TFeuerwehrmann, Schütze, BSV-Fan: Detlef Eggers hinterlässt eine große Lücke
Das erste BSV-Heimspiel nach seinem Tod: Familie und Lebensgefährtin Birgit Nath (Foto) erinnern an Detlef Eggers. Foto: Jan Iso Jürgens
Lockeres Mundwerk, großes Herz und immer unter Leuten: Detlef Eggers war ein Buxtehuder Original. Über 300 Menschen kamen zu seiner Beerdigung. Seine Familie erinnert sich.
Buxtehude. Block B, Reihe 7, Platz 20. Dort, wo sonst Detlef Eggers in der Halle Nord saß, steht an einem Samstag im April ein goldgerahmtes Porträtfoto. Daneben eine weiße Rose und eine elektrische Kerze. Der Buxtehuder SV spielt gegen Halle-Neustadt.
Viele Fans in der Halle Nord kennen Detlef Eggers. Ein Mann, den sie hier meist nur „Piwi“ nennen, der sich nicht davor scheut, auch mal die Schiedsrichter lautstark zurechtzuweisen. Doch an diesem Nachmittag bleibt es still.
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Im Wohnzimmer
Einige Wochen später. Birgit Nath stellt Kaffee und Kekse auf den Wohnzimmertisch, breitet Zeitungsartikel und Fotos aus. Sie zeigen ihn in Schützenuniform, Feuerwehrmontur und blauer Fanclub-Jacke. Seit 2019 waren sie zusammen, aber nicht verheiratet, erzählt Nath.
Dann klingelt es an der Tür.
Ute Burkhard, seine Schwester, und ihr Mann Harald kommen ins Wohnzimmer. „Sind wir zu spät?“, fragt sie.

Harald und Ute Burkhard sowie Birgit Nath (von links). Foto: Scholz
Zwei Stunden sitzen sie zusammen und erinnern sich an Eggers. Sie erzählen, lachen, manchmal wird es still. Sie sprechen offen über sein Leben und seine Krankheit. „Es fühlt sich surreal an, dass er nicht mehr da ist“, sagt seine Schwester.
Die Schützen
Früh lernte Detlef Eggers das Vereinsleben kennen. Sein Vater war 1961 Altklosteraner Schützenkönig, ein Jahr später „Bester Mann“, die zweithöchste Würde. Im selben Jahr wurde Detlef Eggers in Buxtehude geboren. Ein „Königskind“, sagen sie in der Familie.
Auch für ihn wurde der Schützenverein Altkloster zu einer Heimat. 1987 trat er ein. Mehr als 30 Jahre war er kein Würdenträger, doch 2018 gelang ihm etwas Außergewöhnliches.

Würdenträger Detlef Eggers und Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt. Foto: privat
Birgit Nath sucht einen Zeitungsartikel heraus und liest vor: Innerhalb eines Tages wurde Eggers sowohl „Bester Mann“ als auch Vogelkönig. „Das war schon überraschend“, wurde er damals zitiert, nachdem er auf den hölzernen Vogel geschossen hatte.
Er hatte keine Partnerin. Nath, selbst im Schützenverein, erklärte sich bereit, ihn zu Veranstaltungen zu begleiten. Wenig später wurden sie ein Paar.

Birgit Nath und Detlef Eggers haben sich durch den Schützenverein Altkloster kennengelernt. Foto: Scholz
Besonders am Herzen lag ihm die Fahnenabteilung. Seit 2005 war er dort Fahnenwart und dafür zuständig, Straßenschmuck und Umzugsfahnen beim Schützenfest aufzuhängen. „Nach dem Schützenfest trockneten die Fahnen bei uns im Carport“, erzählt seine Schwester.
Eggers organisierte viel, konnte schlecht stillsitzen. Beim Sommergrillen des Bürgervereins brutzelte er auch mal 1000 Bratwürste. Dabei soll er sich sogar den Bauch verbrannt haben. „Bei ihm ging niemand hungrig nach Hause“, sagt sein Schwager.
Überhaupt spielte Essen eine große Rolle. Eggers war gelernter Koch und Konditor. Sein Cordon bleu sei „legendär“ gewesen, heißt es. „Detlef hat gerne gegessen“, sagt sein Schwager.
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Seine Schwester beschreibt ihn als „eckig und kantig“, manchmal auch barsch im Ton. Vielleicht habe das mit der Arbeit in der Küche zu tun gehabt, meint der Schwager. „Aber er hatte das Herz am rechten Fleck.“
Die Feuerwehr
Schon als Jugendlicher ging Detlef Eggers in den Zug 2 der Ortsfeuerwehr Buxtehude. 1978 wurde er mit 16 Jahren Mitglied. Später gehörte er zu den Gründern der Jugendfeuerwehr Estetal und engagierte sich in der Nachwuchsarbeit.
Die Feuerwehr blieb über Jahrzehnte ein fester Bestandteil seines Lebens. Der Weg war auch nicht weit: Das Haus, in dem er aufwuchs und bis zuletzt wohnte, liegt direkt gegenüber dem Gerätehaus in Altkloster.

