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TLandräte fordern wolfsfreie Gebiete für Deichschafe entlang der Elbe

Diese Schafe beweiden den Elbdeich in Jork.

Diese Schafe beweiden den Elbdeich in Jork. Foto: Wisser

Wolfsangriffe bereiten den Deichschäfereien Probleme. Die Landkreise Stade, Harburg und Cuxhaven haben sich deshalb an Niedersachsens Landwirtschaftsministerin gewandt. Diese hat reagiert.

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Von Karsten Wisser
Montag, 15.06.2026, 05:40 Uhr

Buxtehude. Deichschafe gehören traditionell zum Küstenschutz an der Elbe und ihren Nebenflüssen. Sie prägen nicht nur das Landschaftsbild. Für die Pflege der Deiche und den Hochwasserschutz sind sie unverzichtbar. Doch immer wieder greifen Wölfe Deichschafe an.

Um die Schafe besser zu schützen, fordern die Landräte der Landkreise Stade, Cuxhaven und Harburg parteiübergreifend, Weidegebiete entlang der Elb- und Flussdeiche auszuweisen. Ein entsprechendes Schreiben schickten die Landräte Kai Seefried (Stade, CDU), Rainer Rempe (Harburg, CDU) und Thorsten Krüger (Cuxhaven, SPD) an Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte.

Lebensgrundlage von 680.000 Menschen sichern

„Dadurch könnte das Weidegebiet wolfsfrei gehalten werden – ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Küsten- und Hochwasserschutzes in der Elbe-Weser-Region“, heißt es in der Erklärung der drei Landräte. Die drei Landräte betonen, dass ein ganzheitlicher und wirksamer Küsten- und Hochwasserschutz für ihre Landkreise wegen ihrer Lage an der Elbe mit ihren zahlreichen Nebenflüssen von herausragender Bedeutung ist. Nur so lasse sich die Lebensgrundlage der rund 680.000 Menschen in der Region nachhaltig sichern.

Gemeinsam fordern (von links) die drei Landräte Kai Seefried, Rainer Rempe und Thorsten Krüger von Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte für den Küsten- und Hochwasserschutz wolfsfrei zu haltende Weidegebiete an den Deichen.

Gemeinsam fordern (von links) die drei Landräte Kai Seefried, Rainer Rempe und Thorsten Krüger von Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte für den Küsten- und Hochwasserschutz wolfsfrei zu haltende Weidegebiete an den Deichen. Foto: Landkreis Stade/Beneke

Die Botschaft ist klar: Im Zweifel hat der Deichschutz Vorrang. „Dieser kann nur gewährleistet werden, wenn sich insbesondere die Elbdeiche, aber auch die Deiche an den Nebenflüssen, in einem sehr guten und damit wehrhaften Zustand befinden“, betonen sie. Die Hauptlast dieser Verantwortung tragen die drei Landkreise gemeinsam mit den Deichverbänden.

Wölfe attackieren immer wieder Deichschafe im Kreis Stade

Allein der Landkreis Stade hat 223 Kilometer Deiche an der Elbe und ihren Nebenflüssen. 2024 gab es in Jork im Alten Land zwei bestätigte Angriffe auf Deichschafe. Dabei starben 20 Tiere. Der Fall der Jorker Wölfin sorgte überregional für Schlagzeilen. Auch in Kehdingen und im benachbarten Cuxhaven kommt es öfter zu Wolfsrissen.

Die bestmögliche Form der Deichpflege ist aus Sicht der Landkreise und der Küstenschutzexperten die Schafbeweidung. Die Schafe halten die Grasnarbe kurz und festigen den Boden. Doch der Wolf stellt die Deichschäfereien vor große Probleme. Der Hüteaufwand steigt. Dazu kommen Konflikte durch Herdenschutzhunde in stark touristisch geprägten Gebieten.

Hier ist die Ausbreitung des Wolfs nicht erwünscht

Durch die Ausweisung von Weidegebieten lässt sich diesen Problemen begegnen. Nach einer Änderung des Bundesjagdgesetzes und der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht können solche Gebiete angeordnet werden. Dort ist eine Ausbreitung des Wolfs aus „übergeordneten Gründen“ laut Gesetz nicht erwünscht.

Aus Sicht der Landkreise Cuxhaven, Harburg und Stade liegt mit dem Küsten- und Hochwasserschutz ein solcher übergeordneter Grund vor, „der es rechtfertigt und auch erforderlich macht, wolfsfrei zu haltende Weidegebiete entlang der Elbdeiche und der Deiche der Nebenflüsse unverzüglich auszuweisen“.

Forderung: Ministerin soll Weidegebiete unterstützen

Deshalb fordern die drei Landräte Ministerin Staudte und ihr Ministerium auf, die Landkreise bei der Ausweisung von Weidegebieten entlang der Deiche fachlich und politisch zu unterstützen. So solle das Land Niedersachsen einen Beitrag zur Sicherung des Küsten- und Hochwasserschutzes in der Elbe-Weser-Region leisten.

„Der Schutz der Deiche wird bei Problemen mit Nutztierrissen durch das Konzept der Schnellabschüsse und der niedersächsischen Interventionsgebiete im Managementplan – die sogar die Entnahme ganzer Rudel zulassen – zielgerichtet auch auf Deichen verbessert“, sagte Ministerin Staudte dem TAGEBLATT.

Absage: Ministerin will problemwolffreie Gebiete

Die Ministerin erteilt den Landräten auf TAGEBLATT-Nachfrage eine Absage: Mit den Interventionsgebieten wollte Niedersachsen eine weitere Möglichkeit etablieren, die Situation in besonders von Wolfsrissen betroffenen Regionen zu entschärfen. „Wir verfolgen das Konzept der ‚problemwolffreien‘ Gebiete, nicht der wolfsfreien Gebiete“, sagt Staudte.

Miriam Staudte (Bündnis 90/Die Grünen) ist die niedersächsische Landwirtschaftsministerin.

Miriam Staudte (Bündnis 90/Die Grünen) ist die niedersächsische Landwirtschaftsministerin. Foto: Shireen Broszies/dpa

„Vonseiten des Naturschutzes wird die Vereinbarkeit mit dem EU-Schutzstaus des Wolfs mit dauerhaft wolfsfreien Gebieten infrage gestellt“, schildert das Landwirtschaftsministerium seine rechtliche Bewertung. Gerichte müssen dies klären.

Jäger dürfen im Interventionsgebiet während der Jagdzeit alle Tiere eines Rudels unabhängig vom Alter erlegen. Da sie nur eine begrenzte Zahl an erwachsenen Leittieren erlegen können, ohne den Erhaltungszustand zu gefährden, müsste die Jagd auf Gebiete mit erhöhten Risszahlen konzentriert werden. In Niedersachsen sollen Regionen nach mindestens drei Wolfsangriffen innerhalb kurzer Zeit zu Interventionsgebieten erklärt werden.

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