TEine Frage der Geduld: Isa Ternede und der Weg zurück aufs Feld
Ein Foto aus der alten Spielstätte des BSV. In der neuen Halle Nord hat Isa Ternede bisher nicht gespielt. Das soll sich am Dienstag ändern. Foto: Jan Iso Jürgens
Vier Monate verletzt, jetzt zurück: BSV-Spielmacherin Isa Ternede steht vor ihrem Comeback, denkt zurzeit aber nicht nur an Handball.
Buxtehude. Wenn am Dienstag (30.12.) um 18 Uhr in der Halle Nord der Anpfiff ertönt, wird Isa Ternede ein besonderes Gefühl begleiten. Zum ersten Mal seit Monaten steht die niederländische Spielmacherin voraussichtlich wieder im Kader - und erstmals überhaupt auf dem Feld der neuen Halle Nord.
Nach vier Monaten Verletzungspause ist die 24-Jährige bereit für ihr Comeback. „Ich habe richtig Bock“, sagte Ternede vergangene Woche dem TAGEBLATT. „Ich freue mich darauf, wieder mit den Mädels auf der Platte zu stehen und hoffe, dass wir gegen Bensheim eine Überraschung schaffen.“
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Zuletzt pausierte die Bundesliga wegen der Weltmeisterschaft in Deutschland und den Niederlanden. Acht Spiele hat der BSV bisher absolviert, aber ein Sieg fehlt noch.
Geduld statt Operation
Ternede konnte bisher nicht eingreifen, nachdem sie sich in der Vorbereitung das Kreuzband im linken Knie angerissen hatte. Eine Verletzung, die Geduld erfordert. „Es ist keine klassische Verletzung, bei der man sofort merkt, dass etwas kaputt ist“, erklärt sie.

Isa Ternede (rechts) im Vorbereitungsspiel gegen die Luchse. Foto: Felix Schlikis/Lobeca.de
Zunächst hatte sie in einem Vorbereitungsspiel leichte Beschwerden im Knie gespürt, stand beim nächsten Turnier aber wieder auf dem Feld. Während einer Trainingseinheit kurz vor Saisonstart spürte sie dann, dass etwas nicht stimmte. „Das Knie war nicht ganz stabil“, sagt sie. Das MRT brachte Gewissheit: kein Riss, aber ein angerissenes Kreuzband.
Mannschaftsarzt Kai Raabe erklärt: „Der Vorteil bei einem angerissenen Kreuzband ist, dass man nicht operieren muss. Man wartet ab, gibt dem Band Zeit zu vernarben und schränkt die Belastung ein.“ Wichtig sei vor allem, das Knie in den ersten Wochen nicht über 90 Grad zu beugen.
Ihr Freund spielt beim VfL Fredenbeck
Nach der Heilung wird die Belastung für das Knie nach einem strukturierten Plan erhöht, hinzu kommen Tests zur Rückkehr in den Sport. „Das Risiko für einen späteren Kreuzbandriss ist für sie nicht höher als bei jeder anderen Spielerin“, erklärt der Orthopäde aus Buxtehude.
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Für Ternede bedeutete das: vier bis sechs Wochen fast komplette Ruhe, danach schrittweiser Aufbau mit Athletiktrainer Curtis Klein. „Ich hatte bereits einen Kreuzbandriss im anderen Knie. Vielleicht habe ich deshalb besser auf meinen Körper gehört“, sagt sie.

