TWolfsangriffe: Landkreis Stade verschont, Cuxhaven in Alarmbereitschaft
Ein Europäischer Wolf in einem Gehege im Wolfcenter Dörverden. In Niedersachsen soll es zwischen 500 und 600 freilebende Wölfe geben. Foto: Sina Schuldt/dpa
Neue Bundesgesetzgebung und ein Wolfsabschuss im Nachbarkreis. Wie geht es weiter mit dem Wolf? Das TAGEBLATT beantwortet die Fragen zur Jagd auf das Raubtier.
Wolfslage im Landkreis Stade
Im Jahr 2026 gab es im Landkreis Stade keine gemeldeten Wolfsangriffe auf Weidetiere. Im Gegensatz dazu eskalierte die Situation im benachbarten Landkreis Cuxhaven. Dort ordneten die Behörden nach mehreren Jahren Pause erneut einen Wolfsabschuss an. In der Nähe von Zeven ereignete sich einer der größten Wolfsangriffe in Deutschland seit der Rückkehr der Wölfe. Dabei rissen Wölfe 54 Schafe.

Der Hannoveraner-Wallach wurde in Kutenholz von einem Wolfsrudel getötet und zerfleischt. Foto: Meyer
Es ist bekannt, dass einige Wolfsrudel häufig Nutztiere wie Schafe, Ziegen, Rinder oder Pferde reißen, während andere unauffällig bleiben. Im Landkreis Stade gibt es jeweils ein Rudel im Raum Drochtersen und im Raum Oldendorf. Die letzten Wolfsangriffe im Landkreis Stade ereigneten sich am 24. Oktober 2025, als Wölfe in der Gemeinde Kutenholz ein Pferd und drei Schafe töteten.
Neue gesetzliche Lage
Der Bundestag beschloss in der vergangenen Woche, den Wolf in das Bundesjagdgesetz aufzunehmen und das Bundesnaturschutzgesetz anzupassen. Zuvor stufte die EU den Schutzstatus des Wolfs von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herab. Deutschland meldete der EU-Kommission einen günstigen Erhaltungszustand des Wolfs, was diese Herabstufung ermöglichte. Wolfsschützer bezweifeln jedoch diese Einschätzung.
Neu ist, dass sogenannte Problemwölfe einfacher geschossen werden können. Vor der Gesetzesänderung kassierten Verwaltungsgerichte die meisten Abschussgenehmigungen. Dies geschah 2024 auch der Stader Kreisverwaltung bei der Jorker Wölfin.

Schafe sind bei den Nutztieren die gefährdetste Tierart. Das Bild zeigt eine tote Heidschnucke bei Mulsum. Foto: Wisser
Das neue Gesetz erlaubt zudem in Gebieten mit einem guten Erhaltungszustand die normale Jagd auf Wölfe. Unabhängig vom Erhaltungszustand dürfen Wölfe geschossen werden, wenn sie in speziell ausgewiesenen Weidegebieten Schäden anrichten.
Behörden können solche Zonen dort festlegen, wo Schutzmaßnahmen wie Zäune nicht zumutbar sind, etwa an Deichen im Landkreis Stade. Die Jagdzeit ist vom 1. Juli bis zum 31. Oktober vorgesehen. Für Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde gibt es weiterhin staatliche finanzielle Unterstützung.
Umsetzung der neuen Regelungen
Der Bund gibt den Rahmen vor, die Länder übernehmen die konkrete Ausgestaltung. In Niedersachsen ist die rot-grüne Landesregierung zuständig. Innerhalb der Koalition gibt es Unterschiede: Während die SPD, vertreten durch Ministerpräsident Olaf Lies und seinen Vorgänger Stephan Weil, die Gesetzesänderung unterstützt, zögern die Grünen bei der normalen Jagd, dem sogenannten regionalen Bestandsmanagement.
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte jedoch den neuen Spielraum und kündigte an, alle Möglichkeiten des Bundesgesetzes vollumfänglich umzusetzen. Die Umsetzung soll im „Dialogforum Weidetierhaltung“ mit Tierhaltern, Kommunen, Naturschützern und Jägern besprochen werden.
Definition eines Problemwolfs
Ein Wolf gilt als Problemwolf, wenn er nachweislich Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Weidetiere gerissen hat. In diesem Fall darf der jeweilige Jagdberechtigte den Wolf innerhalb einer bestimmten Frist erlegen. Unabhängig vom Erhaltungszustand in der Region dürfen Wölfe auch dann geschossen werden, wenn sie in speziell ausgewiesenen Weidegebieten Schäden anrichten, etwa auf Deichen.
Identifikation von Problemwölfen
Jäger können Problemwölfe beim Abschuss kaum unterscheiden. Die Nähe zum Tatort kann ein Indiz sein. Wölfe sind optisch, besonders mit Winterfell, schwer zu unterscheiden.
DNA-Analysen können klären, welches Tier für den Angriff verantwortlich ist, aber diese Information liegt beim Abschuss nicht vor. Beim Abschuss in Cuxhaven wurde der richtige Wolf getroffen, in der Vergangenheit jedoch mehrfach der falsche.
Ziel der Jagd
Jäger schlagen vor, Teile des Nachwuchses zu schießen. „Sinnvoll ist es, direkt in die Jugendklasse einzugreifen“, sagt Helmut Dammann-Tamke, Präsident der deutschen und der niedersächsischen Jäger. Wölfe bekommen ihre Jungen meist im Frühjahr zwischen April und Mai. Geschossen werden müssten sie, bevor sie das erste Winterfell bekommen, damit die Jäger sie als Welpen erkennen können.

Wann können Jäger Wölfe schießen? Das Land schafft jetzt eine neue gesetzliche Grundlage. Foto: Grubitzsch/dpa
Dammann-Tamke nennt 40 Prozent der Jugendklasse als Zielvorgabe für die Jagd. Dies soll das Wachstum der Wolfspopulation in Gebieten mit günstigem Erhaltungszustand bremsen und verhindern, dass die Struktur der Wolfsrudel zerstört wird. Ohne die „Erziehungsberechtigten“ richten verwaiste Jungtiere deutlich mehr Schaden an und töten mehr Nutztiere.
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