Zähl Pixel
Interview

TKlaus Baumgart in Himmelpforten: „Das war ein Fehler, der uns Millionen kostete“

Bei der Buchmesse in Himmelpforten stellt Kultsänger Klaus Baumgart seine Autobiografie „Roastbeef mit Bratkartoffeln“ vor.

Bei der Buchmesse in Himmelpforten stellt Kultsänger Klaus Baumgart seine Autobiografie „Roastbeef mit Bratkartoffeln“ vor. Foto: B + S Team-Promotion

Zu seinen Hits wird immer noch kräftig gefeiert. Im TAGEBLATT-Interview erzählt Partyschlager-Star Klaus Baumgart vom größten Gänsehautmoment, seinem Lieblingsort an der Nordseeküste und dem kuriosesten Erlebnis.

author
Von Fenna Weselmann
Freitag, 17.04.2026, 23:18 Uhr

TAGEBLATT: In Himmelpforten stellen Sie Ihre Autobiografie vor. Warum heißt das Buch „Roastbeef mit Bratkartoffeln“?

Klaus Baumgart: Eigentlich hatte ich mir einen anderen Titel ausgedacht. Am besten fand ich „Meine Bodylotion heißt Voltaren“ (lacht), aber da gab es rechtliche Probleme. Jeder, der „Roastbeef mit Bratkartoffeln“ hört, fängt erst mal an zu lachen, und das ist schon mal gut. Hätte ich es „An der Nordseeküste“ oder „Eiermann“ genannt, wäre das nicht prickelnd genug gewesen. Im Buch gibt es zwar eine Schlüsselszene zum Titel, aber eigentlich symbolisiert er meinen Lebensstil als Genussmensch, denn Liebe geht bekanntlich durch den Magen.

Was war der Impuls für das Buchprojekt?

Diese Idee schlummerte schon seit längerem in mir. Mein Leben hat so viele abwechslungsreiche Stationen - als DJ und Animateur auf Ibiza, mit Klaus & Klaus und als Vizepräsident beim VfB Oldenburg. Diese ganzen witzigen Geschichten wollte ich einfach zu Papier bringen, und meine Frau Ilona hat mich als Co-Autorin unterstützt.
Der „große Klaus“ startete seine Karriere als DJ.

Der „große Klaus“ startete seine Karriere als DJ. Foto: Privatarchiv

Sie können auf viele Höhepunkte zurückblicken. Welchen Moment wissen Sie besonders zu schätzen?

Oh, da gibt es viele. Der entscheidende war natürlich, als ich meine Frau kennengelernt habe - auf der „Schlager Souvenirs“-Tournee. Das ist ja bis heute prägend für mich.

Und an welchen Bühnenauftritt erinnern Sie sich gern zurück?

Wenn man die Erfolgsstory von Klaus & Klaus nimmt, ist das Bremer Sechstagerennen für mich unvergesslich und im Ranking die absolute Nummer 1. Da waren wir 25 Jahre mega Kult, und bei unseren sechs Abschiedskonzerten damals hatten wir jede Nacht 15.000 Zuschauer. Wenn man dann auf der Bühne steht und die Leute singen jeden Titel mit - was Besseres kann es gar nicht geben.

Ein Kapitel heißt „Der größte Fehler unserer Karriere“. Welcher war das?

Es hängt mit unserem Hit „An der Nordseeküste“ zusammen. Der war eigentlich nur als Albumfüller gedacht, wurde dann aber zum absoluten Kulthit. Weil unser Produzent Kosten sparen wollte, hatten wir auf ein bereits existierendes holländisches Playback zurückgegriffen - samt Autoren- und Verlagsrechten in den Niederlanden. Hätten wir das Lied selbst produziert, wären alle Rechte bei uns gewesen. Das war ein Fehler, der uns im Nachhinein Millionen kostete.

Nach über 40 Jahren ist der Hit nach wie vor ein Schunkelgarant

Die Bedeutung hat man gerade erst wieder gesehen, in der RTL-Chartshow zu den beliebtesten Mitsing-Hits der letzten 60 Jahre. Da waren wir mit unserer Nordseeküste auf Platz 39, zwischen den Beatles und Robbie Williams. „An der Nordseeküste“ ist wirklich eine generationsübergreifende Nummer für die Ewigkeit. Wenn ich schon in der Kiste das Zeitliche gesegnet habe, werden die Leute den Song immer noch singen.

Was war denn Ihr persönlicher Gänsehautmoment mit dem Lied?

Wir hatten mal eine Veranstaltung kurz vor Husum. Im Vertrag stand nur Zeltfest, aber es war ein großes Motorradtreffen mit 2000 Rockern. Und wir in unseren weißen Klamotten machten den ersten Titel, und es kam absolut null Reaktion. Dann folgte „Nordseeküste“ - und wie in einem Kinofilm lagen sich plötzlich alle in den Armen und sangen a cappella „An der Nordseeküste“ - unglaubliche 20 Minuten lang! Das war wirklich ein Gänsehautmoment.

Mit der friesischen Band United 4 wurde „An der Nordseeküste“ als Partyrock-Version aufgenommen.

Mit der friesischen Band United 4 wurde „An der Nordseeküste“ als Partyrock-Version aufgenommen. Foto: B+S Team-Promotion

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsort an der Nordsee?

Ja, ich bin ja unter anderem Kurdirektor der Insel Welsum. Das ist eine Hotelinsel am Bad Zwischenahner Meer in Bad Zwischenahn - eingeweiht als südlichste Nordseeinsel. Da wurde ich 2003 von allen sieben Kurdirektoren der Ostfriesischen Inseln zum Kurdirektor gewählt. Dann musste ich natürlich überall ein „Praktikum“ machen und habe alle Inseln besucht.

