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TDiese Tiere leiden - weil es in der Nordsee zu laut ist

Der Schweinswal gehört zu den kleinsten Walarten überhaupt und ist im Wattenmeer heimisch.

Der Schweinswal gehört zu den kleinsten Walarten überhaupt und ist im Wattenmeer heimisch. Doch Schweinswale haben es nicht leicht: Sie leiden unter dem Lärm in der Nordsee. Foto: epa EFE Loro Parque

Forscher haben jetzt eine Lärmkarte für die gesamte Nordsee erstellt. Sie zeigt, dass in der südlichen Nordsee und entlang der Hauptschifffahrtsrouten der Schiffslärm den natürlichen Lärm über die Hälfte des Jahres deutlich übersteigt. Was tun?

Von Melanie Hanz Montag, 18.03.2024, 09:15 Uhr

Butjadingen. Es ist zu laut in der Nordsee - und es wird immer noch lauter: Längst sind die natürlichen Geräusche der See von Wind und Wasser überdeckt vom menschengemachten Lärm. Zunehmender Schiffsverkehr, Munitionssprengungen, seismische Vermessungen, Bagger- und Rammarbeiten, Energiegewinnung: Die Geräusche sind unter Wasser viele Kilometer weit zu hören.

Denn im Wasser breiten sich Schallwellen 4,5-mal schneller und deutlich weiter aus als in der Luft. Geräusche im Meer sind also in viel größerer Entfernung noch zu hören als an Land.

Dass zunehmender Lärm im Meer weitreichende Auswirkungen auf die Tiere hat, ist lange bekannt: Denn Meeressäugetiere wie der Schweinswal kommunizieren, navigieren und orten ihre Beute mithilfe von Schall. Unterwasserlärm stört dieses Verhalten. Auch bei Fischen kann Lärm zu Beeinträchtigungen führen.

Zunehmender Schiffsverkehr, Munitionssprengungen, seismische Vermessungen, Bagger- und Rammarbeiten, Energiegewinnung: Die Geräusche sind unter Wasser viele Kilometer weit zu hören.

Zunehmender Schiffsverkehr, Munitionssprengungen, seismische Vermessungen, Bagger- und Rammarbeiten, Energiegewinnung: Die Geräusche sind unter Wasser viele Kilometer weit zu hören. Foto: Dittrich/dpa

Messung nach einheitlichen Standards

Wie ernst das Lärm-Problem in der Nordsee ist, zeigt eine Studie der Anrainerstaaten der Nordsee: Erstmals wurde der von 19 Stationen gemessene Unterwasserlärm nach einheitlichen Standards analysiert.

Die Ergebnisse wurden durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) veröffentlicht als Referenz für künftige Messungen und Bewertungen. So können effektive Maßnahmen entwickelt werden, um den Unterwasserlärm in der Nordsee zu verringern, heißt es vom BSH.

Lärmkarte für gesamte Nordsee

Im Rahmen des internationalen Projekts wurde eine Lärmkarte für die gesamte Nordsee erstellt, die mit den Messungen an den 19 Stationen verglichen wurde. Drei der Messstationen liegen in der Deutschen Bucht.

Die Lärmkarte zeigt, dass in der südlichen Nordsee und entlang der Hauptschifffahrtsrouten – etwa in den Fahrwassern nördlich der Ostfriesischen Inseln und in der Deutschen Bucht - der Schiffslärm den natürlichen Lärm über die Hälfte des Jahres deutlich übersteigt.

Am leisesten ist es hingegen in tieferen Bereichen der nördlichen Nordsee mit weniger Schiffsverkehr, wie vor Schottland und Norwegen.

Maßnahmen für mehr Ruhe

Unterwasserlärm ist einer von elf Anzeigern für den Zustand der Meere; die Europäische Union nahm Lärm im Jahr 2008 unter die Indikatoren auf. Aus der Studie werden die Nordsee-Anrainer nun Maßnahmen ableiten, damit die See wieder leiser statt lauter wird.

Der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert seit Jahren wirksame Maßnahmen gegen Unterwasserlärm in der Nordsee. Insbesondere der Schweinswal leidet unter dem Krach.

Der kleine Zahnwal ist unser größter einheimischer Meeressäuger. Der etwa 1,60 Meter lange und zwischen 40 und 70 Kilo schwere Schweinswal hält sich vorwiegend im Frühjahr und Frühsommer in den Gewässern unserer Region auf; man kann ihn auch am Jadebusen beobachten. Auf dem Oberfeuer Preußeneck in Eckwarderhörne wird alljährlich ein „Whale Watching“ angeboten.

Dieses Alter können Schweinswale erreichen

Doch der Schweinswal hat es nicht leicht in der Nordsee. Das macht allein die Tatsache deutlich, dass er zwar bis zu 25 Jahre alt werden kann, in der Nordsee aber eher nur sechs Jahre. Dabei spielt neben vielfältigen Gefahren hauptsächlich der Unterwasserlärm eine große Rolle, heißt es vom BUND. Da der Schweinswal für seine Kommunikation, Ernährung und Orientierung auf sein Gehör angewiesen ist, kann er durch die Zunahme von Lärmquellen im Meer seine Beute nicht mehr wahrnehmen.

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