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TMann aus Buxtehude baut Joint für ein Kind: Gericht fällt Urteil

Eine Person raucht einen Joint. In Buxtehude stand ein Mann vor Gericht, weil er einen Joint gebaut haben soll, den anschließend ein 13-Jähriger ausgehändigt bekam.

Eine Person raucht einen Joint. In Buxtehude stand ein Mann vor Gericht, weil er einen Joint gebaut haben soll, den anschließend ein 13-Jähriger ausgehändigt bekam. Foto: Fabian Sommer/dpa

Weil er mitgeholfen haben soll, dass ein 13-Jähriger Cannabis rauchen konnte, musste sich ein 43 Jahre alter Mann vor dem Amtsgericht Buxtehude verantworten. So ging der Prozess aus.

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Von Thomas Sulzyc
Montag, 09.03.2026, 12:35 Uhr

Buxtehude. Wie alltäglich der Konsum von Cannabis offenbar ist, machte eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Buxtehude deutlich. Ein heute 15 Jahre alter Schüler sagte als Zeuge aus, dass er als 13-Jähriger monatelang täglich Joints geraucht habe.

Die Weitergabe von Drogen an Minderjährige ist ein Verbrechen. Wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur Abgabe von Cannabis an ein Kind musste sich ein 43 Jahre alter Mann aus Buxtehude verantworten.

Vater gibt Sohn (13) regelmäßig Cannabis

Die Haupttat soll der Vater des Jungen begangen haben. Er soll seinem Sohn in der Zeit von etwa Oktober 2023 bis Februar 2024 regelmäßig Cannabis ausgehändigt haben. Der Vater muss sich in einem anderen Gerichtsprozess verantworten.

In einem davon abgetrennten Verfahren stand jetzt der Freund des Vaters vor Gericht. Der 43 Jahre alte Buxtehuder selbst äußerte sich nicht zu dem Vorwurf. Sein Strafverteidiger sprach für ihn.

Was an einem Freitag vermutlich im Februar 2024 in Buxtehude geschehen sein soll, schilderte der Junge so: Wie so oft habe er sich damals bei seinem Vater in der Wohnung Cannabis besorgt. Der Sohn lebt getrennt von seinem Vater bei seiner Mutter.

Eigentlich habe der Vater den Joint bauen wollen, sagte der Junge. Ihm sei aber irgendetwas dazwischengekommen. Deshalb habe der Vater dessen Freund, der neben ihm auf dem Sofa saß, wiederholt aufgefordert, den Joint zu drehen. Der 43-Jährige habe erst nicht gewollt, dann aber nachgegeben.

Der Angeklagte habe den Joint gebaut und dann dem Vater gegeben. Der Vater habe ihn anschließend an seinen Sohn weitergereicht. So schilderte es der Junge. Den Joint habe er nicht im Beisein der Erwachsenen geraucht, sondern später woanders mit Freunden.

Sohn: Deshalb gab mein Vater mir Cannabis

Warum sein Vater ihm Cannabis gegeben habe, wollte die Richterin von dem Jungen wissen. Sein Vater habe herausgefunden, dass er Joints raucht, antwortete der Sohn. Sein Vater habe gewollt, dass er lieber möglichst reines Cannabis von ihm rauche - und nicht die dreckige Droge aus dem Straßenhandel. Cannabis von der Straße werde mit Zusatzstoffen gestreckt. Zum Beispiel mit Haarspray, erklärte der Junge der Richterin.

Woher der Vater das Cannabis bezogen hatte, wisse er nicht, antwortete der Junge der Richterin.

13-Jähriger: Ich war abhängig von Cannabis

Ob er damals als 13-Jähriger abhängig von Cannabis gewesen sei, fragte die Richterin. „Ich denke, ja“, antwortete der Junge. Nach eigenen Angaben habe er monatelang etwa zwei Joints am Tag geraucht. Aber heute sei er nicht mehr abhängig. „Ich habe mich dazu entschieden - von allein.“ Aufgehört habe er bereits 2024.

Der Zeuge rückte zunehmend in den Mittelpunkt des Gerichtsprozesses - der Angeklagte in die Nebenrolle. Zeit, zu ihm zurückzukehren, fand sein Strafverteidiger: „Für mich läuft das auf einen Freispruch heraus“, sagte Rechtsanwalt Lars Zimmermann zu der Richterin.

Amtsgericht spricht Urteil

Am Ende erging dieses Urteil: Das Verfahren gegen den Angeklagten wird vorläufig eingestellt - gegen Zahlung von 300 Euro Geldbuße an die Staatskasse. Der Angeklagte ist arbeitslos, darf die Summe innerhalb von sechs Monaten in Raten zu jeweils 50 Euro bezahlen.

Auch wenn das neue Cannabis-Gesetz, seit April 2024 in Kraft, den Umgang mit Cannabis teilweise legalisiert: Die Weitergabe an Kinder und Jugendliche wird bestraft.

Ein 47-Jähriger aus Eutin (Schleswig-Holstein) zum Beispiel musste 2024 in Haft, weil er seinem Stiefsohn und seiner Freundin (damals beide 13) einen Joint gedreht hatte, berichteten die Lübecker Nachrichten.

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