so Melanie Hainke, Verantwortliche des Bullen-Projektteams.

1. Kritischer Roman ist gleich mehrfach nominiert

„Please unfollow“ ist nicht nur Bullen-Anwärter, sondern gleichzeitig für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert. Autorin Basma Hallak wurde in Berlin als Tochter palästinensischer Eltern geboren. Mit ihrem Blick auf das Leben einer von Eltern digital transparent gemachten Kindheit trifft sie den Nerv der Zeit. Jeder, der in den sozialen Medien unterwegs ist, kann mit der Protagonistin mitfühlen.

Darum geht’s: Die siebzehnjährige Sherry landet in einem Camp für straffällige Jugendliche - nach einer Tat, die ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat. Sie genießt den Ort fern der digitalen Welt, denn die Eltern haben jede Einzelheit aus ihrem Leben mit einem Millionenpublikum auf YouTube geteilt. Endlich hat sie das Gefühl, sie selbst sein zu können - bis ihre neue Clique von ihrem Geheimnis erfährt.

2. Ein Thriller entführt in die Welt der Medizin

Außerdem zählt „The Academy of Lies - Anatomie einer Verschwörung“ zu den Favoriten. Die am Kaiserstuhl lebende Autorin Nina Scheweling kam über ihre Arbeit als Kinderbuchlektorin und Übersetzerin zum Schreiben, der im Loewe Verlag erschienene Pageturner ist der Auftakt einer atmosphärischen Jugendbuchreihe. Ihren Thriller rund um die Welt der Medizin und Fragen der Ethik verbindet sie mit Fantasyelementen.

Darum geht’s: Quinn wird sterben. Ihr Spenderherz hält nicht mehr lange durch. Um den Tod besser zu verstehen, studiert sie Medizin an einer Eliteuniversität. Doch da wird der Rektor getötet, kurz darauf stirbt eine Studentin - und niemand anderes als ihr Bruder gerät unter Verdacht. Quinn muss herausfinden, was wirklich passiert ist, und kommt einem Geheimnis auf die Spur.

3. Theatermacher überzeugt mit seinem Romandebüt

Mit Karibu ist auch ein kleiner Verlag dabei, der noch nie auf der Bullen-Shortlist stand. Dieser schickt das Romandebüt des Intendanten des Jungen Theaters Bonn ins Rennen. „Das letzte Aufgebot“ von Moritz Seibert basiert auf einem Theaterstück. Wegen des großen Bühnenerfolgs hat der in West-Berlin geborene Theater- und Filmemacher die Geschichte über Jugendliche in der NS-Zeit jetzt als Jugendbuch herausgebracht. In das Romandebüt des Bonner Intendanten sind viele Erinnerungen seines Vaters eingeflossen, der 1945 Ähnliches erlebt hat.

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Darum geht’s: Der 15-jährige Jakob und seine Freunde aus der Hitler-Jugend werden in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs eingezogen und sollen für das Dritte Reich kämpfen. Die Jungen glauben, an der Front bald Helden zu werden. Sie ahnen noch nicht, welches Grauen sie erwartet und welche Verbrechen ihr Heimatland in ganz Europa begangen hat. Als das Lügengebilde bröckelt, muss Jakob sich entscheiden.

4. Ein norwegischer Titel begeistert die Jury

Dazu haben zwei ausländische Titel Chance auf den Buxtehuder Bullen. Einen liefert der Carlsen Verlag. Dieser hat schon viele Bullen-Preise geholt, wie etwa im letzten Jahr mit „Der Tunnelbauer“ von Maja Nielsen.

Diesmal hat es „Auch am Tag leuchten die Sterne“ unter die Nominierten geschafft. Das Werk der in Syltedalen geborenen Hilde Myklebust ist bereits mit dem White Raven Jugendbuchpreis ausgezeichnet und dreht sich um Neuanfang, Freundschaft und den Tod eines geliebten Menschen. Es fällt nicht zuletzt durch die poetische Sprache auf, mit der die für ihre Lyrik und Bilderbücher bekannte Norwegerin erzählt.

Darum geht’s: Mia fängt nach dem Sommer auf dem Musikgymnasium an, in einer neuen Stadt, zusammen mit ihrer besten Freundin Else. Trotzdem mischt sich ein wenig Wehmut in ihre Begeisterung, denn ihre Freunde Jens, Halvor und Are werden nicht dabei sein. Doch erst einmal stürzt sie sich kopfüber in ihr neues Leben, bei dem sie auch Adil näherkommt. Aber dann erhält Are, der mehr ist als nur ein Freund, eine Diagnose, die sein - und Mias - Leben für immer verändert.