Isa Ternede und ihr Freund Jelmer de Vries, Handballer beim VfL Fredenbeck. Foto: Jan Iso Jürgens
Unterstützt wurde sie in dieser Zeit nicht nur vom Verein, sondern auch von ihrem Freund Jelmer de Vries (24), der beim Drittligisten VfL Fredenbeck spielt: „Es ist wichtig, jemanden um sich herum zu haben, wenn man nicht spielen kann. Es ist nie langweilig geworden.“
Neuer Trainer setzt auf Ternedes Tempo
Das Kontroll-MRT nach sechs Wochen sah gut aus, seit vier bis fünf Wochen ist sie wieder voll im Mannschaftstraining. Im Trainingslager in Kiel absolvierte Ternede fast alle Einheiten, dosierte die Belastung aber: „Ich habe gemerkt, dass vier Handballeinheiten körperlich noch etwas viel sind.“
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Dass sie nun ihr Comeback gibt und der Trainer nicht mehr Dirk Leun heißt, sei „komisch“, sagt Ternede. Doch ihr Fokus lag klar auf der Reha. Jetzt kehrt sie unter dem neuen Trainer Nicolaj Andersson zurück. „Er bringt neue Ideen und neue Energie mit. Bis jetzt ist alles sehr positiv.“
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Sportlich ist Ternede eine wichtige Spielerin beim BSV. Schon Ex-Trainer Leun hatte im Oktober betont, wie sehr ihre Technik und ihr Tempo fehlen. Sein Nachfolger sieht es genauso: „Isa braucht vielleicht noch etwas Zeit, um in den Rhythmus zu finden, aber dann wird sie uns hoffentlich mit ihrem Tempo helfen“, sagt Andersson mit Blick auf die kommenden Wochen.
Diese Handballerin kehrt als nächste zurück
Mit ihrer Rückkehr entspannt sich die Personalsituation zumindest etwas. Kreisläuferin Carina Senel ist nach ihrem Kreuzbandriss bereits wieder im Training und gilt als nächste Langzeitverletzte, die zurückkehren könnte. Im Januar stehen bei ihr die entscheidenden Tests für die Rückkehr in den Spielbetrieb an.
Rückraumspielerin Levke Kretschmann arbeitet nach ihrem Wadenbeinbruch an ihrem Comeback, WM-Fahrerin Jolina Huhnstock fällt mit einer Schulterverletzung noch einige Wochen aus. Bei Torhüterin Sophie Fasold und Kreisläuferin Larissa Kroepel (beide Kreuzbandriss) ist eine Rückkehr in dieser Saison fraglich, so die Einschätzung von Mannschaftsarzt Raabe.
Ternede will im Nationalteam nicht nur Zuschauerin sein
Ternede geht jetzt in ihre zweite Bundesliga-Saison. Fühlt sie sich schon angekommen? Ternede antwortet mit einem verhaltenen, langgezogenen Ja. Gute Spiele habe es gegeben, aber auch solche, in die sie nicht richtig reinfand. „Ich hoffe, dass ich ein stabiler Faktor für den Rest der Saison werde.“

BSV-Handballerin Isa Ternede. Foto: Jan Iso Jürgens
Ihr Blick reicht über den BSV hinaus - aus gutem Grund. Ternede absolvierte bereits drei Länderspiele (7 Tore) für die Niederlande, darunter die EM 2024, und ist im Blickfeld der Nationalmannschaft. „Wir stehen weiterhin in Kontakt“, sagt sie. Vor der WM habe man sie gefragt, ob sie rechtzeitig fit werde und damit eine Kandidatin für den erweiterten WM-Kader sei.
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Ternede war noch nicht so weit, verfolgte das Turnier schließlich als Zuschauerin in Rotterdam. „Die Entwicklung im niederländischen Handball ist unglaublich. Wir gehören zu den Top vier der Welt“, sagt sie. Die Niederlande verpassten nach der Niederlage im Spiel um Platz drei eine Medaille nur knapp.
Spielmacherin auf Jobsuche
Ihr Vertrag in Buxtehude läuft am Saisonende aus. Gedanken darüber macht sie sich aktuell kaum. „Mein Fokus liegt darauf, wieder zu spielen.“ Außerdem hat sie ihr Bachelorstudium in Economics (Wirtschaft) abgeschlossen und sucht aktuell einen Job. „Es ist nicht so einfach“, sagt sie. Aber es ist ihr wichtig, etwas neben dem Handball zu machen, und nicht den ganzen Tag auf das nächste Training zu warten.
Jetzt freut sich Isa Ternede auf das Comeback. Vor 1500 Zuschauern in der ausverkauften Halle Nord, gegen ein Spitzenteam. „Solche Spiele können uns einen Extra-Boost geben“, sagt sie, und hofft, dass ihre Geduld endlich belohnt wird.
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