Seitdem liebe ich Wangerooge, auch weil ich gebürtiger Oldenburger bin und Wangerooge praktisch der Inselausläufer der Stadt ist. Ich bin aber auch gerne auf Norderney und Baltrum.

Das Buch ist gespickt mit Fotos aus Ihrem Privatarchiv. Welches Bild von sich mögen Sie denn am meisten?

Das Hochzeitsfoto. Da seh‘ ich richtig gut aus - so gut, dass ich mich da auch selber heiraten würde.

Sie versprechen ganz viele unbekannte Anekdoten. Worauf dürfen sich eingefleischte Fans besonders freuen?

Zum Beispiel als wir 1989 bei „Wetten dass..?“ bei Thomas Gottschalk waren und da auf dem Pferd reingeritten sind und singen mussten: „Da sitzt ein Klaus auf‘m Pferd!“

Das Showbusiness hat ja ganz viel Potenzial für spannende Begegnungen. Verraten Sie doch mal eines Ihrer kuriosesten Erlebnisse.

Das war in Rastede, als ich ein Trabrennen gegen Fritz Wepper gefahren bin. Am Tag vorher habe ich noch ein Einführungsrennen gehabt und dachte, das ist ja alles easy. Was ich allerdings nicht wusste: Fritz Wepper war da eine richtige Nummer mit Profi-Lizenz. Und ich komme dort als Kasper an und hatte gegen ihn nicht mal den Hauch einer Chance.

Ihr Herz schlägt nicht nur für die Musik, sondern genauso für Fußball, mit einer ganz langen Verbundenheit mit dem VfB Oldenburg. Wenn Sie an den grünen Rasen denken, was ist da Ihre schönste Erinnerung?

Wie wir damals mit der A-Jugend vom VfB Oldenburg 3:2 in Stade gewonnen haben. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Güldenstern Stade, den Namen vergesse ich nie.

Schlägt Ihr Herz noch immer so für Fußball?

Durch meine damalige Tätigkeit als Vizepräsident beim VfB habe ich unheimlich viele Leute kennengelernt, mit denen ich heute noch sehr eng im Kontakt bin. Fußball hat mir doch so einiges gegeben. Vielleicht hätte ich da noch eine andere Karriere einschlagen können, wenn die Klaus & Klaus Erfolgsgeschichte nicht so dominant gewesen wäre.

Für Klaus Baumgart gibt es nur ein' Rudi Völler.

Für Klaus Baumgart gibt es nur ein' Rudi Völler. Foto: Privatarchiv

Ich habe damals einen super Titel geschrieben mit „Es gibt nur ein‘ Rudi Völler“, der bis heute in aller Munde ist. Und für die WM in den USA, Mexiko, Kanada veröffentlichen wir jetzt demnächst unseren alten Hit „Viva la Mexico“ noch einmal im modernen Sound neu.

Ansonsten bin ich ein reiner Fernsehzuschauer geworden, was die Bundesliga anbelangt. Live gucke ich aber noch die Regionalliga Nord und gehe hier zur Eintracht Norderstedt, weil dort eine ganze Reihe Freunde von mir sind - und verfolge natürlich auch, was Drochtersen macht.

Ihren eigenen Erzählungen sind ja Worte von verschiedenen Weggefährten vorangestellt. Welches Statement hat Sie denn am meisten bewegt?

Im Prinzip jedes Statement - ob das der ehemalige FC Bayern München Fußballstar Rainer Zobel ist oder der ehemalige NDR-Moderator Lutz Ackermann, der die Klaus & Klaus Geschichte von Anfang an begleitet hat, oder einer der aktuellen Party- und Ballermannstars wie Peter Wackel. Es freut mich schon sehr und macht mich auch stolz, dass sie alle dabei sind.

Im Buch schauen Sie nicht nur zurück. Welche Träume sind denn noch offen?

Ich hoffe, dass sich ein Traum unter Umständen noch erfüllt. Die Verfilmung meines Buches wäre für mich noch das Nonplusultra.

Und wer würde Ihre Rolle spielen?

Von der aktiven Zeit wäre das natürlich Peter Wackel. Der würde das sicher gut hinbekommen und verkörpern können.

Klaus Baumgart mit Mickie Krause und Peter Wackel.

Klaus Baumgart mit Mickie Krause und Peter Wackel. Foto: Privatarchiv

Klaus Baumgart stellt seine Autobiografie an diesem Wochenende, 18. und 19. April, bei der Buchmesse in der Himmelpfortener Eulsetehalle vor. An beiden Tagen ist er dort jeweils von 11.30 bis 13 Uhr als Stargast zu erleben.

Zur Person

Klaus Baumgart, geboren 1954 in Oldenburg, ist Partyschlagersänger und Gründungsmitglied des Kultduos Klaus & Klaus. Zunächst absolvierte Baumgart eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann und arbeitete als DJ in Oldenburg sowie Chefanimateur auf der Partyinsel Ibiza. 1979 traf er auf Produzent Rainer Felsen und veröffentlichte unter dem Namen Dixie seine erste Schallplatte, bevor er mit Torfrock-Sänger Klaus Büchner als Klaus & Klaus durchstartete. Auf ihren Erfolg mit „Da steht ein Pferd auf‘m Flur“ folgten Hits wie „An der Nordseeküste“, „Der Eiermann“ und „Es gibt nur ein‘n Rudi Völler“. Von 1990 bis 1993 war Klaus Baumgart dazu Vizepräsident des Fußballvereins VfB Oldenburg. 1997 trennten sich Baumgart und Büchner, der sich auf Torfrock konzentrieren wollte. Als Klaus & Klaus auf der Bühne steht er jetzt mit Claas Vogt an seiner Seite.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel