T„Trommelwirbel an Tritten“: Angriffe beim Einkaufen und in der Bahn
Auch im Zug von Start Unterelbe soll es auf der Strecke zwischen Cuxhaven und Stade zu einer Attacke gekommen sein. Foto: Stephan
Sechs Straftaten in drei Tagen: Ein falsches Wort, und der 31-jährige Mann sei „getriggert“ worden. Besonders schwer wog jetzt vor dem Amtsgericht Otterndorf eine Attacke auf einem Parkplatz.
Otterndorf/Cadenberge. Der Angeklagte, ein 31-jähriger Hamburger, wurde in Handschellen in den Gerichtssaal in Otterndorf geführt. Er befindet sich derzeit wegen einer anderen Sache in Untersuchungshaft. Der ledige und kinderlose Mann hatte nach eigenen Angaben unter anderem in der Versicherungsbranche und als Paketbote gearbeitet. Nach seiner Haftzeit möchte er beruflich neu anfangen und eine Ausbildung zum Maurer oder Mechatroniker beginnen.
Gegenstand der Verhandlung waren insgesamt sechs Straftaten, die sich an drei Tagen im Jahr 2024 ereignet haben sollen. Mehrere Zeugen berichteten vor Gericht von Auseinandersetzungen am Bahnhof Cadenberge, in einem Zug sowie an einem Einkaufsmarkt.
Während der Auseinandersetzung ins Gleisbett gefallen
Der erste Vorfall datierte vom 15. August 2024. Am Bahnhof Cadenberge soll der Angeklagte zunächst eine junge Frau belästigt haben. Daraus entwickelte sich ein Streit, in den sich weitere Personen einschalteten. Ein Mann, der dazwischengehen wollte, soll vom Angeklagten gewürgt worden sein. Ein zweiter Mann stürzte während der Auseinandersetzung ins Gleisbett, auch der Angeklagte landete dort.
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Wie genau es dazu kam, ließ sich in der Hauptverhandlung allerdings nicht eindeutig klären. Die Aussagen der Zeugen darüber, wer wen geschubst hat und wie die Beteiligten ins Gleisbett gerieten, gingen auseinander. Dieser Tatkomplex wurde schließlich eingestellt.
Ein weiterer Vorwurf betraf den 3. September 2024. In einem Zug des Unternehmens Start Unterelbe soll der 31-Jährige auf Höhe Hechthausen einem Mann unvermittelt auf den Hinterkopf geschlagen haben. Anschließend soll er auf den Mann eingetreten und ihn dabei an Bauch und Brust getroffen haben.
Prellungen und Verletzungen am Auge
Besonders ausführlich beschäftigte sich das Gericht mit einem Vorfall vom 9. November 2024 in Cadenberge. In einem Einkaufsmarkt soll der Angeklagte zunächst eine Frau beleidigt und einem Mann gegen die Schläfe geschlagen haben. Ein heute 62 Jahre alter Cadenberger nahm nach dem Vorfall die Verfolgung auf und fotografierte das Auto des Mannes. Daraufhin kehrte der Angeklagte zurück und attackierte den Cadenberger mit Schlägen und Tritten.
„Das war ein Trommelwirbel an Schlägen und Tritten“, schilderte der Cadenberger vor Gericht. Er beschrieb den Angeklagten als „kampferprobte Person“. Der Mann erlitt Prellungen und eine Schädigung an einem Auge. Der Angeklagte erklärte, das Fotografieren seines Fahrzeugs habe ihn „getriggert“.
„Ich habe viel Stress gehabt“
Der 31-Jährige ist bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten. Seine Vorstrafen reichen von Beleidigung und Hausfriedensbruch bis zu Körperverletzung. Weitere Verfahren stehen noch aus. Seine wiederkehrenden Aggressionsschübe erklärte der Angeklagte damit, dass ihm eine Vertrauensperson fehle. „Ich habe viel Stress gehabt“, sagte er. Probleme mit Alkohol oder Drogen habe er nicht. Er wolle eine Verhaltenstherapie machen und nach der Haft beruflich ins Handwerk wechseln.
Jahre unschuldig in Haft – 32-Jährige gesteht Falschaussage
Am Ende verhängte das Amtsgericht eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten ohne Bewährung. Besonders ins Gewicht fiel dabei der Angriff im Zusammenhang mit dem Einkaufsmarkt in Cadenberge. Allein für diese Tat setzte das Gericht eine Freiheitsstrafe von einem Jahr an.
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