TSiegels Vermächtnis: Deshalb kann Stade einen Sammlerschatz zeigen
Die Klassische Moderne in all ihren Facetten: Kuratorin Lea Steinkampf und Kultur-Chef Dr. Andreas Schäfer beim Rundgang durch die neue Ausstellung im Kunsthaus. Foto: Weselmann
Nolde, Chagall, Macke, Miró - Stade hat einen echten Kunstschatz der Klassischen Moderne. Der ist im Verborgenen entstanden und nun erstmals in ganzer Vielfalt zu sehen.
Stade. Mit der neuen Ausstellung „Gekommen, um zu bleiben“ zeigen die Museen Stade einen bedeutsamen Kunstschatz, der über Jahrzehnte ganz im Privaten gewachsen ist. Die sogenannte Sammlung Siegel wird ab Sonnabend, 13. Juni, erstmals in ihrer gesamten Vielfalt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Gemeinsame Leidenschaft begründet die Sammlung
Mehr als 100 Werke der Klassischen Moderne zeichnen das Panorama einer bemerkenswerten norddeutschen Privatsammlung nach. Mit Arbeiten von Künstlern wie Lyonel Feininger, Marc Chagall, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, August Macke, Franz Marc, Emil Nolde, Max Ernst und Edvard Munch fächert die eindrucksvolle Schau rund 60 Jahre Kunstentwicklung vom ausgehenden 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert auf.

In der Sammlung Siegel finden sich vielfältige Arbeiten der Klassischen Moderne wie Christian Rohlfs‘ „Straße bei Soest“ von 1918. Foto: Carsten Dammann/ Dauerleihgabe der Kleio-Stiftung
Die Sammlung geht zurück auf den gebürtigen Stader Dr. Arnd Siegel († 2025) und seine Frau Dr. Erika Siegel († 2006). So wie sie ihre Begeisterung für das Reisen teilten, entdeckten die beiden ihr gemeinsames Interesse für Kunst. Seit den frühen 1980er-Jahren begann das Ehepaar mit großer Leidenschaft zu sammeln. Den Ursprung machte eine in Montevideo erworbene Arbeit.
Frei von kunsthistorischen Dogmen, aber mit einem ausgeprägten Gespür für Qualität schufen Siegels nach und nach einen Bestand, der heute wie ein persönlicher Wegweiser durch Expressionismus, Bauhaus, Surrealismus und Abstraktion gelesen werden kann. Voraussetzung für eine Anschaffung: Das Werk musste beiden gefallen, in einen Dialog bringen und in die Sammlung passen.
Das Stader Ehepaar lebte umgeben von Kunst
Die Siegels lebten mit der Kunst, sie war Teil ihres Alltags, ihrer Gespräche, ihrer Räume. Dabei lag ihnen völlig fern, ihren Kunstschatz je zu präsentieren. Erst die Erkrankung von Erika Siegel bewegte sie zu der Frage, was einmal aus der Sammlung werden sollte, und der damit einhergehenden Dokumentation „Unsere Freude, unsere Sammlung“.
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Stades Kultur-Chef erinnert sich noch genau an den ersten Besuch in Siegels Hamburger Wohnung: „Diese atemberaubende Sammlung hat uns wirklich die Sprache verschlagen. Ihre Wohnung war wie ein Kunstmuseum im Kleinen.“ Arnd Siegel war seiner Heimatstadt immer verbunden. Deshalb stand die Entscheidung, die Sammlung nach Stade zu geben, lange vor seinem Tod.
Kunstschatz hat jetzt sein festes Zuhause in Stade
Ein besonderer Fokus der Ausstellung liegt auf der Sammelpraxis. Siegel kaufte ausschließlich über Auktionen, vertraute auf fachliche Beratung und legte größten Wert auf konservatorische Sorgfalt, transparente Provenienzen und langfristige Erhaltung. Diese Haltung prägt die Sammlung bis heute. Mit der Gründung der Kleio Stiftung zur Erhaltung von Kulturwerten und der im letzten Jahr erfolgten Übergabe an die Hansestadt Stade und den Museumsverein sorgte er dafür, dass die Werke auch über seinen Tod hinaus öffentlich zugänglich bleiben. Ein beispielhaftes Modell privater Kulturverantwortung.

