TSchwertransporte durch den Landkreis Stade: Was Autofahrer wissen müssen
Die Aufschrift „Schwertransport“ steht auf der Anzeigetafel eines Begleitfahrzeugs (Symbolbild). Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Hunderte Lkw liefern demnächst Windräder nach Kutenholz und befahren auch eine beliebte Pendlerstrecke. Wann und wo es im Landkreis zu Verkehrsstörungen kommen kann.
Fredenbeck, Harsefeld, Buxtehude. Eigentlich sollten schon seit Montagnacht die Schwerlasttransporter mit Teilen für den Windpark Kutenholz durch den Landkreis Stade und vor allem die Samtgemeinden Harsefeld und Fredenbeck rollen. Doch bis diese Spezialfahrzeuge auf ihrer Route bis Kutenholz den Verkehrsteilnehmern begegnen, dauert es noch. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Windpark Kutenholz und den Hunderten Fahrten.
Was passiert im Windpark Kutenholz?
Neu ersetzt alt: Noch in diesem Jahr werden im Windpark Kutenholz 13 Windkraftanlagen des Typs E-175 EP5 E2 vom Windenergieanlagenhersteller und -lieferanten Enercon aus Aurich installiert. Im letzten Quartal des Jahres sollen alle in Betrieb genommen werden.

Der Windpark Kutenholz wurde und wird schrittweise mit neuen Windkraftanlagen erweitert. Er erstreckt sich von Mulsum im Norden über Kutenholz im Westen, Aspe im Süden und Wedel im Osten. Das Unternehmen Alterric aus Aurich ist hier Windparkbetreiber und ein Joint Venture der Aloys Wobben Stiftung, die Alleingesellschafterin von Enercon ist, und der Energieversorgung Weser-Ems (EWE). Foto: T. Meyer
Diese 13 neuen ersetzen 20 alte Windräder, die zurückgebaut werden und „am Ende ihrer Lebensdauer“ sind, so Astrid Marianna Lampe. Sie ist beim Betreiber des Windparks Kutenholz Alterric für den Bereich Kommunikation zuständig. Kein Windparkbetreiber bewirtschaftet deutschlandweit so viele Onshore-Windkraftanlagen wie Alterric.
Die Transporte liefern Teile für die Windräder wie beispielsweise Rotorblätter, Generatoren, Maschinenhäuser - auch Gondeln genannt - und Turmteile. Die Anlagen haben eine Nabenhöhe von 162 Metern.
Warum treibt Alterric den Austausch von Altanlagen, das sogenannte Repowering, voran?
„Wir repowern den Windpark, um das Potenzial des bewährten Standorts für die regenerative Energieerzeugung weiter zu nutzen“, sagt Lampe. Alterric könne mit den 13 moderneren Windrädern auf vergleichbarer Fläche „mehr Windenergie erzeugen“. Lampe vergleicht: Während der Windpark Kutenholz mit den alten Windkraftanlagen eine installierte Leistung von 36 Megawatt erreichte, sollen die neuen eine Erzeugungskapazität von 91 Megawatt schaffen.
Das Repowering spare Ressourcen beim Bau und Netzanschluss der Windräder, sagt Lampe, da teilweise die bestehende Infrastruktur aus Verkehrswegen, Kabel und Umspannwerk weiter genutzt werden könne.
In welchem Zeitraum erfolgen die Transporte?
Die Transporte werden ab Montag, 24. August, bis Mitte Oktober 2026 durchgeführt. Ursprünglich sollte es schon am Montag, 20. Juli, losgehen. Zeipläne ändern sich, weil sich „bei Projekten dieser Größenordnung und Komplexität“ viele Faktoren „entlang der Logistikkette“ wie Zuwegungen, Umschlagpunkten und Transportabläufe während der Planung ändern, begründet Alexander Hesse von der Enercon-Kommunikationsabteilung die Verzögerung.
„Auch temporäre Rahmenbedingungen wie Baustellen, laufende Instandhaltungsmaßnahmen oder veränderte Verkehrsführungen fließen kontinuierlich in die Planung ein und werden frühzeitig berücksichtigt. Solche Anpassungen sind bei komplexen Infrastrukturprojekten daher nicht ungewöhnlich und bewegen sich im üblichen Projektrahmen“, sagt Hesse.
