TVerkehrsversuch in Buxtehude: Wildwest in der Einbahnstraße
Das Foto zeigt den Verkehrsschilderwald mit Blick aus der Straße Zwischen den Brücken auf die Bahnhofstraße. Alle Anweisungen auf einem Blick zu erfassen, ist herausfordernd für Verkehrsteilnehmer. Foto: Sulzyc
Die neue Verkehrsführung in der Bahnhofstraße in Buxtehude verwirrt viele. Nicht jeder kann oder will die zahlreichen Schilder lesen; böse Worte fallen. Eine Beobachtung in der Straße.
Buxtehude. „Achtung!“ signalisiert ein Verkehrsschild. Darunter folgt die Begründung: „Verkehrsführung geändert“. Dahinter weitere Schilder: „Einfahrt verboten“ und bereits weit in Richtung Himmel der Hinweis auf das ungewohnte Höchsttempo 20, wo bis vor kurzem 30 erlaubt war.
Der Schilderwald zur Einfahrt in die Bahnhofstraße in Höhe Poststraße und Zwischen den Brücken verlangt dem Autofahrer eine gute Auffassungsgabe ab - nicht alle besitzen sie.
Das ändert sich in der Bahnhofstraße
Wer mit dem Auto wie bisher gewohnt die Bahnhofstraße entlang in Richtung Buxtehuder Bahnhof fahren möchte, darf das nicht mehr. Anfang der Woche hat die Stadt Buxtehude den Verkehrsversuch mit Einbahnstraßenregelung gestartet.
Achtung: Ab heute neue Verkehrsführung in Buxtehuder Bahnhofstraße
Die neuen Regeln lauten: Die Bahnhofstraße wird zur Einbahnstraße für Autos, bleibt aber für Radfahrer, E-Scooter und Busse in beide Richtungen offen. Die Höchstgeschwindigkeit sinkt auf Tempo 20. Radfahrer und E-Scooter nutzen die Fahrbahn.
Die Ziele: die Aufenthaltsqualität in der Bahnhofstraße steigern - und die Verkehrssicherheit erhöhen. Das mit der Verkehrssicherheit ist erstmal nicht gelungen - die neue Verkehrsregelung verwirrt viele.
Verwirrung bei Rad- und Autofahrern
Manche Verkehrsteilnehmer können offenbar Verkehrsschilder nicht lesen - manche wollen es nicht. Das Einbahnstraßenschild kennt doch jeder. Zum Auftakt des Verkehrsversuchs jedenfalls herrscht Wildwest in der Einbahnstraße.

Nur noch an der Kreuzung Bahnhofstraße/Gildestraße ist die Einfahrt in die Bahnhofstraße zulässig. Das Fahrzeug auf dem Foto ist verbotenerweise in die falsche Richtung der Einbahnstraße unterwegs. Foto: Sulzyc
Mittwoch zwischen 12 und 12.15 Uhr vor Marktkauf in der Bahnhofstraße: In 15 Minuten fallen zwölf Verkehrsverstöße auf. Sechs Autofahrer fahren verbotenerweise entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung. Vier Radfahrer nutzen lieber den früheren Radweg als die Fahrbahn. Zwei E-Scooter flitzen über den Fußweg.
„Seid ihr alle bekloppt, oder was?“
Zwei ältere Damen auf dem Fußweg beobachten amüsiert die Autofahrer in verbotener Fahrtrichtung. „Das wird bald krachen“, sagt eine voraus.

Zwei junge Männer auf einem Moped fahren verbotenerweise entgegen der vorgeschriebenen Richtung in die Bahnhofstraße. Foto: Sulzyc
Aggressiver im Ton geht es in einer Szene auf dem Fußweg zu: „Auf die Straße“, ruft eine Frau wütend einem E-Scooter-Fahrer entgegen, der verbotenerweise den früheren Radweg, jetzt Fußweg, nutzt. Der Scooter umkurvt die Frau, ignoriert sie. Zwei Radfahrer folgen - ebenfalls auf dem Fußweg. „Seid ihr alle bekloppt, oder was?“, ruft die Frau ihnen hinterher.
Stadtbaurätin spricht mit Verkehrsteilnehmern in der Bahnhofstraße
Einen Tag zuvor, Dienstag gegen 18.30 Uhr, zeigt sich ein ähnliches Bild: Auffällig viele Autofahrer fahren verbotenerweise entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung. Sie wenden auch nicht, ziehen ihren Kurs durch. Die meisten Verkehrsteilnehmer befolgen aber die neuen Regeln - auch das gehört zur Wahrheit.
Das Wildwest in der Einbahnstraße überrascht Buxtehudes Stadtbaurätin Michaela Springhorn nicht. Zusammen mit Mitarbeitern der Stadt zeigt sie am Dienstag Präsenz in der Bahnhofstraße, um ins Gespräch zu kommen.
„Vier Wochen benötigen Verkehrsteilnehmer, um sich an die veränderte Verkehrsregelung zu gewöhnen“, sagt sie. Das zeigten Erfahrungen. „Wir ändern ja ein Verkehrsverhalten, das sich seit Jahren eingeschliffen hat.“

Buxtehudes Stadtbaurätin Michaela Springhorn baut in der Bahnhofstraße vor dem Stadthaus Informationstafeln zu dem Verkehrsversuch auf. Foto: Sulzyc
Die Reaktionen der Menschen reichten von „deutlicher Ablehnung“ bis zu „klarer Unterstützung“ des Verkehrsversuchs, sagt die Stadtbaurätin. Die Unterstützer seien die Radfahrer, die sich auf der Fahrbahn wohlfühlen.
Polizei macht Ansage an Radfahrer
Auch die Polizei habe am Dienstag Präsenz in der Bahnhofstraße gezeigt, berichtet Michaela Springhorn. In Lautsprecherdurchsagen hätten Polizeibeamte Radfahrer aufgefordert, auf der Straße zu fahren.
Ungewohnt ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit: 20 Stundenkilometer sind maximal erlaubt. Am Mittwoch gegen 12 Uhr zeigt die neu aufgestellte Geschwindigkeitsanzeigetafel: Autofahrer bewegen sich mit 15 bis 28 Stundenkilometern die Bahnhofstraße entlang.

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern in der Bahnhofstraße ist gewöhnungsbedürftig. Foto: Sulzyc
Ein Busfahrer sagt dem TAGEBLATT: „Mit dem Bus ist es einfacher 20 Stundenkilometer zu fahren als mit dem Pkw.“ Als gefährlich erachte er E-Scooter-Fahrer, die plötzlich neben dem Bus fahren oder sogar überholen.
In den ersten Tagen des Verkehrsversuchs würden Polizeibeamte und Ordnungsamtsmitarbeiter noch das informierende Gespräch mit Verkehrssündern suchen, sagt Michaela Springhorn. Die vielen Verkehrsverstöße sind auch ihr nicht entgangen. „Irgendwann kann man das nicht mehr dulden.“
So viel Bußgeld droht bei den Verkehrsverstößen
Wer mit dem Auto eine Einbahnstraße in falscher Richtung befährt, muss laut dem Portal Bußgeldkatalog.org 50 Euro zahlen. Radfahrern und E-Scooter-Fahrern auf dem Fußweg droht 55 Euro Bußgeld. Das Auto in einer Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung zu parken, kostet 15 Euro.
Ein Jahr dauert der Verkehrsversuch. Verbesserungsvorschläge seien jederzeit willkommen, sagt die Stadtbaurätin. „Nichts ist in Asphalt gemeißelt.“
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