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Landkreis Cuxhaven

TWolf gefilmt – Ortsbürgermeister warnt: „Haus nicht ohne Begleitung verlassen“

Montagmorgen gegen 5 Uhr in Otterndorf: Ein Wolf läuft neben einem Fahrzeug auf der Landesstraße 118 nahe des Gewerbegebietes her.

Montagmorgen gegen 5 Uhr in Otterndorf: Ein Wolf läuft neben einem Fahrzeug auf der Landesstraße 118 nahe des Gewerbegebietes her. Foto: privat/Screenshot

Wie in Stade: Auch in Otterndorf und Cuxhaven-Altenwalde spazierte ein Wolf durch Straßen und Gärten. Die ersten Reaktionen schlagen hohe Wellen, die Polizei appelliert.

Von T. Francke, M. Reese-Winne, E. Schröder Donnerstag, 28.05.2026, 04:50 Uhr

Otterndorf/Cuxhaven. In aller Seelenruhe spazierte ein Tier durch das Altenwalder Zentrum. Kurz zuvor begleitete gegen 5 Uhr ein Wolf einen Autofahrer mitten auf der Landesstraße zwischen Otterndorf und Neuenkirchen über eine längere Distanz. Alles ganz harm- und gefahrlos? Die Szenen zu Wolfsbegegnungen im Landkreis Stade ähneln sich.

Wolfsbegegnung auf dem Weg zur Arbeit

Der „Niederelbe-Zeitung/Cuxhavener Nachrichten“ hat der Augenzeuge, der ein Video von seiner Begegnung mit dem Wolf in Otterndorf gedreht hat, die ungewöhnliche Situation geschildert.

Zum ersten Mal in seinem Leben begegnete ein Otterndorfer einem Wolf, der gegen 5 Uhr zwischen Otterndorf und Neuenkirchen gemächlich neben seinem Auto über 50 bis 80 Meter am Straßenrand lief. Der Mann war auf dem Weg zur Arbeit, als er den Wolf sah, der am Straßenrand im Bereich der ehemaligen Molkerei und des Autohauses unterwegs war. Der Wolf nahm nicht Reißaus; auch nicht nach einem Ruf durch die geöffnete Fensterscheibe.

Das Video kursiert seit Montag im Internet und hat völlig unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Das hat auch Markus Mushardt vom Ferienhof Katthusen erfahren. Er teilte das Video, veröffentlichte es auf seinem Account und erlebte dann, wie sich eine kontroverse Diskussion im Netz entwickelte.

Bei Markus Mushardt sorgt das Video für ein mulmiges Gefühl: „Es geht doch nicht darum, den Wolf auszurotten. Aber dass hier ein Tier am helllichten Tag in aller Ruhe auf einer Straße und einem Radweg läuft, hat doch schon eine ganz besondere Qualität. Da sind schließlich auch viele Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur oder von der Schule unterwegs.“ Zudem würden rechts und links der Straße Rinder mit ihren Kälbern stehen: „Der hat anscheinend keine Scheu.“

„Haus nicht ohne Begleitung verlassen“

Dass im Altenwalder Forst und den Cuxhavener Küstenheiden Wölfe leben, ist den Anwohnerinnen und Anwohnern seit Jahren hinlänglich bekannt. Einige berichten von Begegnungen am Gartenzaun. Am Sportplatz und den Tennisanlagen sind sie der Zivilisation schon sehr nah gekommen.

Die am Pfingstmontag entstandenen Bilder des Wolfes, der scheinbar in aller Ruhe auf der Hauptstraße und in der Straße Am Altenwalder Bahnhof herumspaziert, zeigen aber eine andere Qualität: ein wildes Tier mitten im Ortskern. Dort, wo Menschen morgens ihre Brötchen holen und Kinder zur Schule gehen. An der Straße Am Altenwalder Bahnhof soll der Wolf sogar in den vergangenen Wochen schon mehrfach zu sehen gewesen sein.

