TPhantom von Himmelpforten: Timm Lamba auf den Spuren von Serienmörder Wichmann
Timm Lamba aus Himmelpforten arbeitet an einem Buch über den Mörder Kurt-Werner Wiechmann. Er sucht Zeitzeugen in Himmelpforten und Umgebung. Foto: Klempow
Der Täter wurde nie gefasst. Anfang der 80er Jahre wurden zwei Frauen in Himmelpforten ermordet, die Rede war vom „Phantom von Himmelpforten“. Timm Lamba ist auf Spurensuche.
Himmelpforten. „Es muss ein riesiges Dunkelfeld geben, von dem man noch nicht mal weiß, wie groß es ist“, sagt Timm Lamba. Er lebt in Himmelpforten und hat sich ein großes Projekt vorgenommen. Er schreibt ein Buch über den „Menschenjäger“ Kurt-Werner Wichmann, bekannt als Göhrde-Mörder.
Es gibt eine mehrteilige Fernsehdokumentation, Podcasts und Zeitungsreportagen über den sogenannten Göhrde-Mörder, der sich in Untersuchungshaft 1993 das Leben genommen hat und nie verurteilt wurde.
In der Öffentlichkeit steht auch die Ermittlergruppe um den ehemaligen Hamburger LKA-Chef Reinhard Chedor, die noch immer Spuren sucht und Zeugen befragt. Ermittler, die keine Ruhe geben.
Buchprojekt trägt Fälle zusammen
Was es noch nicht gibt, sagt Timm Lamba, ist ein Buch, das all die losen Enden benennt. Jedes lose Ende bedeute aber: ein Mensch, der verschwunden ist - oder der getötet wurde. „Hinter jedem Schicksal stehen Eltern, Partner, Kinder“, sagt Lamba. Das bewegt ihn. „Diese Ungewissheit, das macht viel mit einer Familie.“
Lamba will in seinem Buch „Auf Menschenjagd - Die Spur des Friedhofsgärtners“ einen Überblick über die Cold Cases, die ungelösten Verbrechen, geben. Es sind Vermissten- und Mordfälle, die alle diesem Täter zugeschrieben werden könnten. Weil die Taten in einer bestimmten Region oder zu einer bestimmten Zeit verübt wurden. Dazu gehören die Rhein-Neckar-Morde oder die sogenannten Disco-Morde im Elbe-Weser-Dreieck (1977 bis 1986), aber auch zwei Tötungsdelikte in Himmelpforten Anfang der 80er Jahre.
Auf der Suche nach Zeitzeugen
Timm Lamba versucht, Zeitzeugen zu finden, in Himmelpforten hat er dafür Flyer verteilt. Zwei Frauen starben damals in ihren Häusern. Die Rentnerin Mariechen Poppe wurde nach einem Brand in ihrem Haus in der Lohestraße am Sonntag, 30. Januar 1983, tot aufgefunden. Die Nachbarin wollte damals der Rentnerin wie jeden Morgen das Frühstück zubereiten und ihr beim Anziehen helfen. Ihr kam „beißender Rauch entgegen“, sie rief ihren Mann zu Hilfe und alarmierte die Feuerwehr.
Gefunden wurde die 74-Jährige tot und halbnackt unter ihrer Decke im Bett. Für die Nachbarin war das „mysteriös“. Die Rentnerin habe schon seit Jahren ihre Schlafstatt auf einem Sessel in der Stube hergerichtet. Die Obduktion ergab einen Halswirbelbruch und beidseitig mehrere gebrochene Rippen. Am Tatort wurde Blut gefunden. Die Polizei ging davon aus, dass die Blutstropfen vom Mörder stammten. 3000 Mark Belohnung wurden für Hinweise ausgesetzt. Gefasst wurde der Täter nie.
62-Jährige in Himmelpforten erdrosselt
Eineinhalb Jahre später wurde Meta von Ahn ermordet. „In ihrem Häuschen am Hüperskamp 14“, berichtete das TAGEBLATT am 7. August 1984. Die Tochter und ihr Verlobter hatten ihr die Rente überbringen wollen und sahen Grauenvolles - die „schon verwesende Leiche auf dem Sofa im Wohnzimmer“.

Mord an Meta von Ahn: Die Berichterstattung 1984 im TAGEBLATT. Foto: TAGEBLATT
Offenbar war die 62-Jährige erdrosselt worden, die Polizei schloss ein Sexualverbrechen nicht aus. Am 27. Juli 1984 war Meta von Ahn zuletzt gesehen worden. Der mögliche Tatzeitraum wird auf das Wochenende um den 29. Juli eingegrenzt.
T „Einfach nur Angst“: Ist er in Stade dem Serienmörder begegnet?
Die zierliche und schwer kranke Frau habe sehr zurückgezogen gelebt, hatte kaum Kontakt zu den Nachbarn, schrieb das TAGEBLATT. Im Dorf galt sie als „wunderlich“, so Lamba. Sie sei nachts wild schreiend durch den Ort gelaufen. Vielleicht sei der Täter so auf sie aufmerksam geworden.
Vergewaltigung in Engelschoff
Auf die Liste möglicher Wichmann-Taten setzt Lamba weitere Verbrechen: Am 10. September 1984 wurde in Engelschoff eine 79-Jährige vergewaltigt und ausgeraubt. Danach habe der Täter sie bis über den Kopf zugedeckt. Am 29. September 1989 wurde eine 81-Jährige in Hammah ausgeraubt. Bevor es zur Vergewaltigung kam, habe der Täter von ihr abgelassen. Aber er soll sie bis über den Kopf zugedeckt haben. Die Ermittlungen blieben erfolglos. Der Begriff vom „Phantom von Himmelpforten“ machte die Runde.
So mancher sah im Selbstmord eines jungen Himmelpforteners nicht lange nach der Tat ein Schuldeingeständnis, der zuständige Ermittler habe daran Zweifel gehabt, so Lamba.

Timm Lamba aus Himmelpforten will einen Überblick zu allen Verdachtsfällen im Zusammenhang mit Serienmörder Kurt-Werner Wichmann bieten. Foto: Klempow
Unterwegs im Opel Senator
„Vielleicht gibt es ja zu diesen Fällen noch Zeugen, die sich an ein auffälliges Auto oder eine merkwürdige Begegnung erinnern“, so Lamba. „Ich gehe davon aus, dass es Frauen gibt, die selbst etwas erlebt haben, aber gar nicht die Verbindung zu Wichmann ziehen konnten“, so der Himmelpfortener.
Auch Männer haben sich nach Aufrufen der Ermittlergruppe zwischenzeitlich gemeldet, weil sie im Nachhinein glauben, Wichmann begegnet zu sein. Ein Zeuge beschrieb das Auto, einen Opel Senator mit Lüneburger Kennzeichen. Lamba hat mit KI ein mögliches Bild von diesem Fahrzeug generiert. Auch das könnte Erinnerungen wachrufen.

Das Bild vom Opel Senator hat Autor Timm Lamba mit KI erstellt. Er hofft, dass es Erinnerungen an Begegnungen in den 80er Jahren wachruft. Foto: TAGEBLATT
„Ich will nicht dem Mörder eine Bühne geben, ich will berichten, weil es wichtig für die Opfer und die Hinterbliebenen ist“, sagt Timm Lamba. Seine Hoffnung: Wenn sich nur ein weiterer Hinweis findet, habe sich die Arbeit schon gelohnt.
Zu erreichen ist Timm Lamba per E-Mail unter lamba.buch@gmail.com oder telefonisch unter 0152/09214361
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