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Kommunalpolitik

TFredenbeck: AfD-Talk vor dem Rathaus trifft auf starken Gegenwind

Links steht die AfD, rechts sind die Gegendemonstranten.

Links steht die AfD, rechts sind die Gegendemonstranten. Foto: Wisser

Während die AfD neue Mitglieder gewinnt, formiert sich Protest. Kein Dorf sei zu klein für Widerstand, sagt einer der Demonstranten. Ein Besuch in Fredenbeck.

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Von Karsten Wisser
Sonntag, 17.05.2026, 17:50 Uhr

Fredenbeck. Nur wenige Meter trennen sie räumlich, doch gedanklich liegen Welten zwischen den beiden Gruppen vor dem Rathaus in Fredenbeck. Dazwischen steht ein Mannschaftswagen der Polizei mit fünf Beamten. Die AfD hat zu einem Politik-Talk eingeladen, viele in Fredenbeck wollen das nicht hinnehmen.

Levin Stottko (Die Linke) mahnt: „Fredenbeck kommt sehr gut ohne Nazis aus.“

Levin Stottko (Die Linke) mahnt: „Fredenbeck kommt sehr gut ohne Nazis aus.“ Foto: Wisser

Linke, Omas gegen Rechts und Grüne haben eine Kundgebung organisiert, um der AfD keinen Raum zu lassen. Laut Polizei versammeln sich 130 Menschen zur Demonstration. Auch wenn es kein formales Bündnis ist, zeigt die Vielfalt der Teilnehmer, wie breit der Widerstand gegen die AfD und ihre Ideen in Fredenbeck ist.

Breiter Widerstand: Von der Linkspartei bis zu den Landfrauen

„Das hat mich wirklich beeindruckt“, sagt Levin Stottko, der als Parteimitglied der Linken 50 Teilnehmer angemeldet hatte. „Fredenbeck kommt sehr gut ohne Nazis aus.“ Tatsächlich sind fast dreimal so viele gekommen. Kein Dorf sei zu klein, um sich der AfD entgegenzustellen.

Die Omas gegen Rechts aus Stade und Buxtehude, viele Grüne aus dem Landkreis und der Bunte Block aus Buxtehude zeigen Flagge. Die Liste der Gruppen ist lang. Auch die Landfrauen sind dabei. Viele tragen Schilder: „Kein Bier von Rassisten“ steht auf einem, auf einem anderen: „Hey AfD, du stehst für alles, was die Zukunft unserer Kinder zerstört. Die Mauer kann gar nicht hoch genug sein.“

Brandmauer gegen Rechtsextremisten ohne Risse

Auch Sandra Lemmermann, CDU-Bürgermeisterin von Kutenholz, und ihr Parteikollege und Bürgermeister Jörg Müller aus Deinste sind dabei. „Ich wollte sehen, wer hier ist. Vielleicht ist es ja ein Nachbar“, sagt Lemmermann. Müller ergänzt: „Wir brauchen keinen neuen kleinen Hitler. Ich möchte niemanden von denen in Verantwortung sehen.“ In Fredenbeck steht die Brandmauer gegen Rechtsextremisten ohne Risse.

Sandra Lemmermann aus Kutenholz und Jörg Müller aus Deinste (beide CDU-Bürgermeister) haben sich den Gegendemonstranten angeschlossen.

Sandra Lemmermann aus Kutenholz und Jörg Müller aus Deinste (beide CDU-Bürgermeister) haben sich den Gegendemonstranten angeschlossen. Foto: Wisser

Drei Teilnehmer vom Hamburger Bündnis gegen Rechts sind ebenfalls angereist und haben eine Lautsprecheranlage mitgebracht. Eine Rednerin warnt vor rechtsextremistischer Landnahme: „Hier sind gefährliche Strategen am Werk.“

AfD-Talk startet mit dem Bundesliga-Anpfiff

Die AfD-Veranstaltung stört das alles nicht. Gute Umfragewerte und Mitgliederzuwachs haben die Partei selbstbewusst gemacht. Stephan Untersänger, der die Veranstaltung unter dem Motto „Brücken statt Mauern“ organisiert hat, bietet Wurst, Bier und andere Getränke an.

Rund 80 Teilnehmer zählt die Polizei auf Seiten der AfD.

Rund 80 Teilnehmer zählt die Polizei auf Seiten der AfD. Foto: Wisser

Dass parallel das Fredenbecker Schützenfest stattfindet und der letzte Spieltag der Fußball-Bundesliga läuft, habe er bei der Anmeldung nicht bedacht. „Ich bin kein Fußball-Fan“, sagt Untersänger. Seit vergangenem Jahr ist er in der AfD, stammt aus Hammah und leitet den Ortsverband Fredenbeck/Oldendorf-Himmelpforten.

80 Teilnehmer bei der AfD-Veranstaltung

„Nach dem Mord an Charlie Kirk bin ich in die AfD eingetreten. Das hat mich schockiert“, erklärt er. Der ultrakonservative US-Aktivist war im September 2025 ermordet worden.

AfD-Chef Maik Julitz (Mitte) im Gespräch mit Passanten.

AfD-Chef Maik Julitz (Mitte) im Gespräch mit Passanten. Foto: Wisser

Neben dem Stader Kreisvorstand um Maik Julitz kommen bis zu 80 Teilnehmer zum AfD-Treffen in Fredenbeck, schätzt die Polizei.

Viele der Anwesenden sind keine Mitglieder, interessieren sich aber für die Positionen der Partei. Eine Erkenntnis des Nachmittags: Die Scheu, sich offen zur vom Verfassungsschutz beobachteten Partei zu bekennen, schwindet. Das deutet sich auch angesichts der vielen AfD-Kandidaten für die Kommunalwahl am 13. September 2026 an. Im Landkreis Stade zählt die Partei mehr als 300 Mitglieder.

AfD im Dorfgemeinschaftshaus in Hammah

Laut AfD sind in Fredenbeck zehn neue Mitglieder hinzugekommen, 25 weitere haben ein Eintrittsformular mitgenommen. Durch die Gründung von Ortsverbänden erhält die Partei zudem leichter Zugang zu öffentlichen Räumen.

Eine Aufstellungsversammlung Ende Mai soll im Dorfgemeinschaftshaus in Hammah stattfinden. Darum gab es lange Streit. Für das Bürgerhaus in Drochtersen will sich die AfD per Eilverfahren einklagen. „Bei kostenloser Bratwurst und Bier ergaben sich interessante Diskussionen, auch mit Menschen, die der AfD aufgrund der Dauerpropaganda der Medien skeptisch gegenüberstehen“, sagt AfD-Sprecher Helmut Wiegers.

„Wer in der Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf“, mahnt Wolfgang Weh (Bündnis 90/ Die Grünen).

„Wer in der Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf“, mahnt Wolfgang Weh (Bündnis 90/ Die Grünen). Foto: Wisser

50 Meter entfernt sind die Gegendemonstranten stolz, mehr Menschen mobilisiert zu haben als die AfD. Doch es gibt auch Frust und Sorge über den Zulauf zur Partei. „Das ist schrecklich“, sagt Karen Ehlers von den Grünen aus der Samtgemeinde Lühe. „Wer in der Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf“, warnt Wolfgang Weh, Grünen-Mitglied aus Fredenbeck.

Zwischen beiden Lagern halten fünf Polizeibeamte die Stellung.

Zwischen beiden Lagern halten fünf Polizeibeamte die Stellung. Foto: Wisser

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