20.03.2017, 19:53
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Kultband Wanda spielt in der Großen Freiheit
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HAMBURG. Die Wiener Austro-Pop-Band Wanda hat längst Kultstatus erreicht. Als Liebling der Feuilletonisten und Hipster der gentrifizierten Großstadt, es ist krachender Deutsch-Rock mit Hintersinn. Zwischendurch einige Schnäpse und die Akkorde wie Synapsen fetzen und fliegen.

Von Martin Sonnleitner

Die eineinhalb Stunden Konzert in der Großen Freiheit waren an einem verregneten Sonntagabend nicht gerade spektakulär. Die Gruppe um den extrem charismatischen Frontmann und Sänger Marco Michael Wanda hat heftige Jahre hinter sich, wirkte ein wenig müde. Zwei Studioalben, Hunderte Interviews, schillernde und zugleich authentische Außendarstellung zeigen ihre Wirkung. Popstar sein ist anstrengend, die Tournee ist lang, doch der Funke in der Freiheit zündete dennoch und schlug über auf die vorwiegend sehr jungen Fans.

Die Hits heißen „Bologna“, „Schickt mir die Post“, „Gib mir alles“ oder „Bussi Baby“. Sie handeln vom emotionalen Taumeln, Feierwahn und Beziehungsstress. Vor allem aber ist es dieser irre, wilde und satte Groove, der das Quintett auszeichnet. Garniert mit der gleichzeitig röhrig wie eingängigen Stimme des Sängers.

„Tu mir weh, Luzia“, lautet so eine hochempathische Textzeile. Im wilden Rhythmus wird daraus die Explosion namens Wanda. Hier treffen Zeitgeist und Weltschmerz aufeinander.

Es geht um „mein Mädchen“, Trinken und die Fahrt in den Himmel. Wanda lebt definitiv auch sehr vom Sänger und dessen speziellem Charme. Die Stimme wirkt leicht überstrapaziert, live noch viel rauer als auf Band. „Flaschen von Gestern, meine beiden Schwestern, ich schau dich gern von rechts an“, tönte es in einem kryptischen Liebeslieb. Die Menge wogte und sang lauthals mit.

Wanda ist auch eine Synthese aus angesagtem Metropolenthype mit Iphone in der Hose und gleichzeitig lokal verankertem Schmäh. Wienerisch halt. Sie sind zäh, mäandernd und intellektuell. Der Groove war gut, es war ein eineinhalb-stündiges Schwingen und Vibrieren im Saal. Der Draht zum Publikum war gut, immer wieder ging es um „Amore“.

Nach genau einer Stunde kam der Megahit „Bussi Baby“. „Ich will Schnaps“ und „Wenn du mich liebst“ gehen in einem anderen Song zusammen. Marco Michael Wanda verkörpert weniger den Erotomanen als den tiefsinnigen Zeitgenossen, schluffig und fancy zugleich. Bei Wanda wird der Deutschpop schlicht in die hart getaktete vibrierende Gegenwart transportiert.

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