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HVV-Prüfmarathon

T„Ticket, bitte!“ Unterwegs mit Fahrkartenkontrolleuren im Kreis Stade

Bei der Kontrolle in der S5 wartet das Prüfteam geduldig, bis der Fahrgast sein Ticket auf dem Smartphone gefunden hat.

Bei der Kontrolle in der S5 wartet das Prüfteam geduldig, bis der Fahrgast sein Ticket auf dem Smartphone gefunden hat. Foto: Svenja Weil

Am Donnerstag wurde in Bahnen und Bussen im großen Stil kontrolliert. Das TAGEBLATT hat ein Prüfteam der S-Bahn-Wache begleitet - und ist in der S5 von Neugraben bis Stade mitgefahren.

Von Svenja Weil 25.09.2026, 09:06 Uhr

Landkreis. In Neugraben beginnt für Merle Heinbockel und ihr Team von der S-Bahn-Wache die Arbeit am Streckenast der S5 bis Stade. Die Einsatzleiterin und ihre Kolleginnen und Kollegen sind schon seit 8 Uhr morgens im Rahmen des HVV-Prüfmarathons unterwegs.

Am Mittag ist die Strecke nach Stade dran. Um Punkt 13 Uhr postieren sich mehrere Mitarbeiter der S-Bahn-Wache oben am Treppenaufgang im Neugrabener Bahnhof. Jeder, der von der S-Bahn zum Ausgang will, muss sein Ticket vorweisen.

Beim Prüfmarathon werden an vielen Stationen Abgangskontrollen durchgeführt. Alle, die von der S-Bahn Richtung Ausgang wollen, müssen ihr Ticket vorzeigen, so wie hier in Neugraben.

Beim Prüfmarathon werden an vielen Stationen Abgangskontrollen durchgeführt. Alle, die von der S-Bahn Richtung Ausgang wollen, müssen ihr Ticket vorzeigen, so wie hier in Neugraben. Foto: Svenja Weil

Wer öfter im Hamburger S-Bahn-Netz unterwegs ist, kennt diese im Fachjargon Abgangskontrolle genannte Form der Überprüfung bereits. Sie wird regelmäßig an den Hamburger Stationen durchgeführt. Während oben kontrolliert wird, steigt Einsatzleiterin Heinbockel mit zwei Kollegen in die S5 nach Stade, das TAGEBLATT fährt mit.

Türen zu, die Kontrolle in der S5 beginnt

Ruhig ist es in der Bahn, nur wenige Fahrgäste sitzen weit verstreut in den Wagen. Sobald sich die Türen geschlossen haben, legt das Prüfteam los. Freundlich, aber deutlich werden die Fahrgäste angesprochen. Zwei ältere Damen halten ihr Ticket aus dem Automaten schon bereit. Beim Prüfmarathon sind die Mitarbeiter der S-Bahn-Wache immer uniformiert und sofort erkennbar. Das ist im Alltag nicht immer so.

Auch Prüfteams der S-Bahn-Wache in Zivil sind täglich in den Bahn-Stationen und Zügen im Einsatz, sagt die Sprecherin der S-Bahn Hamburg, zu der die Hamburger S-Bahn-Wache gehört. Sie begleitet die Fahrt durch den Kreis Stade.

16 Millionen Euro Schaden durch Schwarzfahrer

Beim Prüfmarathon sei die deutliche Erkennbarkeit der Prüferinnen und Prüfer ausdrücklich gewünscht, sagt sie. Mit der im Vorfeld angekündigten Aktion wollen alle im HVV zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen bei ihren Fahrgästen das Problem Schwarzfahren ins Bewusstsein rücken.

Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres entstand nach Auskunft des HVV durch Fahrten ohne Ticket ein wirtschaftlicher Schaden von rund 16 Millionen Euro. Auch in der S5 kann nicht jeder Fahrgast ein Ticket vorzeigen. Grundsätzlich sind dann 60 Euro Strafe - offiziell „erhöhtes Beförderungsentgelt“ - fällig. Wenn das Geld sehr knapp ist, kann auch Ratenzahlung vereinbart werden.

Ein Kontrolleur trägt eine Bodycam

Der Fahrgast, den das Prüfteam eben kontrolliert hat, hat zwar eigentlich ein Ticket, kann es aber gerade nicht vorweisen. Das kommt häufig vor, berichtet das Kontrollteam. Die Abokarte liege zu Hause oder der Handyakku sei leer und somit das digitale Deutschlandticket nicht zu sehen. Dann nehmen die Prüfer die Personalien auf und der Fahrgast hat sieben Tage Zeit, das Ticket nachzuzeigen. Das ist mittlerweile auch online möglich.

So arbeiten sich die Prüfer langsam durch die Reihen, immer nah beieinander, falls es doch mal Ärger gibt und Beistand der Kollegen erforderlich ist. Das komme aber nur selten vor, erzählen sie. Dennoch trägt einer im Team eine Bodycam. Die wirke oft schon deeskalierend, berichtet die Bahnsprecherin von den Erfahrungen der letzten Jahre. Geschätzte 95 Prozent aller Kontrollen verlaufen entspannt und friedlich, sind sich die Prüfer einig. Die übrigen fünf Prozent, mit denen es Probleme gab, seien aber die, die in Erinnerung blieben.

„Die meisten Menschen verhalten sich freundlich“

Einsatzleiterin Heinbockel berichtet über ihre Erfahrungen auf der Strecke Richtung Stade: „Hier gibt es nicht auffällig viele Probleme. Weiter stadtauswärts ist es meistens ohnehin ruhiger.“ Aber natürlich sei auch hier die S-Bahn-Wache regelmäßig präsent, auch und gerade nachts. Besonders bedrohlich findet das Dreierteam seinen Job nicht.

Einsatzleiterin Merle Heinbockel von der S-Bahn-Wache kontrolliert während des HVV-Prüfmarathons Fahrkarten in der S5 in Richtung Stade.

Einsatzleiterin Merle Heinbockel von der S-Bahn-Wache kontrolliert während des HVV-Prüfmarathons Fahrkarten in der S5 in Richtung Stade. Foto: Svenja Weil

Ohnehin könnten durch gute Kommunikation viele Situationen entschärft werden, bevor sie gefährlich werden. „Die meisten Menschen verhalten sich uns gegenüber freundlich oder zumindest neutral“, so Heinbockel. Schon durch ihre Präsenz sorgt ihr Team dafür, dass Fahrgäste sich sicherer fühlen. Und wenn Menschen in der Bahn Bedrohliches erleben und gerade keine Sicherheitsstreife mitfahre?

Was tun, wenn man sich in der Bahn bedroht fühlt?

Heinbockel empfiehlt, den Zugführer zu informieren oder direkt in der Leitstelle anzurufen. Wenn eine Streife vor Ort ist, sei diese aber auch bei eher ärgerlichen als beängstigenden Situationen wie technischen Störungen oft erster Ansprechpartner für Fahrgäste.

Ein paar interne Informationsquellen hätten sie und würden so gut wie möglich Auskunft geben, so Heinbockel. An diesem Nachmittag verläuft die Fahrt aber planmäßig.

HVV zieht Bilanz zum Prüfmarathon

Laut HVV wurden am Donnerstag insgesamt 26.052 Fahrgäste kontrolliert, unter ihnen hatten 903 Menschen (3,5 Prozent) keine gültige Fahrkarte bei sich. 300 Prüferinnen und Prüfer seien unterwegs gewesen - und: „Ab sofort wird selbstverständlich wieder unangekündigt kontrolliert“, kündigt das Unternehmen an.

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