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Hohe Spritpreise

TFrust beim Tanken im Kreis Stade: „Viele Kunden haben schlechte Laune“

Die Tankstellen-Betreiber Philipp und Anna Völksen.

Die Tankstellen-Betreiber Philipp und Anna Völksen. Foto: Thumann

Der Ölpreis fällt. Sinken jetzt die Spritpreise? Das TAGEBLATT hat sich an Tankstellen im Kreis Stade umgehört. Das sagen Autofahrer und Betreiber.

Von Rainer Thumann Freitag, 10.04.2026, 07:07 Uhr

Landkreis. Der Rohölpreis ist am Mittwochmorgen um 16 Prozent auf 93 Dollar pro Barrel gefallen - durch die Feuerpause zwischen den kriegsführenden Parteien im Nahen Osten. Die Straße von Hormus könnte bald wieder für die Schifffahrt geöffnet werden. Bedeutet das also Entspannung an den Zapfsäulen? Was denken die Menschen im Landkreis Stade?

10.58 Uhr. An der bft-Tankstelle in der Apensener Straße in Buxtehude herrscht reger Betrieb. Seit 23 Stunden ist Diesel mit 2,43 Euro der teuerste Kraftstoff. Ein Blick nach Hedendorf zur Tankstelle Völksen: Der Familienbetrieb, in fünfter Generation geführt von Anna und Philipp Völksen, verlangt ebenfalls 2,43 Euro für Diesel und 2,17 Euro für Super.

Kunden glauben nicht an eine schnelle Entspannung

11.14 Uhr. Hans-Jürgen Kreitzek tankt seinen weißen VW-Transporter vom Obstkorb Neuenkirchen an Zapfsäule 2. Für knapp 40 Liter Diesel zahlt der Rentner 97,36 Euro - immerhin übernimmt das der Betrieb, bei dem er zwei Tage die Woche aushilft. Privat fahre er nicht so häufig mit seinem Citroën C1. „Aber im Portemonnaie merkt man es schon.“ An eine schnelle Entspannung glaubt er nicht.

BFT-Mitarbeiterin Weronika Heitmann: „Manchmal hat man keine Lust herzukommen.“

BFT-Mitarbeiterin Weronika Heitmann: „Manchmal hat man keine Lust herzukommen.“ Foto: Thumann

11.25 Uhr. Guido Rahtsack ist glücklich, blickt immer wieder auf den Beifahrersitz zu seinem acht Monate alten Kind. „Ich bin in Elternzeit und fahre ganz wenig“, nur noch etwa zehn Prozent im Vergleich zu früher. Seine Frau nutzt die Bahn nach Hamburg.

11.32 Uhr. Der Stader Uwe Witt hat seine Frau mit dem neuen Volvo zur Physiotherapie nach Horneburg gebracht und nutzt die Zeit zum Autowaschen bei Völksen. Seine Einschätzung: „Der Preis fällt nicht mehr unter zwei Euro, egal was passiert. Wir tanken sehr sparsam“, sagt der 69-Jährige. Außerdem setzt er bereits auf ein Elektroauto, einen E-Fiat 500, „der jetzt nur 50 Prozent des Energiepreises benötigt“.

Ein Elektroauto als Alternative: Kommt das infrage?

11.40 Uhr. Thomas Hoffmann wird deutlich, was er von den gesetzlichen Maßnahmen der Bundesregierung hält, den Preisanstieg für 24 Stunden zu fixieren. „Schwachsinn! Das hat nichts gebracht.“ Der Airbus-Mitarbeiter besitzt noch einen T6-Bus für seine fünfköpfige Familie plus Hund. Ein Elektroauto käme für ihn nur mit eigener Wallbox infrage.

11.42 Uhr. Sylvia Haustein parkt ihren Audi Q5 an der Dieselsäule. „Ich tanke nur für einen Zehner“, sagt sie und bekommt dafür vier Liter - die reichen gerade für den Heimweg. „Das ist nicht mehr schön. Das Lustige ist, dass wir Dieselfahrer die höhere Kfz-Steuer zahlen. Eine Frechheit, dass die Politik nichts macht und über die Mehrwertsteuer daran noch kräftig verdient.“

Der Landwirt Stefan Bremer hat vermutlich die höchste Rechnung des Tages.