Wie Daniel Beneke, Pressesprecher des Landkreises, auf TAGEBLATT-Nachfrage erklärt, seien Fahrten tagsüber zwar nicht ausgeschlossen, allerdings sollen die Transporte hauptsächlich nachts stattfinden. Damit solle der regionale Verkehrsfluss möglichst wenig behindert werden, so auch Astrid Marianna Lampe.
Welche Route werden die Transporter nehmen?
Die Schwerlasttransporte sollen von der B3 bei Rade über die B73 durch Buxtehude und Horneburg sowie die L123 und den Kreisverkehr Linah in Richtung Kutenholz führen.
Welche Maßnahmen mussten entlang der Strecke durchgeführt werden?
Um den Verkehrsablauf reibungslos und sicher gestalten zu können, sind Maßnahmen entlang der Strecke nötig. Neben dem Landkreis Stade, dessen Straßenverkehrsamt Genehmigungsbehörde für die Transporte ist, sind dafür auch die Straßenverkehrsbehörden der Hansestadt Buxtehude und der Samtgemeinde Harsefeld zuständig.

Der Kreisverkehr Linah musste zeitweise rückgebaut werden, um den Transportern das Passieren zu ermöglichen. Foto: P. Meyer
So wurde etwa die bestehende Ampelanlage an der L123 vorübergehend zurückgebaut und durch eine mobile Anlage ersetzt. Wie die Samtgemeinde Harsefeld auf Anfrage mitteilt, seien in Bargstedt und Issendorf Äste zurückgeschnitten und ein Baum gefällt worden. Zudem müssen Schilder und Lichtmasten temporär entfernt werden. Wie schon im vergangenen Jahr wurde der Kreisverkehr Linah teilweise zurückgebaut, um den Schwerlasttransportern das Passieren zu ermöglichen.
Ähnlich sieht es auf Buxtehuder Gebiet aus, auch hier werden Straßenlaternen oder Verkehrszeichen vorübergehend durch mobile Alternativen ersetzt. Wie Steffen Johannsen, Leiter der Fachgruppe Sicherheit, Ordnung und allgemeiner Bürgerservice, mitteilt, mussten an der B3 bei Ovelgönne Schutzplanken im Kurvenbereich demontiert werden. Der Bereich werde entsprechend mit Lastverteilungsplatten und Baken abgesichert, um Radfahrern und Fußgängern ein sicheres Passieren zu ermöglichen. „Die Höchstgeschwindigkeit ist während der gesamten Dauer der Maßnahme auf 30 km/h beschränkt“, so Johannsen.
Auf der B73 bei Neukloster auf Höhe Höft werden ebenfalls Lastverteilungsplatten verlegt. Hier müssen eine Parkbank und drei Sperrpfosten demontiert werden. Auch hier gilt während der gesamten Maßnahme Tempo 30.
Mit welchen Einschränkungen müssen Bürger rechnen?
Obwohl die meisten Transporte in der Nacht durchgeführt werden, müssen Autofahrer sich für den Zeitraum auf mögliche Einschränkungen einstellen. „Es gibt örtlich Halteverbote und teilweise Sperrungen sowie Sicherungsmaßnahmen von Seitenräumen und Gehwegen. Dazu werden auch Funk-Ampeln genutzt“, erklärt Landkreissprecher Daniel Beneke.
Grüne für regionale Strompreise
Um die Geh- und Radwege sowie Grünstreifen zu schützen, sind Fahrbahnplatten verlegt worden. In Issendorf, Bargstedt und Aspe etwa sind an Werktagen in der Zeit von 22 bis 6 Uhr Halteverbotszonen eingerichtet worden.
Steffen Johannsen erklärt für Buxtehude: „Generell gibt es während der Vorbereitungen (Demontage/Montage) Einschränkungen für den Fahrzeug-, Fußgänger- und Radverkehr.“ Zwar seien teilweise Gehwege mit Lastverteilungsplatten belegt - sie blieben allerdings weiterhin begeh- und befahrbar.
Er verweist weiterhin auf eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeiten für den Fahrzeugverkehr auf 30 km/h in den entsprechenden Bereichen. Zu den Zeitpunkten der Schwerlasttransporte sei auf der Strecke zudem generell mit Einschränkungen und kurzfristigen Sperrungen zu rechnen.
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