TMetzger Lesser an der B73: Wo die Kunden schon um 4.30 Uhr Schlange stehen
Sophie Lesser ist gelernte Köchin und arbeitet wie ihre Zwillingsschwester Marie im Betrieb der Eltern. Foto: Scholz
Frühmorgens werden in der Kult-Metzgerei die bekannten Leberkäse-Brötchen vorbereitet. Draußen warten bereits die Stammkunden. Warum kommen sie immer wieder?
Heimfeld. 4.23 Uhr. Vor der Metzgerei Lesser flackert das Licht eines Fahrrads auf. Andreas („Vorname sollte reichen“) steigt ab, zündet sich eine Zigarette an und wartet vor dem Eingang. So wie fast jeden Morgen.
Die Metzgerei öffnet zwar erst in knapp einer Viertelstunde, aber: „Wenn ich nicht der Erste in der Schlange bin, komme ich zu spät zur Arbeit“, sagt Andreas. Und er ist nicht der Einzige, der das Warten gerne in Kauf nimmt.
Prominenter Besuch: Familie Lesser mit Moderator Kai Pflaume (Zweiter von links) und Streamer MontanaBlack (Zweiter von rechts). Foto: privat
Wer aus dem Kreis Stade nach Hamburg fährt, kennt das Backsteingebäude direkt an der B73. Selbst Moderator Kai Pflaume, Streamer MontanaBlack und Fernsehkoch Frank Rosin haben hier schon die Leberkäse-Brötchen probiert, für die Lesser in der Region bekannt ist.
Zwillingsschwestern arbeiten in der Metzgerei der Eltern
Im Verkaufsraum ist es noch dunkel. Nur die Auslage leuchtet. Darin: Burgunderbraten, Schnitzel, Frikadellen, Rührei und natürlich: Leberkäse in verschiedenen Varianten. „Wir waren schon fleißig“, sagt Britta Lesser.

Die Auslage leuchtet - vorne Burgunderbraten, hinten Leberkäse. Foto: Scholz
Die 54-Jährige und ihre Tochter Sophie (26), gelernte Köchin, haben bereits um 3 Uhr angefangen. Geschäftsführer Herwig Lesser, Brittas Ehemann, übernahm den Laden 1993 in vierter Generation. Sophies Zwillingsschwester Marie (26) hat im Betrieb gelernt und ist dort heute Fleischermeisterin. An diesem Morgen beginnt sie später.
Der Weg des Leberkäses in die Auslage
Vor Britta Lesser in der Auslage liegen bereits sechs längliche Leberkäse. Diese seien am Vortag hergestellt worden, erklärt sie. Über Nacht kam die Rohmasse dann bei niedriger Temperatur in den Ofen; am Morgen bekam der Leberkäse beim Nachgaren nur noch seine typisch bräunliche Kruste. Geschlachtet wird bei Lesser übrigens nicht mehr.

Seit 1935 beheimatet dieses Gebäude die Metzgerei Lesser. Foto: Scholz
Noch fehlt etwas Wichtiges: die Brötchen. Erst wenn sie da sind, können die Vorbestellungen abgearbeitet werden, erklärt Britta Lesser und nimmt einen Schluck aus der Kaffeetasse. „Viele Kunden möchten nicht so lange in der Schlange stehen und ihre Brötchen direkt mit zur Arbeit nehmen.“
Ferien und Baustellen: Was wird heute los sein?
Familie Lesser ist gespannt, wie viele Kunden heute kommen. „Manchmal warten morgens schon über zehn Leute vor der Tür“, sagt Britta Lesser. Doch durch die Sommerferien und mehrere Baustellen auf der B73 erwarten sie weniger Kundschaft. Der Blick geht raus durch die Fensterfront auf die Bundesstraße. Vereinzelt rauschen Autos vorbei.
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Um 4.04 Uhr rollt der Lieferwagen der Bäckerei auf den Parkplatz. 1150 Brötchen werden ausgeladen. Normale, Roggen, Körner, Franzbrötchen. Sofort beginnt das, was Sophie Lesser lachend als „Akkordarbeit“ bezeichnet. Brötchen halbieren, mit Butter bestreichen, Mett drauf, Salz, Pfeffer. Nach rund 60 Brötchen tue die Hand schon weh, sagt sie.