5. US-Autorin erzählt von Kinderarbeit in Afrika

Eine ebenso bewegende wie eindringliche Geschichte kommt von Tara Sullivan, einer in Indien als Tochter internationaler Entwicklungshelfer geborenen US-Autorin. Der im Peter Hammer Verlag erschienene Roman „The Bitter Side of Sweet“ thematisiert Kinderarbeit auf einer Kakaoplantage an der Elfenbeinküste. Er lässt einen auch das eigene Handeln überdenken.

Darum geht’s: In Amadous Leben zählen nur die Kakaoschoten, die er jeden Tag abhackt. Je mehr es sind, desto größer ist die Chance, den Schlägen der Bosse zu entgehen und sich und seinen kleinen Bruder am Leben zu halten. Seydou fehlt es noch an Kraft und Geschick, also schuftet Amadou für zwei. Dann kommt Khadija ins Lager. Wild und widerständig, weckt das Mädchen Amadous alten Kampfgeist, und die drei planen ihre Flucht.

Die Bullen-Begeisterung reicht bis nach Bayern

Elf Jugendliche und elf Erwachsene bilden die Bullen-Jury. Jedes Jahr bewerben sich Lesefreunde aus ganz Deutschland für das bewusst mit Laien besetzte Gremium. Für die 55. Ausgabe wird wieder von Schleswig-Holstein bis Bayern gelesen. Früher waren männliche Jurymitglieder dabei oft rar gesät. Das ist heute anders.

Der Buxtehuder Bulle wurde 1971 von Buchhändler Winfried Ziemann initiiert. Ziel ist es, junge Menschen für das Lesen zu begeistern und die Verbreitung lesenswerter Jugendbücher zu fördern. Unterstützt wird der städtische Preis vom Förderkreis der Stadtbibliothek und der Else und Heinrich Klindworth-Stiftung. Die Umsetzung wird zudem gefördert von der Jugendstiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude.

Im Stieglitzhaus fällt die Entscheidung

Von Mai bis Juli gibt es für alle Gelegenheit, selbst in die gewählten Geschichten einzutauchen. Dafür sind öffentliche Leseplätze in der Stadt eingerichtet. Der Gewinner des mit 5000 Euro und einer Bullen-Stahlplastik dotierten Preises wird am Dienstag, 23. Juni, um 19 Uhr im Stieglitzhaus verkündet.

Wie im letzten Jahr wird der Preis-Entscheid wieder im Stieglitzweg über die Bühne gehen.

Wie im letzten Jahr wird der Preis-Entscheid wieder im Stieglitzweg über die Bühne gehen. Foto: Weselmann

„Die Vorfreude bei den Nominierten ist sehr groß“, sagt Melanie Hainke. Wahrscheinlich werden wieder Verlagsvertreter und Autoren vor Ort mitfiebern. Der Eintritt zum Preisentscheid ist frei, Platzkarten gibt es ab Mai im Historischen Rathaus oder unter buxtehuder-bulle.de. Dort finden sich auch weitere Infos zum Jugendliteraturpreis.

Die Bullen-Kulturtage mit feierlicher Preisverleihung sind für November geplant. Inzwischen wird ein zusätzlicher Preis für den Übersetzer des Siegertitels vergeben. Dank Unterstützung der Buxtehuder Lions-Damen ist dieser mit 1000 Euro dotiert. Falls der diesjährige Bulle ins Ausland geht, stehen im Herbst gleich zwei Ehrungen an.

Fünf Jugendbuch-Titel gehen ins rennen um den 55. Buxtehuder Bullen.

Fünf Jugendbuch-Titel gehen ins rennen um den 55. Buxtehuder Bullen. Foto: Weselmann

Die fünf Nominierten in der Übersicht

  • Please Unfollow, von Basma Hallak, Arctis Verlag, 432 Seiten, 19 Euro
  • Auch am Tag leuchten die Sterne, von Hilde Myklebust, Übersetzung: Meike Blatzheim, Carlsen Verlag, 256 Seiten, 16 Euro
  • Academy of Lies (Band 1) - Anatomie einer Verschwörung, von Nina Scheweling, Loewe Verlag, 400 Seiten, 16,95 Euro
  • Das letzte Aufgebot, von Moritz Seibert, Karibu Verlag, 320 Seiten, 16,99 Euro
  • The Bitter Side of Sweet, von Tara Sullivan, Übersetzung: Sandra Knuffinke und Jessica Komina, Peter Hammer Verlag, 320 Seiten, 14 Euro

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