TWetterextreme – und die Folgen für Landwirte im Kreis Stade
Hitze und Trockenheit hinterlassen deutliche Spuren in der Landwirtschaft. Foto: Jens Büttner/dpa
Hitze mit über 40 Grad - der Sommer 2026 zählt zu den extremsten seit der Aufzeichnungen. Wie dramatisch die Lage für Landwirte dadurch ist.
Fredenbeck. Das Erntejahr ist noch nicht abgeschlossen: Mais, Zuckerrüben und manche Kartoffeln warten auf dem Acker noch auf die Erntemaschinen. Doch die Erntebilanz der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigt bereits deutlich: Wetterextreme stellen die Landwirte vor große Herausforderungen.
Wie haben sich die Wetterextreme ausgewirkt?
Im Vergleich zum Vorjahr gibt es gravierende Einbußen bei der Getreideernte in Niedersachsen. Sie fällt mit rund 5,5 Millionen Tonnen um 3,4 Prozent niedriger aus. Besonders Winterweizen erwischte die Hitze mitten in der wichtigen Kornfüllung. Robustere Wintergerste profitierte von ihrer frühen Entwicklung und erreichte mit 78,7 Dezitonnen pro Hektar sogar einen höheren Ertrag von 2,1 Prozent über dem Vorjahr. Die Qualitäten fallen jedoch sehr unterschiedlich aus - je nachdem wie stark die Bestände vom Hitzschlag Ende Juni getroffen wurden.
Bei Raps ging der durchschnittliche Ertrag durch Witterungs- und Schadensereignisse wie Hagel um fast ein Fünftel zurück. Wirtschaftlich wird die schwache Ernte zumindest teilweise abgefedert. Der Erzeugerpreis erreichte ein Plus von 15,5 Prozent gegenüber 2025. Auch Mais zeigte ausgeprägte Trockenschäden - bis hin zu Totalausfällen. Hagel-, Wild- und Zünsler-Schäden haben die Ernte zusätzlich dezimiert.

Landwirtin Lea Eckhoff aus Ahrensmoor begutachtet den Schaden auf ihrem Maisfeld in Revenahe. Foto: Laudien
Bei Kartoffeln ist mit etwa 14 Prozent weniger Erträgen als im Vorjahr zu rechnen. Kleinere Knollen, Hitzeschäden und Qualitätsprobleme werden die Menge zusätzlich reduzieren.
Bei Zuckerrüben führen das globale Zucker-Überangebot und wenig attraktive Marktpreise zu weiterem Rückgang der Anbaufläche. Bei Grünland sorgte die Trockenheit ab Jahresmitte für äußerst unbefriedigende Ernteergebnisse.
Wie heiß war der Sommer 2026 im Vergleich zu Vorjahren?
Nach Berechnungen des Wetterinformationsdienstes Wetterkontor, die auf Messdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) beruhen, wurden an niedersächsischen Wetterstationen bis Ende August 2026 je nach Region etwa 13 bis 22 heiße Tage mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 30 Grad registriert. Damit wurde die mittlere Zahl von 7,3 Hitzetagen pro Jahr in der DWD-Klimareferenzperiode 1991–2020 getoppt.
Die Hitzeperiode Ende Juni mit bis zu 40 Grad Celsius traf die Kulturen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien: Für die Winterweizensorten fiel diese Phase in die Kornfüllung - genau die Phase, in der Bewässerung und Temperatur entscheidend für die Ausbildung des Korns und damit für Ertrag und Qualität sind.
Mit welchen Problemen hatte die Landwirtschaft zu kämpfen?
Bei Weizen und Raps steht der Landkreis Stade im bundesweiten Vergleich ähnlich unter Druck wie der Rest Deutschlands - hitzebedingt geringere Erträge treffen auf hohe Produktionskosten. Einbußen bei Ertrag und Qualität, unterdurchschnittliche Erzeugerpreise, Wetterrisiken, politische Krisen und steigende Preise für Energie und Betriebsmittel: Diese Mischung erfordert in zahlreichen Ackerbaubetrieben seit Anfang des Jahres eine wohlüberlegte Liquiditätsplanung, um für die Ausgaben des kommenden Erntejahrs gerüstet zu sein.
Wie bewerten die Landwirte im Landkreis Stade den Sommer 2026?
„Wenn wir die bundesweite Erntebilanz sehen, sind wir im Landkreis Stade noch mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Jan Dammann, Landwirt in Harsefeld-Issendorf und Geschäftsführender Vorstand vom Kreisbauernverband Stade.

Jan Dammann, Landwirt in Issendorf und geschäftsührender Vorsitzender vom Kreisbauernverband Stade. Foto: Jan Dammann
Vordergründig passe dazu auch die Erfahrung, dass unterdurchschnittliche Ernten zu überdurchschnittlichen Marktpreisen führten, so Dammann. „Leider ist das dieses Jahr aber nur die halbe Wahrheit, denn selbst normale Erträge haben vielfach nicht verhindert, dass die steigenden Energie- und Betriebsmittelpreise nicht gedeckt werden können.“
Aus ackerbaulicher Sicht würden die ersten Ergebnisse der Maisernte noch etwas Hoffnung machen. „Der Mais scheint bei uns in der Region den Sommer in den meisten Fällen überraschend gut überstanden zu haben.“ Damit dürfte die Versorgung der Tiere bis zur nächsten Ernte gesichert sein, sagt Dammann.
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Betrachte man alle Betriebe, trübe sich das Bild aber wieder deutlich ein. „In der Vergangenheit haben die meisten hiesigen Betriebe solche Marktsituationen gemeistert, weil sie mehrere Standbeine aufgebaut haben.“ Somit seien Verluste aus dem Ackerbau mit guten Ergebnissen aus der Tierhaltung ausgeglichen worden - und umgekehrt.
Belastend seien aber steigende Kosten: „Bei fallenden Milchpreisen und desaströsen Märkten für Ferkel und Schweine kämpfen wir im Moment aber in allen Bereichen gegen die stetig steigenden Kosten“, erklärt Dammann. Auch der Ausblick auf die nächste Saison verspreche keine Erholung: „Während die Preise für Energie und Dünger unverändert nach oben zeigen, haben die Notierungen für Getreide und Mais aktuell offensichtlich ihre Hochpunkte erreicht.“
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