Joan Miró, Série Noire et Rouge, 1938, Kaltnadelradierung auf Velin von „Arches“ Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Nach einer ersten Ausstellung in Stade im Jahr 2010 wird die Sammlung nun in ihrer seither weiter gewachsenen und nun abgeschlossenen Gestalt vorgestellt. Zugleich nimmt sie die Persönlichkeiten dahinter in den Blick: Arnd und Erika Siegel sowie Ingrid Ziplies, die den Sammler in späteren Jahren begleitete. Die Präsentation folgt drei miteinander verschränkten Ebenen: der Entwicklung und Profilbildung der Sammlung, der Rolle des Sammlers als Akteur und dem Verständnis von Kunst als lebendigem Erbe, das in die Gesellschaft hineinwirkt.
Private Leidenschaft wird zum öffentlichen Kulturgut
„Gekommen, um zu bleiben“ macht deutlich, wie eine private Leidenschaft zu einem öffentlichen Kulturgut werden kann. Sie zeigt, dass in einer Sammlung nicht nur Kunst bewahrt, sondern damit einhergehend auch verantwortungsvoll Geschichte betrachtet und auch fortgeschrieben werden kann.

Bunte Blumen und Krabbeltiere: Die Ausstellung lädt zur kreativen Auseinandersetzung mit der Sammlung Klassischer Moderne ein. Foto: Weselmann
Die Schau läuft bis 1. November. Im Begleitprogramm bietet das Kunsthaus Formate wie Werkstattgespräche, restauratorische Einblicke, moderierte Dialoge zur Rolle privater Sammlungen heute sowie Angebote für Schulen und Familien. Ziel ist es, regionale Identifikation zu stärken und zugleich überregionale Aufmerksamkeit für ein Sammlungsmodell zu erzeugen, das kulturelles Erbe mit zeitgenössischer Relevanz verbindet. Nähere Infos finden sich unter www.museen-stade.de.
Das Begleitprogramm in der Übersicht
Führungen
- Sonntags, 15 bis 16 Uhr: Dialogischer Ausstellungsrundgang
- Mittwochs, 17.30 bis 18.30 Uhr: After-Work-Führung
Mit jeweils wechselnden Themenschwerpunkten:
- Moderne Zeiten in der Sammlung Siegel mit Jutta de Vries
- Kunst als Gesellschaft mit Dorothée Füller
- Zwischen Klassikern und Moderne mit Viola Liese
- Slow Art. Gemeinsam konzentriert mit Christoph Peltz
- Große Kunst im kleinen Format mit Matthias Weber
Sonderveranstaltungen
- Sonnabend, 20. Juni, 15 bis 16.30 Uhr: Keine Angst vor großer Kunst - Ausstellungsrundgang für Familien mit Kindern von 4 bis 6 Jahren (Anmeldung über die Fabi)
- Freitag, 3. Juli, 17 bis 24 Uhr: Lange Nacht in Stade mit Führungen um 19 und 20.30 Uhr (Anmeldung erbeten)
- Mittwoch, 12. August, 17.30 bis 19 Uhr: Gekommen um zu trinken - Ausstellungsrundgang mit Weinverkostung in Kooperation mit der Weinhandlung Malberg
- Sonnabend, 29. August, 14 bis 18 Uhr: Atelierwerkstatt - Große Kunst im kleinen Format, konzentrierte Motive mit Aquarell, Pastell- und Ölkreiden
- Freitag, 4. September, 19 Uhr: Für die Ewigkeit? Kunst und Dokumente zu Hause bewahren
- Sonntag, 13. September, 10 bis 18 Uhr: Tag des offenen Denkmals, Führung um 15 Uhr
- Donnerstag, 17. September, 15 bis 17 Uhr: „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten!“ Führung durch das Auktionshaus Stahl, in Hamburg (Treffpunkt Bahnhof Stade 13 Uhr)
- Sonnabend, 3. Oktober, 14 bis 17 Uhr: Siebdruckworkshop - Einführung in den Siebdruck auf Taschen und Karten
- Freitag, 9. Oktober, 19 Uhr: Von London bis nach Verona - Barocke Kammermusik aus Europa
Anmeldung für Führungen, Workshops und Veranstaltungen unter 04141/7977350 oder buchung@museen-stade.de.
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