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Post-Betrug

T„Passiert mir nicht“: Autogrammkarten-Sammler um 10.000 Euro geprellt

Das Postident-Verfahren zur Autorisierung wird zunehmend von Betrügern missbraucht (Symbolfoto).

Das Postident-Verfahren zur Autorisierung wird zunehmend von Betrügern missbraucht (Symbolfoto). Foto: Carsten Koall/dpa

Betrüger nutzen eigentlich vertrauenswürdige Verfahren der Deutschen Post, um Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen. Dieser Fall sollte Warnung und Mahnung sein.

Von Thomas Klaus Freitag, 15.05.2026, 13:00 Uhr

Harald Schneider* (Name von der Redaktion geändert) aus Bremerhaven hoffte auf einen guten Deal. Er bot auf einer Kleinanzeigen-Plattform seine große Autogrammkarten-Sammlung an. Ein vermeintlicher Interessent bekundete großes Interesse. „Er wollte angeblich einen ansehnlichen Betrag zahlen“, berichtet Schneider. „Doch dann kam das dicke Ende nach.“

Denn der potenzielle Käufer forderte eine „Sicherheitsgarantie“ in Form des Postident-Verfahrens. Das Postident-Verfahren soll Verbraucher persönlich identifizieren, wenn ein Vertragspartner wie zum Beispiel eine Bank, ein Mobilfunkanbieter oder ein Versicherer danach verlangt. Grundlage ist unter anderem das Geldwäschegesetz. Das bestimmt bei Kontoeröffnungen oder Kreditabschlüssen, dass sich der Verbraucher eindeutig legitimiert.

Die Deutsche Post identifiziert im Auftrag des Unternehmens – entweder über einen Coupon in einer Filiale, per Videochat, mit der Online-Ausweisfunktion oder durch einen Postzusteller.

Postident-Unterschrift rechtlich bindend

Harald Schneider ließ sich auf die „Sicherheitsgarantie“ ein, wurde dann erst einmal einige Tage vertröstet. Was der 47 Jahre alte Wulsdorfer nicht ahnte: Der vermeintliche Autogrammkarten-Fan nahm in Schneiders Namen einen Kredit in Höhe von 10.000 Euro auf, ließ sich das Geld über ein Tarnkonto auszahlen und meldete sich nicht mehr.

Das große Problem für Schneider: „Eine Unterschrift in einem Postident-Verfahren ist rechtlich bindend. Nun muss ich mich mit der kreditgebenden Bank auseinandersetzen – eine ganz schwierige Kiste.“

Der Verbraucherzentrale-Bundesverband bestätigt: Der Vorgang in Bremerhaven ist kein Einzelfall. Ein Sprecher sagt: „Aktuell häufen sich Fälle, in denen das vertrauenswürdige Postident-Verfahren missbraucht wird.“ Neben der angeblichen Verkaufs-Gewährleistung wie bei Harald Schneider wissen die Verbraucherschützer auch von gefälschten Bank-Schreiben. Darin werden Verbraucher zum Bestätigen ihrer Daten per Postident aufgefordert: „Tatsächlich legitimieren sie mit dem beigefügten Coupon jedoch einen hohen Kredit bei einer anderen Bank.“

Der Verbraucherzentrale-Bundesverband rät eindringlich: Ein Ident-Verfahren sollte der Verbraucher stets nur selbst starten. Daten sollten nur an vertrauenswürdige Empfänger weitergegeben, ein aufgebauter Zeitdruck als weiteres Alarmsignal gesehen werden.

Kostenfalle bei Post-Nachsendeaufträgen

Die Post steht auch bei einer weiteren verbraucherfeindlichen Masche im Rampenlicht. Dabei werden Konsumenten im Zusammenhang mit Nachsendeanträgen in eine Kostenfalle gelockt, wie die Verbraucherzentrale Hamburg informiert.

Wer auf Suchmaschinen nach Begriffen wie „Nachsendeauftrag“ oder „Post nachsenden“ fragt, landet schnell auf Seiten, die auf den ersten Blick seriös wirken – es offenkundig aber nicht sind. Häufig zeigen sie sogar den gelben Header im Stil offizieller Internetseiten der Post.

Die betreffenden Firmen verlangen für das Nachsenden von Briefen deutlich höhere Preise als die Deutsche Post, die dafür für Privatkunden 31,90 Euro online beziehungsweise 34,90 Euro in der Filiale kassiert. Ausdrücklich rät die Verbraucherzentrale Hamburg von diesen Firmen ab: Nachsendeauftrag-direkt.com der DPS Digital Post Service GmbH, Nachsendeauftrag-Services von Clearpost Services Trading, Nachsendeauftrag-Service.de von DPO Postservice, Nachsenden.Info von der OPS Online Post Service GmbH, Nachsendezentrale.de von der DNZ Nachsende UG und Postnachsendeservice.de der Firma NetServeX.

Die Verbraucherschützer empfehlen: Nachsendeanträge sollten Verbraucher immer direkt über die offizielle Website der Deutschen Post buchen.

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