Foto kursiert: Werden ausgediente Rotorblätter einfach vergraben?
In Alfstedt im Kreis Rotenburg waren Flügel einer Windkraftanlage im Jahr 2023 gebrochen. Foto: Martin Elsen/Archiv
Windkraft ist in den Sozialen Medien ein Dauerbrenner und oft heiß diskutiert - bis hin zur Stimmungsmache wie in diesem Fall.
Angesichts der instabilen Lage im Iran zeigt sich die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Doch auch der Ausbau erneuerbarer Energien berge Risiken, merken Kritiker an. In einem Facebook-Beitrag heißt es unter anderem: Die Rotorblätter von Windkraftanlagen bestünden „aus hochfesten Verbundwerkstoffen, die für Jahrzehnte extremer Witterungsbedingungen ausgelegt sind - und sie sind nicht recykelbar. Sie werden niemals verschwinden.“ (Schreibweise im Original)
Dazu wird ein Bild geteilt, dass eine Deponie von Rotorblättern zeigt. Können ausgediente Rotorblätter also nur vergraben werden?
Großteil rückgebauter Windkraftanlagen recycelbar
Nein, es gibt viele Ansätze, die Materialien wiederzuverwenden. Das Recycling der Rotorblätter stellt die Branche dennoch vor Herausforderungen.
Für die meisten Komponenten von Windkraftanlagen, darunter Stahl, Zement, Kupfer oder Elektronikteile, gibt es etablierte Recyclingverfahren für eine umweltgerechte Entsorgung oder Wiederverwertung. Heute sind bereits etwa 90 Prozent recycelbar, wie beispielsweise beim Umweltbundesamt zu lesen ist.
Stader Nachbarkreis
T Abgeknickte Rotorblätter: Problem-Windpark weiterhin stillgelegt
Ausgediente Rotorblätter stellen eine Herausforderung dar: Die Wiederverwertung ihrer Bauteile ist schwierig, da sie teils aus Verbundkunststoffen wie Carbonfasern oder Glasfasern bestehen. Die verschiedenen Materialien lassen sich teils nur schwer trennen. Darüber wird breit berichtet (etwa hier, hier oder hier).
Aktuell beinhalten Lösungsansätze hierfür zum Beispiel ein Umfunktionieren der Bauteile etwa in Brücken oder Möbeln. Die Verbundstoffe können auch zerkleinert und in der Zementproduktion verwendet werden. Auch Pyrolyse, wobei die Stoffe durch starke Erhitzung getrennt werden, sei möglich - was allerdings sehr energieintensiv ist.
Branche arbeitet an Lösungen
Beim Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) heißt es, das Recycling-Problem von Rotorblättern sei „aufwändig, aber lösbar“. Auch Energieunternehmen wie RWE oder EnBW schreiben auf ihren Websites über unterschiedliche Lösungsansätze für die derzeitigen Herausforderungen.
In den USA gibt es Deponien für Rotorblätter. In Deutschland ist eine solche Abfallentsorgung verboten.
Best Practice in Schottland
In Schottland konnte im Windpark Hagshaw Hill bereits jetzt eine 100-prozentige Recyclingrate erreicht werden. Sämtlich Rotorblätter der 26 Originalturbinen von 1995 konnten recycelt und zu Baumaterial, das Beton, Holz und Kunststoff ersetzt, verarbeitet werden. Es gibt zudem unzählige innovative Upcycling-Ansätze für ausgediente Rotorblätter. Ein deutsches Unternehmen stellt etwa Outdoor-Möbel daraus her, eine niederländische Firma Spielplatzgerüste oder urbane Sitzgelegenheiten. (dpa)
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.