1978 wurde Detlef Eggers (rechts) Mitglied in der Ortsfeuerwehr Buxtehude. Foto: privat
Eggers übernahm Verantwortung im Einsatzdienst, rückte als Gruppenführer auf dem ersten Fahrzeug aus, organisierte zahlreiche Veranstaltungen. „Logistik Eggers macht das schon!“, habe es oft geheißen, erzählt sein Schwager. „Auf ihn war Verlass.“
Wenn ein Auto nicht ansprang oder jemand Kartons für einen Umzug brauchte, habe Eggers geholfen - oft auch Menschen, die er kaum kannte. „Er hat eigentlich für andere gelebt“, sagt die Schwester.
Der Handball
Seit den frühen 2000er-Jahren besuchte Eggers regelmäßig die Spiele des BSV. Er wurde Mitglied des Fanclubs „Has‘ und Igel“, reiste zu Spielen in ganz Europa.
Im Fanclub war er Kassenwart. Ein Foto zeigt ihn mit einem Fächer aus Geldscheinen. Man nannte ihn auch „Herr des Geldes“ - und das kam nicht von ungefähr.

Detlef Eggers war Kassenwart des BSV-Fanclubs "Has' und Igel". Foto: BSV (nomo)
Schon seine Mutter habe darauf geachtet, dass Geld nicht herumfliegen dürfe, erklärt die Schwester. „Die Scheine mussten immer richtig sortiert im Portemonnaie liegen, das Gesicht musste einen anlächeln.“ Birgit Nath: „Ja, davon kann ich ein Lied singen.“
Peter Prior, Manager des BSV, beschreibt ihn als „Original aus Altkloster“. Er habe ein lockeres Mundwerk gehabt, sei aber immer hilfsbereit und zuverlässig gewesen. „Nur wenn Schützenfest war, war er für den Handball mal nicht ansprechbar.“

Detlef Eggers und BSV-Handballerin Sarah Lamp. Foto: privat
Ja, Eggers war laut. „Schiri, Zeitspiel!“, schallte es regelmäßig durch die Halle Nord. Wenn ihm Entscheidungen der Schiedsrichter nicht gefielen, hob er schon mal die Brille in Richtung Spielfeld. Während eines Spiels konnte es aber auch passieren, dass der Melder der Feuerwehr losging. Dann musste er plötzlich zum Einsatz.
Die Krankheit
Detlef Eggers wird im vergangenen Jahr immer schmaler. „Irgendetwas stimmt nicht“, erinnert sich sein Schwager. Doch er lebt sein Leben weiter, geht seiner Arbeit in der Poststelle einer Versicherung nach.
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Ende Januar folgt die Diagnose: Magentumor mit Metastasen. Ihm bleiben nur noch wenige Wochen. Sein Vater war an derselben Krankheit gestorben.
Seine Familie fragt sich: Was wäre gewesen, wenn er früher zum Arzt gegangen wäre? Hätte er von Ärzten und Pflegern abhängig sein wollen? Vorwürfe hätten sie ihm nicht gemacht, sagt der Schwager.
Am 21. Februar sitzt Eggers beim Spiel gegen Metzingen in der Halle Nord. Er wirkt geschwächt, kann nicht mehr lange stehen. Er gibt eine Runde Eis aus - etwas, das er sonst nie gemacht hat. „Viele in der Halle haben gemerkt, dass etwas anders ist“, sagt die Schwester.
Die geplante Chemotherapie wird nicht mehr begonnen. Eggers kommt auf die Palliativstation. In ein Hospiz möchte er nicht. Er will nach Hause.
Als er am 9. März mittags dort ankommt, setzt er sich auf die Terrasse und raucht, sein Ritual. Den Abend verbringt er mit seiner Familie und seinem besten Freund Wolfgang Reinecke im Wohnzimmer. Er trinkt Selter. Sein geliebtes Bier, das er sich immer in Wittingen besorgt hat, kann er wegen der Medikamente nicht trinken. Gegen 18 Uhr verabschieden sie sich.
Keine zwei Stunden später stirbt Detlef Eggers in dem Haus, in dem er aufgewachsen ist.
Die Beerdigung
Die Anteilnahme ist groß. Mehr als 300 Menschen kommen zur Beerdigung. Die Kapelle auf dem Friedhof in der Ferdinandstraße ist voll, viele stehen draußen. Die Feuerwehr trägt den Sarg. Eggers wird in seiner Schützenuniform und mit dem Schützenhut seines Vaters, ein Erbstück, beigesetzt.
Die Familie sei überwältigt gewesen, erzählen sie. Viele Menschen hätten ihn vielleicht nur wenige Male getroffen, trotzdem hatten sie sofort das Gefühl, ihn schon lange zu kennen. „Er hatte einen besonderen Humor und eine herzliche Art“, sagt seine Schwester.

Ute Eggers und Birgit Nath (rechts) auf der Tribüne der Halle Nord. Foto: Jan Iso Jürgens
Nachts gehe ihr viel durch den Kopf. Sie müsse daran denken, wie das Schützenfest für die Familie wohl ohne ihn werden würde. In einer dieser Nächte kam ihr auch die Idee mit dem Foto in der Halle Nord.
So konnte Detlef Eggers noch einmal auf seinem Platz sitzen - wenn auch in aller Stille.
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