Um kurz nach 4 Uhr werden die Brötchen geliefert. Foto: Scholz
4.23 Uhr. Stammkunde Andreas steht vor der Tür. „Er ist immer zuverlässig da“, erzählt Britta Lesser, als sie ihn durchs Fenster erkennt. Ein wichtiges Geschäft. „Wir leben von unseren Stammkunden.“ Einige melden sich bei ihnen sogar ab, wenn sie eine spätere Schicht haben. Wenig später fährt ein weißer Sprinter auf den Parkplatz, der nächste Kunde.
„Moin! Was darf's sein?“ - „Einmal Mett.“
„Wollen wir aufmachen?“, fragt Britta Lesser ihre Tochter. Um 4.36 Uhr schließen sie die Tür auf. Vier Männer kommen herein, einige in Arbeitskleidung. Gelbe Warnweste, Sicherheitsschuhe. „Moin! Was darf's sein?“ - „Einmal Mett.“ - „Mit Zwiebeln?“ - „Ja, bitte.“ Es geht schnell, es wird geduzt, hin und wieder über dies und jenes geplaudert. Fußball, Urlaub. Die Kasse piept.

4.36 Uhr: Die ersten Kunden decken sich mit Brötchen für den Arbeitstag ein. Foto: Scholz
Andreas, der erste Kunde an diesem Morgen, packt seine Brötchen mit Mett und Burgunderbraten ein und steigt wieder aufs Fahrrad. Lkw-Fahrer Ullrich nimmt auf dem Weg in den Hamburger Hafen fast jeden Tag einen Umweg in Kauf. Heute kauft er einen Kaffee und zwei Brötchen - das mit Leberkäse für einen Kollegen, das mit Leberwurst für sich selbst. Stammkunde Sven kommt vor seiner Schicht bei Mercedes hier vorbei. Was er an Lesser schätzt: „Vor allem das Familiäre.“

Das Leberkäse-Brötchen ist der Renner bei Lesser. Foto: Scholz
Und da ist noch etwas, betonen die drei Kunden: die gute Qualität und der günstige Preis. Zum Beispiel 3 Euro für ein Brötchen mit Leberkäse - und der ist bei Lesser bekanntlich nicht gerade dünn geschnitten. Meistens zwei Zentimeter, „manchmal wird's ein bisschen dicker“, sagt Sophie Lesser und lacht.

Geselle Elias bereitet die Rohmasse für den Leberkäse vor. Foto: Scholz
Während vorne verkauft wird, läuft hinten die Produktion. Mitarbeiterin Susanne füllt hausgemachte Remoulade aus einem Zehn-Liter-Eimer in kleinere Schalen. Gefragt nach dem Rezept, winkt sie ab. Ein altes Familienrezept, betont Britta Lesser. In einem gefliesten Raum nebenan bereitet Geselle Elias derweil schon 150 Kilogramm Leberkäse für die nächsten Tage vor. Als er den Kutter startet, wird es laut - so laut, dass man sich nicht mehr unterhalten kann.
Wie geht's der Metzgerei Lesser?
Auch wenn die Zahl der Metzgereien in Deutschland seit Jahren sinkt und viele nicht mit den Preisen der Supermärkte und Discounter mithalten können, wirkt Herwig Lesser zuversichtlich. „Es ist eine schwierige Branche“, sagt er, „aber es ist machbar. Dem Laden geht's gut.“

Wie geht es den Metzgereien in Deutschland? Lesser bietet auch Vegetarisches an und ist auf Instagram aktiv. Foto: Scholz
Neben klassischen Fleisch- und Wurstwaren bietet Lesser auch Mittagstisch sowie vegetarische Schnitzel und Frikadellen an. Seine Töchter pflegen die Instagram-Seite der Metzgerei und versuchen so, jüngere Leute anzusprechen. Die beiden tragen bereits viel Verantwortung.
Nachfolgerinnen stehen schon bereit
Irgendwann wollen die Zwillingsschwestern den Betrieb mit aktuell zwölf Mitarbeitern übernehmen, dann in fünfter Generation. „Wir sind da irgendwie reingeboren worden“, sagt Sophie Lesser und lacht. Schon in ihrer Kindheit haben sie im Laden mitgeholfen und Mettbrötchen geschmiert. Verlangt habe er die Nachfolge nicht, sagt der 57-jährige Herwig Lesser. „Aber ich finde es schön, wie selbstständig die beiden sind.“ Und als Zwillinge seien sie sich meistens einig.

Familie Lesser: Britta, Sophie, Marie und Herwig (von links). Foto: Schlikis
Kurz vor 5 Uhr. Der große Ansturm ist wie erwartet ausgeblieben, aber es sind immer Kunden im Laden. Brötchen mit Leberkäse, Burgunderbraten und Frikadelle seien an diesem Morgen bisher am besten gelaufen, sagt Britta Lesser. Sie muss weitermachen. In der Schlange stehen wieder sechs Leute.
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