Ortsbürgermeister Ingo Grahmann rief am Montag zur Besonnenheit auf, spricht aber auch eine klare Warnung aus, die - wird sie wörtlich genommen - erhebliche Auswirkungen auf viele Familien, aber auch Schulen und Kitas haben muss. Grahmann: „Dass ein Wolf in unserem Stadtteil ,spazieren‘ geht, ist für uns alle ungewöhnlich und weckt bei vielen bestimmt Sorgen vor gefährlichen Situationen. Die Behörden sind informiert und werden alles daransetzen, das Geschehen unter Kontrolle zu halten und Gefahren zu minimieren. Jetzt heißt es, besonnen zu bleiben, da der Mensch nicht zum Beuteschema dieser Gattung gehört. Jedoch ist in jedem Falle Vorsicht geboten und vor allem unsere Kinder sollten vorerst nicht ohne Begleitung das Haus verlassen! Wir vertrauen den zuständigen Stellen in Fragen zur Wolfsproblematik und berichten weiter über den Fortgang.“

Die evangelisch-lutherische Kita neben dem Bürgerpark befindet sich in Sichtweite der Wolfssichtungsstelle vom Montag; die Geschwister-Scholl-Schule liegt sehr nah am Waldrand.

Polizei Cuxhaven bestätigt Sichtungen

Ein Sprecher der Polizei Cuxhaven bestätigte gegenüber „CNV-Medien“ die Sichtung des Tieres. Auffällig sei gewesen, dass trotz der zahlreichen kursierenden Bilder und Berichte vergleichsweise wenige Meldungen bei der Polizei eingegangen seien. „Man kann uns immer gerne Bescheid sagen“, erklärte der Polizeisprecher. Der Wolf sei mittlerweile ins Jagdrecht aufgenommen worden, Zuständigkeiten lägen grundsätzlich im jagdlichen Bereich.

Dennoch nehme die Polizei Hinweise entgegen und sammle Informationen. Akute Gefährdungen habe es bislang nicht gegeben. Nach bisherigen Erkenntnissen kam es zu keinem direkten Aufeinandertreffen zwischen Menschen und dem Tier. Die Fotos seien offenbar überwiegend aus Autos oder aus Häusern heraus aufgenommen worden.

Wo sich das Tier aktuell aufhält, sei derzeit allerdings nicht bekannt. Eine letzte Sichtung wurde am Montag gegen 8 Uhr morgens gemeldet.

„Wir gehören nicht zum Beuteschema“

Die Warnung seines Altenwalder Amtskollegen Ingo Grahmann kann der Otterndorfer Bürgermeister Claus Johannßen in dieser Form nicht nachvollziehen. Er warnte bei aller emotionalen Debatte davor, die Sachlichkeit nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Die Gefahr, dass ein Wolf einen Menschen angreife, sei doch verschwindend gering.

Das sieht auch Wolfsberater Heiko Hellmann ähnlich. Dass ein Wolf nicht - wie in Otterndorf - vor einem Fahrzeug flüchte, sei nicht ungewöhnlich. Die Tiere würden Autos oder Traktoren nicht in einen Zusammenhang mit einem Menschen bringen. Für Hellmann ist auch die Situation in Altenwalde nicht atypisch. So habe sich der Wolf möglicherweise morgens auf einem Streifzug befunden und sei dann auf die Hauptstraße geraten.

Nach seinen Informationen seien zu diesem Zeitpunkt kaum Menschen auf der Straße oder den Gehwegen in Altenwalde gewesen. Sollte es dagegen zu derartigen Sichtungen in Zeiten kommen, in denen der Ort mehr belebt sei, dann müsse man die Lage neu bewerten. „Der Wolf“, so Hellmann, „ist sicherlich kein Kuscheltier. Aber wir Menschen gehören nicht zu seinem Beuteschema.“

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