TDänischer Handball in Buxtehude: So hat Andersson den BSV verändert
Der BSV agierte gegen Bensheim mit einer offensiven Abwehr. Foto: Jan Iso Jürgens
Der Buxtehuder SV bleibt weiterhin sieglos, zeigt unter Trainer Nicolaj Andersson aber ein neues Gesicht, das Mut macht. Was bereits erkennbar ist.
Buxtehude. Viel Zeit zum Durchatmen hatte Nicolaj Andersson nicht. Silvester verbrachte der neue BSV-Trainer zwar mit seiner Familie bei Freunden in seiner dänischen Heimat, doch ganz ohne Handball ging es nicht. Er analysierte sein erstes Spiel in Buxtehude und bereitete das nächste vor.
Denn nur vier Tage nach dem Weihnachtsspiel gegen Bensheim (28:31) wartet mit Halle-Neustadt eine wichtige Partie. „Wir müssen jetzt ein paar Korrekturen machen und unsere Leistung wiederholen“, sagt Andersson.
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Der 37-jährige Däne ist seit etwas mehr als drei Wochen im Amt. Er hat eine Mannschaft übernommen, die seit Saisonbeginn sieglos ist, auf dem vorletzten Platz steht und von Verletzungen gebeutelt ist.
BSV agiert mit Mut und Spielfreude
Umso bemerkenswerter war der Auftritt gegen den Tabellenzweiten HSG Bensheim/Auerbach. Nach 45-tägiger WM-Pause hielt der BSV über weite Strecken nicht nur mit, sondern agierte mutig, diszipliniert und spielfreudig. Zur Pause stand es 18:18, in der 53. Minute noch 28:28. Danach gelang kein Treffer mehr. Buxtehude blieb damit im neunten Spiel ohne Sieg - der schwächste Saisonstart der Buxtehuder Bundesliga-Geschichte.

BSV-Trainer Nicolaj Andersson. Foto: Jan Iso Jürgens
„Wir haben uns voll an den Plan von Nico gehalten“, sagte Kapitänin Teresa von Prittwitz. Damit stellt sich die Frage, was unter nun anders sei. Hat sich die Mannschaft zuletzt unter Vorgänger Dirk Leun nicht mehr an den Plan gehalten? Von Prittwitz verneinte, ergänzte aber: „Jetzt war uns der Plan einfach umso bewusster. Wir haben drei Wochen intensiv trainiert und waren extrem fokussiert.“
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Was sich vor 1500 Zuschauern in der ausverkauften Halle Nord sofort zeigte, war eine andere Spielweise. Die Fans hatten sich im Vorfeld gefragt, wie Andersson dem BSV wieder zum Erfolg verhelfen will. Konkretes hatte er kaum verraten. Mit Spielbeginn wussten sie mehr.
So begründet Andersson seine Taktik
In der Abwehr setzte Andersson auf eine offensive, aggressive Variante. Auch aus der Not geboren, da mit Jolina Huhnstock und Levke Kretschmann zwei zentrale Verteidigerinnen fehlten und der Trainer keinen neuen Mittelblock installieren wollte. Stattdessen ließ er meist im 5:1 mit von Prittwitz auf der Spitze oder im 4:2 mit vorgezogenen Halbspielerinnen verteidigen. Dahinter agierte Lin Lück zentral, im Angriff kam für sie Spielmacherin Anika Hampel.

Johanna Andresen, eigentlich im Rückraum, spielte überraschend am Kreis. Foto: Jan Iso Jürgens
Vorne überraschte der neue Coach ebenfalls. Da alle drei etatmäßigen Kreisläuferinnen verletzt fehlten, rückte Johanna Andresen, eigentlich Rückraumspielerin, an den Kreis. Für den Trainer die naheliegendste Lösung, eine gute Abwehrspielerin am Kreis zu bringen, um keinen weiteren Angriff-Abwehr-Wechsel einbauen zu müssen. „Hanni hatte ein gutes Timing, hat gut gedeckt und mir auch signalisiert, dass sie das machen will“, erklärte Andersson.
Spielerinnen finden Gefallen am neuen System
Der Trainer setzt wie bei seinen vorherigen Stationen auf einen dänischen Handballstil. Weniger Wucht aus der Distanz, kaum Rückraumwürfe, dafür Tempo, Dynamik und schnelle Pässe. Das belegt auch die Statistik. Während der BSV zuvor im Schnitt rund sechs Rückraumtore pro Spiel erzielte, waren es gegen Bensheim nur zwei. Dafür fielen 15 Tore aus der Nahdistanz, mehr als die Hälfte aller Treffer. Von Prittwitz sagte, das neue System mache viel Freude.
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Auch die Leistung von Winterzugang Annie Linder passte zur Stimmungslage. Die schwedische Torhüterin steigerte sich im Verlauf der Partie, kam bei ihrem Debüt auf elf Paraden, neun davon aus der Nahdistanz. „Nico hat inzwischen schon viel aus uns herausgeholt“, sagte sie. Ob sie nun die neue Nummer eins sei? „Gute Frage“, meinte Andersson. „Sie hat gut trainiert, und die beste Torhüterin spielt.“

Die neue BSV-Torhüterin Annie Linder gab ihr Debüt. Foto: Jan Iso Jürgens
Dass es am Ende dennoch nicht reichte, lag an Kleinigkeiten. Ein nicht gesicherter Abpraller, ein verpasster Moment im Umschalten, zwei, drei Situationen, in denen die Abgezocktheit fehlte. „Wenn uns das gelingt, sprechen wir von einem perfekten Spiel“, sagte Andersson. „Aber mehr kann ich mir nach so kurzer Zeit nicht wünschen.“
BSV reist optimistisch zum Tabellenletzten
Trotz der Niederlage war nichts von Resignation zu spüren. „Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war sehr stark“, sagte Spielmacherin Anika Hampel, die naturgemäß viel Verantwortung auf dem Feld übernimmt. „Ich muss natürlich verstehen, wie Nico den Handball sieht. Ich bin eine Spielerin, die gerne Fragen stellt.“
Das neue System passe gut zu den schnellen, agilen Spielerinnen des BSV, weniger zu reiner Körperlichkeit. „Da hätten wir sonst eher Nachteile.“

BSV-Spielmacherin Anika Hampel. Foto: Jan Iso Jürgens
Bereits am Samstag (19 Uhr) geht es zum letzten Hinrundenspiel zum Tabellenletzten SV Union Halle-Neustadt. Ein Fanbus reist aus Buxtehude an. Halle hat bislang alle neun Saisonspiele verloren, der BSV steht mit zwei Unentschieden auf Rang zehn. Auf die Frage, ob sie sich Sorgen mache, überlegte Hampel nicht lange. „Nö.“
Buxtehuder SV - HSG Bensheim/Auerbach
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