Der Landwirt Stefan Bremer hat vermutlich die höchste Rechnung des Tages. Foto: Thumann

11.53 Uhr. Landwirt Stefan Bremer muss vermutlich am meisten zahlen: 289,80 Euro stehen auf der Quittung - und der Tank des roten Treckers ist mit 116 Litern noch nicht mal voll. „Im April und Mai fällt die meiste Arbeit auf den Äckern an. Da wird gepflügt, Nährstoffe drauf, der Boden bearbeitet, und das teilweise mit schwerem Gerät“, erklärt Bremer, der auch im Hedendorfer Ortsrat sitzt. In Spitzenzeiten läuft der Mittelklasse-Traktor fast Tag und Nacht.

Medienrummel bei Völksen

11.55 Uhr. Tankstellen-Chefin Anna Völksen tritt aus dem Verkaufsraum und ruft dem Reporter zu: „Lassen Sie den Mann vorfahren. Da warten noch Kunden, die nicht an die Säule können.“ Sechs Autofahrer wollen sich noch schnell den günstigen Preis sichern - wer weiß, wie teuer es gleich wird.

Die Tankstelle an der B73 ist dieser Tage besonders gefragt. „Die Medien laufen uns die Tür ein, weil wir kein Konzern und gut erreichbar sind“, sagt Völksen. Der „Spiegel“ war vor Ort, ebenso RTL Nord, NDR und „Hart aber fair“ und erneut auch das TAGEBLATT. Kein Wunder: Preisschwankungen von zuletzt bis zu 20 Cent habe es in dieser Form noch nicht gegeben, sagt Völksen.

Tankstellen leben eigentlich vom Shop-Geschäft

12 Uhr. High Noon an der Tankstelle. Die Anzeige springt um. „Wir erhöhen heute um acht Cent“, sagt Völksen und verweist auf die notwendige Mischkalkulation. „Wir geben die Preise nur weiter, profitieren selbst nicht davon“, sagt sie und erklärt: Ihre Tankstelle habe ein höheres Ausfallrisiko, müsse mit mehr Geld handeln und auch die Kreditkartenkosten wüchsen durch die Höhe der Transaktionen.

Flaute nach 12 Uhr, hier bei bft Willer in der Apensener Straße in Buxtehude.

Flaute nach 12 Uhr, hier bei bft Willer in der Apensener Straße in Buxtehude. Foto: Thumann

„Zum Glück differenzieren die Kunden zwischen den Mineralölkonzernen und uns Tankstellenbetreibern.“ Dennoch leide das Shop-Geschäft, da viele Kunden bereits dreistellige Beträge fürs Tanken zahlten. Und genau davon leben die Betreiber eigentlich.

12.10 Uhr. Plötzlich herrscht Flaute. „Der neue Rhythmus macht natürlich auch die Personalplanung schwieriger“, sagt Völksen. Der Andrang hat sich vom Abend in den Vormittag verlagert. Danach bleibt Zeit für eine Kaffeepause.

So ist die Stimmung an der Kasse

13.45 Uhr. Ortswechsel, Apensener Straße in Buxtehude: Auch bei bft Willer, dem Aral-Nachfolger, ist wenig los. Jörg Franz betankt einen Firmenbus und kommentiert die gesetzlichen Regelungen mit einem Lachen: „Jetzt ist alles teurer.“

Bozena Radtke tankt bei bft in Buxtehude: „Die Politik muss was tun!“

Bozena Radtke tankt bei bft in Buxtehude: „Die Politik muss was tun!“ Foto: Thumann

Und die Stimmung? „Vier von fünf Kunden haben schlechte Laune, und das überträgt sich dann auch auf uns“, sagt bft-Mitarbeiterin Weronika Heitmann, die bereits zu Aral-Zeiten dort gearbeitet hat. „Manchmal hat man keine Lust herzukommen.“ Viele Kunden gäben auch im Shop weniger Geld für Zigaretten, Getränke und andere Lebensmittel aus.

14.16 Uhr. Zurück an den Zapfsäulen: „Katastrophal“, sagt Kunde Reiner Zenke knapp. „Unmöglich“, sagt Bozena Radtke und ergänzt: „Die Politik muss was tun! Man hat das Geld einfach nicht.“ Die Altenpflegerin sorgt sich um die Zukunft.

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